„Die Energiewende findet nicht statt“, konstatiert Chefredakteur Johannes Laible in seinem Editorial zum Passivhaus Kompendium 2013 – ganz ähnlich wie das BUND-Jahrbuch, das ich hier vorgestellt habe. Das Passivhaus Kompendium stellt dieser provokanten These 176 prall gefüllte Seiten Informationen und Ideen für Bauen im Passivhausstandard gegenüber.

Grundlagen und Neuigkeiten – cool bleiben statt heizen

Die Infografiken am Beginn des Heftes führen gleichermaßen übersichtlich wie detailreich ins Thema Passivhaus ein; es folgt eine Fotodokumentation über die Passivhäuser des Jahres und Neues über rechtliche Entwicklungen – unter anderem über die für Ende 2013 erwartete neue Energieeinsparverordnung, die den Energiestandard von Gebäuden weiter nach unten drücken wird, sowie Berechnungsverfahren und einiges mehr. Mit einem Blick ins Ausland und wagt das Heft die Vision des Passivhauses als globalem Standard, der sich den jeweiligen Baukulturen, klimatischen, finanziellen und sozialen Bedingungen anpasst. Nicht heizen, sondern cool bleiben heißt die Devise für Passivhäuser in südlicheren Ländern. Hier ist eine durchdachte Verschattung mindestens ebenso wichtig wie eine massive Dämmung und Wärmebrückenfreiheit in nördlicheren Gefilden.

Klassische Passivhausthemen kritisch hinterfragt

Die Projektbeispiele im Heft bieten Interessantes für Profis und Anfänger: Vom Wohnhaus über Passivhaushotels, Schulen, Pflegheime und Sportstätten reicht das Programm. In weiteren Artikeln werden die einzelnen Passivhauskomponenten zum Teil kritisch hinterfragt: Wie ist es um die Hygiene bei der Passivhauslüftung bestellt, ist Strom zur Wärmeerzeugung vertretbar, was ist mit dem Brandschutz und was sollte man über Passivhausfenster, Brandschutz und Dämmstoffe wissen? Ähnlich wie im BUND-Jahrbuch gibt es eine Übersicht über Dämmmaterialien samt Dämmeigenschaften, Herkunft und Feuerwiderstand.

Im Bereich des Möglichen: Solarthermie und Holzofen

Das Heizen mit Solarthermieanlagen spielt naturgemäß eine untergeordnete Rolle im stark gedämmten Passivhaus, doch es gibt sie: Als Könnte-Option in dem Artikel über Sportstätten in Passivhaus-Bauweise, oder als Bestandteil eines Kompaktaggregates mit Fortluftwärmepumpe und Frischluftheizung. In der Tat weisen alle in der Marktübersicht aufgeführten Lüftungskompaktgeräte eine Anschlussmöglichkeit für Solarkollektoren auf, und im Beitrag „“Strom zur Wärmeerzeugung?“ wird die solarthermische Anlage als wichtiger Beitrag genannt, um den Strombedarf für Heizzwecke zu minimieren. Der Artikel von Peter Hufer schließlich beantwortet die Frage, wie ein Holzofen im Passivhaus gefahrlos eingesetzt werden kann. 

PR und Redaktion vermischt

Ein wenig irritiert war ich über so manchen Lückenfüller, der erst auf den zweiten Blick durch den mikroskopisch kleinen Übertitel als „PR-Präsentation“ erkennbar war, eingebettet zwischen redaktionelle Artikel. Für die urteilskräftige Leserschaft stellt es aber sicher kein Problem dar, sich selbst eine Meinung zu bilden – insbesondere, da das Heft insgesamt ein breites Spektrum abdeckt. Das  Glossar am Ende des Heftes und eine Übersicht über Planungsbüros, Hersteller und Lieferquellen bieten hohen Informationsgehalt und Service.

Ein zusätzliches Zuckerl sind die zwei Freikarten für die CEB, die internationale Fachmesse für erneuerbare Energien und Passivhaus vom 7.-9. Feb. 2013 in Stuttgart, die bei der Bestellung mitgeliefert werden.

Johannes Laible (Hrsg.): Passivhaus Kompendium 2013. Allensbach: Laible Verlagsprojekte,2012. 176 Seiten. 7,90 Euro. ISBN 978-3-9813761-9-7. Erhältlich im Zeitschriften- oder Buchhandel oder über den Verlag; dort finden sich auch Leseproben und weitere Bestellmöglichkeiten, auch als e-Magazine.

Bild: (c) Laible Verlagsprojekte – Titelseite Passivhaus Kompendium 2013