Ehrlich, wäre hier nicht die Diskussion über Effektivität und Kosten der Wärmepumpe aufgeflammt, ich hätte nicht freiwillig die Stromrechnungen und den dicken Bau-Ordner auf meinen Schreibtisch gepackt. Pro und Contra Wärmepumpe wurden in früheren Posts schon sehr gut dargestellt. Aber wie so oft bildet die konkrete Erfahrung daneben noch eine eigene Kategorie, sozusagen die Graustufen zwischen Schwarz und Weiß. Und die ergeben mitunter wieder ein ganz eigenes Bild.

Erstmal zu den Kosten. Wie Sabine in ihrem Post vom 27.7. schreibt, beziehen viele – so auch wir – für die Wärmepumpe (leicht verbilligten) Heizstrom, und zwar von der Süwag zum Tarif Thermo 18 (den Öko-Tarif Thermo 18 Natur gab es zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses noch nicht).

Wärmepumpe und Warmwasseraufbereitung laufen über einen separaten Stromzähler, unabhängig von unserem sonstigen Stromverbrauch. Ich betrachte im Folgenden ausschließlich den Verbrauch für Heizung und Warmwasser.

Die letzte Rechnung bezieht sich auf den Zeitraum September 2010 bis September 2011 und beträgt 511 Euro (inklusive einer Gutschrift von 50 Euro, vermutlich eine Werbeprämie für Neukunden) für 3044 kWh. Das heißt, wir haben aufs Jahr gerechnet monatliche Heizkosten von 42,60 Euro. Lässt man die einmalige Gutschrift außen vor, wären es 46,75 Euro. Darin enthalten sind die Kosten für die Warmwasserbereitung im Winter (Oktober bis März), wenn das Wasser nicht durch unsere Solarthermieanlage erwärmt wird. Bei einer Wohnfläche von etwa 115 m² kommen wir auf einen Energiebedarf von 26,47 kWh/m² pro Jahr. Das müsste, auch wenn ich hier einige EnEV-Berechnungs-Details unterschlage, guter KfW40-Standart sein. Noch ein paar Infos in Stichworten, die für die Beurteilung der beschriebenen Heiz-Situation wichtig sind: Das Haus wurde 2001 erbaut in Holzständerbauweise mit Cellulosefüllung, beheiztes Bauwerksvolumen laut Berechnung des Architekten: 416 m³, kein Keller, Fußbodenheizung, offene Bauweise.

Zum Vergleich ein nahezu beliebiges Berliner Mehrfamilienhaus, 48 Wohneinheiten, Baujahr 1963, ungedämmt, einseitig angebaut, das laut seinem Energieausweis tief im grünen Bereich liegt: Hier wurde der Energieverbrauch mit 89 kWh / m² berechnet, beträgt also mehr als das Dreifache. (Auch wenn dieser Vergleich beliebig erscheint, denke ich, er ist besser als keiner. Wer immer seinen Energieverbrauch hier zum Vergleich anführen möchte, ist dazu herzlich eingeladen!)

Luftwärmepumpe – ein Erfahrungsbericht

Wir zahlen also für Heizung und Warmwasser 4,88 € / m² / Monat. Auf den ersten Blick ist unsere Heizung damit fast unschlagbar günstig. Aber das liegt nicht allein an der Wärmepumpe, sondern vor allem daran, dass unser Haus gut gedämmt und nach Süden ausgerichtet ist. Die Heizung brauchen wir meist nur ein paar Stunden am Morgen, den Rest des Tages übernimmt die Sonne, wenn sie durch die großen Süd- und West-Fenster scheint. Erst abends läuft dann meistens nochmal für zwei, drei Stunden die Wärmepumpe. So weit mag das beneidenswert klingen. Leider gab es aber in den vergangenen Wintern sowohl Zeiten mit Hochnebel als auch solche mit Dauerfrost. Und die Kombination von beidem killt unseren Wohnkomfort. Wenn draußen tagelang Minusgrade wüten, dann kommt die Wärmepumpe an ihr Limit: Sie läuft und läuft, aber die Heiz-Ausbeute ist bescheiden. Wenn dann wegen Nebels keine Sonnenwärme durch die Fenster kommt, müssen wir uns zeitweise mit 18 Grad zufrieden geben. Oder es hat, weil wir nachts die Heizung fast immer abstellen, beim Frühstück mal bescheidene 17 Grad und dauert bis zum Nachmittag, ehe die 20-Grad-Marke geknackt ist. Zum Glück kommt das wirklich nur an wenigen Wintertagen vor. Und natürlich sind das Temperaturen, die man als gesunder erwachsener Mensch noch irgendwie bewältigen können sollte. Zum Beispiel indem man, wie Vertreter der Generation vor uns gerne raten, „einfach mal einen Pullover mehr anzieht“. (Um Mißverständnissen vorzubeugen: Ich glaube nicht, dass unsere Heizung die Ultima Ratio ist. Seitdem das Haus vor 12 Jahren geplant wurde, ist die Entwicklung weiter gegangen. Inzwischen kombiniert man die Wärmepumpe mit Solarthermie oder einem Holzofen und hat in den meisten energie-optimierten Häusern eine automatische Belüftung mit Wärmerückgewinnung. Beides Möglichkeiten, auch bei vorübergehend geringerer Leistung der Wärmpumpe eine angenehme Raumtemperatur zu erreichen.) Trotz dieser gelegentlichen Schwächen würde ich die Wärmepumpe keinesfalls gegen eine Öl- oder Gasheizung tauschen wollen.

Aber es ist Atomstrom!

Ja, ehrlich und mit größtem Bedauern gesagt, die Herkunfts-Angabe auf der Stromrechnung weist 19 Prozent „Kernkraft“ und 58 Prozent fossile Energieträger aus (allerdings Stand 2009). Nur 23 Prozent unseres Wärmepumpen-Stroms stammte also in dieser Heizperiode aus erneuerbaren Energien. Zu unserer Ehrenrettung kann ich nur sagen, dass wir erstens inzwischen den Stromtarif gewechselt haben und fortan auch für die Wärmepumpe sogenannten Naturstrom beziehen, und dass, zweitens, vergangene Woche der Solarteur da war und wir hoffentlich bald eine PV-Anlage anschaffen werden – falls der Platz auf dem Dach dafür reicht. Ich werde Euch auf dem Laufenden halten.

Soviel für heute aus dem Herzen einer Wärmpumpen-Betreiberin.

Foto: (c) Katrin Vetters (Ja richtig, das ist sie!)