Der erste öffentliche Solarthermie-Wärmepreis-Rechner ist da!!

Ja! Richtig gelesen! Endlich gibt es einen Hoffnungsschimmer in der Solarthermie Branche! Es gibt den ersten öffentlichen Rechner für solarthermische Nah- und Fernwärmesysteme. Ich erkläre diesen Rechner nun offiziell zu meinem persönlichen Weihnachtsgeschenk. Man hat offensichtlich erkannt, dass man sich mit den Kosten von solarthermisch erzeugter Wärme nicht mehr hinter dem Mond verstecken muss und es freut mich, dass ausgerechnet Solites, jenes Unternehmen von dem ich genau so ein öffentliches Tool erhofft hatte, es tatsächlich umgesetzt hat, anscheinend auch mit Unterstützung der Bundesregierung – man will anscheinend doch auch im Wärmebereich etwas voranbringen. Solites ist eines der wenigen Unternehmen, die sich seit längerer Zeit mit dem Thema „solarer Wärmepreis“ beschäftigen und zum Beispiel auch die Wirtschaftlichkeitsberechnungen für das Projekt in Büsingen durchgeführt haben. Ich hoffe sehr, dass noch sehr viel mehr öffentlich verfügbares Material kommt. Wir werden uns jedenfalls auch um ein Interview bemühen.

Transparenz wichtiger denn je

Viel zu lange hat man sich hinter komplizierten Berechnungen versteckt und gemeint Solarthermie wäre nicht zu berechnen. Viel zu lange hat man darauf vertraut, dass die Politik schon alles richten würde, viel zu lange ist man nicht in die Offensive gegangen um auch zu zeigen, dass die Solarthermie ein ernstzusnehmender Wärmelieferant ist. Auch die Förderstellen haben schließlich ein Problem, wenn die Technologie nicht wirklich transparent ist, das öffnet immer Tür und Tor für schwarze Schafe, die es natürlich auch gibt. Auch die Studie aus Österreich über Wärmegestehungskosten hatte Solarthermie nicht im Vergleich.  Ohne vollkommene Information ist es im Energiebereich fast nicht möglich sinnvolle Lenkungssysteme einzurichten. Mit dem Tool könnte nun solarthermisch erzeugter Fernwärme ein neuer Schub gegeben werden. Einerseits durch Sichtbarmachung der wirtschaftlichen Potenziale und andererseits durch Sichtbarmachung der Bereiche und Anwendungen, die noch Unterstützung brauchen. Natürlich werden die ein oder anderen Projektierer unter dieser Betrachtungsweise vielleicht erkennen, dass sie an so mancher Kostenschraube drehen müssen, aber mit nun werden die Projekte endlich miteinander vergleichbar. Quadratmeterpreise sagen schlichtweg nichts aus. Was zählt ist, wie viel tatsächlich rauskommt und zu welchem Preis. In der Photovoltaik predige ich das seit mehreren Jahren und erst jetzt nimmt das Thema Stromgestehungskosten richtig Fahrt auf. Ich sage mal, dass es für die Solarthermie auch nochmal in etwa zwei Jahre dauern wird, bis auch der Wärmepreis bzw. die Wärmegestehungskosten in eine ähnlich öffentliche Debatte kommen aber super, dass die Diskussion nun zumindest einmal beginnt.

Rechner unterscheidet zwischen Direkteinspeisern und Systemen mit Speicher

In einem ersten Schnelltest des Rechners fand ich schon mal sehr gut, dass eines der vermeintlichen Faktoren, die Berechnungen so schwierig mache, relativ klug gelöst wurde. Das Problem liegt nämlich daran, dass  es nicht so einfach darzustellen ist, wie viel Energie nun erzeugt wird, wie viel davon tatsächlich verbraucht wird und nicht zuletzt wie viel Energie im Speicher oder bei der Verteilung im Netz verloren geht. Oft wurden durch Pauschalaussagen die Dinge entweder schlecht oder gut geredet.

Central Solar District Heating vs. Distributed Solar District Heating

Solare Fernwärme ohne Speicher

Deshalb wird zwischen zwei verschiedenen Fernwärmesystemen unterschieden. Einem System welches an ein großes Fernwärmenetz angeschlossen ist und die gesamte erzeugte Energie abgeben kann, ähnlich wie man es von der Photovoltaik kennt die meistens einfach ins Netz einspeist. Im Rechner heisst dieses System „Distributed Solar District Heating“.

Das zweite System – im Rechner „Central Solar District Heating“ genannt ist ein mittelgroßer Verbund bei dem neben den Kollektoren ein zentraler Speicher verwendet wird, von dem aus die einzelnen Einheiten bedient werden. Natürlich macht es von den Kosten einen Unterschied ob ich „nur“ die Kollektoren verbaue oder eben auch einen Speicher dazu.

Solare Fernwärme mit Langzeitwärmespeicher

Im Gegensatz zur Photovoltaik, wo ein Speicher die Anlage derzeit noch unwirtschaftlich macht, ist es die Solarthermie gewohnt, den Speicher schon dazuzukalkulieren. Deshalb war ein Vergleich bislang auch immer etwas schwierig. Man hat oft die Systemkosten von Kollektor, Speicher und Verteilsystem mit jenen einer PV-Anlage die in ein schon vorhandenes Netz einspeist, verglichen. Mit dieser einfachen Unterscheidung von eben zwei Systemen, ist man einen großen Schritt weitergekommen im Bereich der Kostentransparenz.

Wir werden den Rechner bestimmt auch noch etwas genauer unter die Lupe nehmen. Bis dahin dürft ihr selbst herumklicken:

Natürlich interessiert uns auch eure Meinung, ich bin jetzt sicher etwas übereuphorisch, aber ich hab einfach schon so lange auf etwas Ähnliches gewartet.

Bild. kallejipp / photocase.com