Der eine oder andere mag es schon mitbekommen haben, ich bin gerade zum vierten Mal Mutter geworden. Mein Kind kam Ende Januar zur Welt, genau gesagt: an einem der bisher kältesten Tage dieses Jahres. In Hamburg hatten wir am Geburtstag 12 Grad unter Null! Und was soll ich schreiben, mein erstes Winterbaby schafft, was bisher keiner vermochte: Ich änderte plötzlich unsere Heizgewohnheiten – ohne Rücksicht auf die steigenden Heizkosten!

Ein Blick auf die Heizkostenabrechnungen der vergangenen neun Jahre, die wir bereits in unserer Mietwohnung wohnen, zeigt unser bis dato stetiges Heizverhalten. Von den allmonatlich vorausgezahlten Heizkosten haben wir bisher immer mehr als die Hälfte zurückbekommen. Der Grund: Wir haben kaum geheizt! Von unseren drei Zimmern nebst Küche und Bad heizten wir in der Regel nur das Wohnzimmer. Alle anderen Räume profitierten von der Wärme, die wir und die freiliegenden Heizungsrohre beziehungsweise Herd und Backofen bei Betrieb verströmten. Zur Info: Wir sind eine von 20  Mietparteien in einem gedämmten Haus mitten in Hamburg, das rechts und links auch noch Mauer an Mauer mit den Nachbargebäuden steht. Das ist praktischer Warmsinn!

Frieren tut bei uns immer nur der Besuch – wir haben uns an die stets herrschenden 17, 18 oder 19 Grad Raumtemperatur bei uns gewöhnt. Unter uns: Es soll sogar einen Frostköddel  geben, der unsere Raumkühle über unsere Herzenswärme stellte und uns nicht mehr mit seiner Anwesenheit beehrt. Doch das nur ganz nebenbei. Obwohl … Ach, so viel Zeit muss sein: Liebe E., wir hoffen, Dir geht es gut und du hast es gerade schön warm! In diesem Warmsinn zurück zur Sache!

Ebenso gewöhnt haben wir uns inzwischen nämlich an die entsprechend hohe Heizkostenrückzahlung, die uns alljährlich ins Haus flatterte. Die wird für diesen Winter sicher niedriger ausfallen. Denn mit dem Einzug des neuen Erdenbürgers in unser Leben, sprich: unsere vier Wände, habe ich die Thermostate sämtlicher unserer Heizungen aufgedreht, um eine kuschelige Grundwärme in den Räumen zu erhalten. Zwei der Heizkörper arbeiteten somit zum allerersten Mal für uns. Zum Glück hatte ich sie im Zuge meines die Geburt ziemlich sicher ankündigenden Nestbautriebs noch fix entstaubt – und so verhindert, dass muffiger Heizkörpermief unser Raumklima beeinträchtigt. Im Schlafraum von Mutter und Neugeborenem – yes, wir praktizieren das sogenannte Co-Sleeping – habe ich sogar des Nachts durchgeheizt. Was für ein Warmsinn!

Dem Baby war die in meinem Empfinden schon tropische Raumtemperatur von 20+ Grad Celsius nach den 37-Grad-warmen Klimaverhältnissen im Mutterleib und der gefühlt mindestens ebenso warmen Luft im Kreißsaal und auf der Wöchnerinnenstation der Geburtsklinik offensichtlich gerade hoch genug, zumindest waren alle zehn klitzekleinen Fingerchen und die Nasenspitze stets schön warm. Mir als hormongeflashte Wöchnerin war sowieso eher heiß als kalt und der Rest meiner thermisch betrachtet „abgehärteten“ Familie kam bei den ungewohnt hohen Raumtemperaturen auch ziemlich rasch ins Schwitzen. Welch Warmsinn!

Selbst unsere Katze erhob sich plötzlich von ihrem Stammplatz, dem ständig auf Stand-by und entsprechend warm laufenden Receiver, um an anderer Stelle das eine oder andere ihrer alltäglichen Schläfchen zu schlafen. Das stets feuchtkalte Näschen des Tieres zeugte dabei stets von bester Gesundheit desselben. Es wird also an der erhöhten Raumtemperatur liegen, dass die Katze ihre Gewohnheit änderte. Den wärmenden Kasten hatte sie sonst nur unter lautstark gefauchtem Protest verlassen. Tierischer Warmsinn!

Zum Glück hielt die verkehrte Heizwelt in unserem Haushalt nur wenige Tage an. Und das meine ich als unser Finanzminister nicht der Mehrkosten (es heißt ja, ein Grad weniger im Raum senke die Heizkosten um sechs Prozent) wegen, die wir mit unserem veränderten Heizverhalten sicher verursachten. Nein, der Klimawandel schlug uns allen ja auch irgendwie aufs Gemüt. Und hatte selbst logistische Auswirkungen: Plötzlich wollten die Kinder ihre Sommerklamotten haben, die den Winter über eigentlich wohlverstaut in Kisten ganz oben auf den Schränken lagern. Ich kann mich nur wiederholen: So ein Warmsinn!

Mit den steigenden Außentemperaturen drehten wir unsere Heizungen deshalb schnell wieder aus und brachten unsere Körper damit wieder in die bewährte und buchstäblich: familiäre Betriebstemperatur. Und keine Sorge: Das Baby friert selbstverständlich trotzdem nicht, schließlich hat es uns, die zunehmend wärmer werdenden Strahlen der Sonne, die durch die Fenster scheint, und seine von mir selbst gestrickte Schafwolldecke. Und übrigens, den Besuch, der zwischenzeitlich gar schon drohte, bei uns Wurzeln zu schlagen, zieht es angesichts unserer erneut abgekühlten Lebenswelt auch eher wieder in wärmere Gefilde. Wohl bekomm’s!

Foto: Jenzig71 / photocase.com