Wer ist aufgrund der massiven Preissteigerungen im Ölbereich noch nicht mitbekommen hat (Grafik zu Preissteigerungen), sollte zumindest jetzt beginnen über neue Technologien nachzudenken. Seit gestern gibt es neue Zahlen der Energy Watch Group, die ich durch die Finanzierung durch die Ludwig Bölkow Stiftung erstmal als unabhängig einstufen würde (was so ziemlich das wichtigste Kriterium bei Energiestudien ist).  Es wird dargelegt, dass es in Zukunft noch schwieriger wird als ursprünglich gedacht, das fossile Energiesystem aufrecht zu erhalten. Hans-Josef Fell – der Sprecher der Grünen  – hat auf seiner Website die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst. In meiner Zusammenfassung liest es sich in etwa so

  • Die Felder aus denen schnell und billig Öl und Gas rauszuholen sind, neigen sich dem Ende zu. Auch das Allheilmittel Schiefergas und ist nur eine vorübergehende Episode, die das Grundproblem nicht löst.
  • Auch der unerschöpflich gedachten Kohle soll ab 2020 die Luft ausgehen und das maximale Fördervolumen dann erreicht sein, da China alles was es zu holen gibt, aufsaugt.
  • Der Umstieg auf Erneuerbare darf nicht länger hinausgezögert werden, wenn massive ökonomische und ökologische Schäden verhindert werden sollen.

Echte Öl-Zahlen sehr schwer zu bekommen

Für viele mögen solche Zahlen überraschend kommen, hört man doch je nachdem wem man gerade zuhört, dass die USA energieunabhängig werden, weil sie so viel Schiefergas gefunden haben und manche Ölstaaten behaupten sie hätten noch für viele, viele Jahre genug Öl. Andernorts hört man auch, dass durch die Armut in der Welt der Ölpreis noch lange unten bleiben wird. Dazu muss man wissen, dass lange Zeit die Staaten selbst für die Meldung der Zahlen um die Ölvorräte zuständig waren und sogar mehr Geld bekamen, wenn sie hohe Zahlen angegeben hatten. Ich möchte jetzt keinem Land Falschmeldungen unterstellen aber unter dem Blickwinkel dessen, dass es vermutlich unfassbar schwierig ist, solche Schätzungen überhaupt abzugeben, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass die Schätzungen dann eher optimistisch als pessimistisch ausgefallen sind. Schließlich gab’s dafür sogar noch eine Belohnung. Ich weiß natürlich nicht, wie die Energy-Group die Zahlen nun genau erhoben hat, aber es deckt sich mit dem was in Insiderkreisen schon lange über die tatsächlichen Zahlen gemunkelt wird.

Über Peak Oil lässt sich hervorragend streiten

Ich habe schon letztes Jahr über Peak Oil geschrieben und den Begriff mal genau erklärt. Es gibt auch hier sehr viele Begriffsunterschiede und so streitet man sich ob es nun um Peak Oil bei den konventionellen Brennstoffen oder den neuen, die in anscheinend unerschöpflichem Maße irgendwo in Gesteinsmassen darauf warten von uns rausgepresst zu werden. Dadurch sagen eben einige Peak Oil war bereits und andere, dass das 2015/2020/2050 eintreten wird. Auch die Internationale Energieagentur ist bei ihren Aussagen oft sehr vage und lässt Interprentationsspielraum den einer der Autoren in diesem Interview sehr gut beschreibt. Bei der Aspo Konferenz letztes Jahr hatte ich dazu ein wichtiges Aha-Erlebnis. Es geht nämlich nicht um Peak Oil, sondern um Peak CHEAP Oil (Hier kann man den Vortrag von Euan Mearns nachschauen). Also wie lange wir noch billiges Öl fördern können.

Billige Energie ist von gestern

Mit genug Geld können wir also noch eine Weile mit Öl, Gas und Kohle weiterheizen und so tun als würden sie keine externen Kosten verursachen. Die neuen Fördertechnologien sind außerdem alles andere als unproblematisch und oft auch weit entfernt von Wirtschaftlichkeit im Sinne von „billiger Energieträger“. Diejenigen, die noch viel Geld haben, werden sich also noch lange fossile Energie leisten können und die Euphorie um diese neuen Technologien ist laut Zitter auch der unumstössliche Beweis, dass sich die Betreiber des alten Energiesystems sehr wohl dem Umstand bewusst sind, dass ihre Existenzgrundlage sich dem Ende zuneigt.

Wichtig ist es deshalb jetzt auch auf politischer Ebene die richtigen Entscheidungen zu treffen und endlich Farbe zu bekennen. Sind die neuen fossilen Kapazitäten nämlich erstmal gebaut, lassen sie sich nicht so leicht wieder wegdiskutieren.

Wer sich genauer mit der Studie befassen will, kann hier den Originaltext oder das sehr interessante Interview von Herrn Zittel, einem der Autoren nachlesen.

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