Wir haben hier ja schon öfter über das Kollektorlabel berichtet und langsam tut sich da was. Auch wenn es sicher noch nicht perfekt ist, ist es für mich vor allem was das Thema Transparenz betrifft, sehr wichtig. Ich habe nun interne Informationen bekommen, was das Label schon alles bewirkt hat und da kann man wirklich nur sagen, dass es sicher wenige Initiativen gibt, die in so kurzer Zeit so viel bewirkt haben, und sich der Vorwurf, es handle sich um ein reines Marketinginstrument der Hocheffizienzkollektorhersteller nicht halten lässt und klar wird, dass es ein Instrument ist, dass endlich Transparenz und Bewegung in die Branche bringt.

1. Firmen erkennen, dass ihre Kollektoren keine Ertragsdaten haben

Ja, so traurig das klingt und es macht mich direkt wütend sowas zu hören. Es gibt tatsächlich Firmen, die es noch nicht geschafft haben, die tatsächlichen Ertragsdaten laut Solar Keymark Datenblatt 2 zu erheben bzw. in Auftrag zu geben, obwohl das seit 2013 (auch eine Katastrophe für sich…) bei allen neuen Kollektoren Pflicht ist. Durch die Gespräche über das Label, kommen aber anscheinend viele drauf, dass das nicht schlecht wäre und machen es. Na immerhin was.

2. Fehler bei den Zertifikaten werden erkannt und behoben

Da bei der Ausstellung des Kollektorlabels eine genaue Prüfung der Zertifikate durchgeführt wird, wurden erstaunlich viele Fehler in den Zertifikaten entdeckt, die jedoch schnell und unbürokratisch von den Testinstituten korrigiert werden.

3. Problematische Testergebnisse wurden transparent

Da sich in den letzten Jahrzehnten anscheinend niemand so wirklich Gedanken über die Ertragsdaten gemacht hat, war es bislang auch nicht aufgefallen, wenn manche Ergebnisse nicht ganz schlüssig waren, weil der ein oder andere Markteilnehmer vielleicht etwas schummeln wollte (soll ja in den besten Familien vorkommen…). Nun konnte eine offizielle Beschwerde im Solar Keymark Network eingereicht werden und die Untersuchungen laufen.

4. Fälschung erkannt und BAFA informiert

Während die einen Hersteller die Wichtigkeit des Datenblatt 2 verschlafen haben, haben andere es anscheinend ernster genommen. Die Ertragsdaten auf dem Datenblatt 2 waren in einem Fall gefälscht und die entsprechenden Stellen wurden informiert. Auch das BAFA wurde informiert um zu prüfen ob sich die Herrschaften dadurch einen Fördervorteil verschaffen wollen. Leider ist es bislang nicht gelungen das herauszufinden, da das BAFA ja wie wir wissen mittlerweile eine ertragsbezogene Förderung gewährt, aber auf der Website die zugehörigen Ertragsdaten nicht zu finden sind. Ein Umstand der baldigst geändert werden sollte. Diese Daten müssen dringend transparent gemacht werden und direkt in die BAFA Liste.

5. Billigprodukte als Mogelpackung und Förderschwindler entlarvt

Achtung: Dieser Punkt ist nur was für die Profis unter euch und nix für Laien: Dadurch, dass es in den letzten Jahren massiv an Transparenz in der Branche gefehlt hat, sind Fehlentwicklungen keine Überraschung. Umso wichtiger ist es jetzt die Fehler der Vergangenheit zu erkennen und zu beheben. Wie ihr wisst gibt es auch unter den Röhrenkollektoren einige schwarze Schafe, die nicht selten aus dem asiatischen Raum kommen, auch wenn das jetzt keine Verallgemeinerung sein soll. Auch haben wir hier schon berichtet, wie problematisch eine Förderung nach Aperturfläche sein kann. Das ist nun deshalb problematisch, weil es eine ganze Reihe chinesischer Röhrenkollektoren gibt, die zwar einen passablen Ertrag bezogen auf die Aperturfläche liefern, bezogen auf die Bruttofläche aber weit hinter einem guten deutschen Flachkollektor rangieren. Die Klassifizierung mit dem SOLERGY Label zeigt hier mit der Klasse B und einem Jahreswirkungsgrad unter 30%, dass diese Kollektoren eigentlich nicht mehr förderwürdig sind. Ganz aktuell wurde dann festgestellt, dass auch ein sehr namhafter deutscher Hersteller jetzt ein noch ertragsschwächeres Röhrenkollektorprodukt auf den Markt gebracht hat und die Fördersumme pro bereitgestelltem Referenzertrag aufgrund der sehr unglücklichen, um nicht zu sagen ungerechten, Pauschalförderung von Kollektorfläche „optimiert“. Der eigentlich als Persiflage gedachte iMap Kollektor in Staffelstein hat dadurch einen Bruder in der realen Welt erhalten. Es mag durchaus Anwendungsfälle für diesen Kollektor mit einem Jahreswirkungsgrad von 23 % geben (Anm.: Die PV ist inzwischen bei 21%), allerdings ist die benötigte Kollektorfläche bei der vom Hersteller propagierten Anwendung zur Warmwasserbereitung fast doppelt so groß wie bei einem sehr guten Flachkollektor der Kategorie A+++. Gerecht und angemessen wäre es daher, wenn die Kollektoren nach ihrem Ertrag und nicht nach der Größe gefördert würden.

6. Solarthermie bekommt neues Selbstbewusstsein

Neben all den Problemen, die das Label jetzt erstmal aufgedeckt hat, hat es zudem dazu geführt, das ein neues Selbstbewusstsein sich in der Branche breit macht und die Solar Keymark gestärkt wurde. Die Solarthermie wird wieder als zuverlässiger Energielieferant wahrgenommen und kann nun die Rolle erfüllen, die ihr nach dem Klimagipfel in Paris zusteht. Ein unabdingbarer Partner beim Umbau des Wärmesystems.

7. Unabhängiger Partner wird Herausgeber des Labels

Da eine private Initiative wie die Initiative Sonnenheizung nicht als globaler Partner für ein Label auftreten kann, hat nun DIN CERTCO das Label aufgenommen und wird die ausgezeichneten Kollektoren in einer öffentlich zugänglichen Registrierungsdatenbank führen.

Und ja, das Label ist sicher noch nicht perfekt. Aber es ist höchste Zeit mal was zu tun und mich freut es vor allem, dass hinter den Kulissen anscheinend schon so viel passiert ist.

Photo: kallejipp / photocase.com