Ich hatte schon letztes Jahr von diesem Vorstoss gehört, durfte aber noch nichts erzählen. Ihr könnt euch vorstellen, wie schwierig das für mich war, vor allem bei einem Thema das so essentiell wichtig für die Wärmewende ist. Jetzt ist die Katze aber anscheinend aus dem Sack. Erst kürzlich erschien bei Sonne Wind & Wärme die Präsentation des sogenannten Heizperiodenmodells bei dem die Novelle des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes diskutiert wird.

Das Dilemma: Solarthermie und KWK werden gegeneinander ausgespielt

Wie ihr wisst, sind wir gerade in einer Umbruchphase der Energiewirtschaft. Das alte Modell ist nicht mehr rentabel, die aktuellen Rahmenbedingungen behindern aber das Entstehen eines neuen Gleichgewichts. Unterm Strich verlieren derzeit alle. Um das zu Verstehen muss man wissen, wie die alte Energiewirtschaft funktioniert. Alles basiert auf den sogenannten Volllaststunden. Je mehr Stunden ein Kraftwerk pro Jahr im Einsatz ist, desto rentabler ist es. Am Beispiel von BHKW’s (Blockheizkraftwerken) bedeutet das Folgendes.

Was ist ein Blockheizkraftwerk (BHKW) und was bedeutet KWK?

Dazu gehe ich erstmal einen kleinen Schritt zurück, weil ich nicht davon ausgehen kann, dass all unsere Leser das Thema so gut kennen wie die Leser von Fachmagazinen. Ein Blockheizkraftwerk ist nichts anderes als ein zumeist mit Öl oder Gas betriebenes Kraftwerk, welches sowohl Wärme als auch Strom erzeugt. Es ist deshalb fast immer an ein Fernwärmenetz angeschlossen um die Wärme, die beim Produzieren des Stroms erzeugt wird, loszuwerden. KWK bedeutet Kraft-Wärme-Kopplung und ist eben die wärme- und stromerzeugende Technologie, die hinter einem BHKW steht.

Die Abwärme von BHKW’s im Sommer verhindert die Etablierung von solarer Fernwärme

Unser BHKW produziert also mit fossilen Brennstoffen Strom und Wärme und es möchte möglichst viele Stunden im Jahr „arbeiten“ (bis zu 4000 Volllasstunden) weil jede kWh gleich viel wert ist und je mehr gearbeitet wird, desto mehr Kohle gibt es. Zudem ist der Rohstoff der dabei verbrannt wird, derzeit billig aber verursacht durch die Schadstoffe bei der Verbrennung externe Kosten wie den Klimawandel und andere gesundheitliche und gesamtgesellschaftliche Schäden, welche im eigentlichen Preis aber nicht abgebildet sind. Gleichzeitig hätten im Sommer und der Übergangszeit ganz viel Sonne mit der ebenfalls Strom (Photovoltaik) und Wärme (Solarthermie) erzeugt werden könnte OHNE irgendwelchen Schaden anzurichten. Diese Stunden, die die Sonne scheint und die ein BHKW nicht arbeiten darf, schmälern einerseits den Gewinn des BHKW und wenn beide Kraftwerke trotzdem laufen, besteht ein Überangebot und die Strompreise rasseln in den Keller. Klassische Lose-Lose-Situation. Es gibt aber anscheinend jetzt kluge Leute, die diesem Dilemma entgegenwirken möchten und wenn das wirklich gelingt, könnte auch hier Deutschland ein energiepolitischer Meilenstein gelingen, der wieder in die ganze Welt exportiert werden kann.

Die Lösung: KWK stehen im Sommer aber kriegen im Winter mehr

Es ist schon lange klar, dass sich die neue Energiewirtschaft auf die Jahreszeiten einstellen muss und auch die Preisgestaltung nicht mehr so sein kann wie in der alten Energiewirtschaft.

In Dänemark, wo solare Fernwärme ja eine Erfolgsgeschichte der Sonderklasse sind, hat man die Zeichen der Zeit schon lange erkannt. Externe Kosten werden über eine CO2 Steuer auf die Gaskosten aufgeschlagen. Das führt automatisch dazu, dass man sich zweimal überlegt ob man im Sommer, wo es genug Sonnenenergie gibt das besteuerte Gas verbrennt.

Heizperiodenmodell statt CO2-Steuer?

Da das Thema CO2-Steuer in Deutschland und Österreich ein Reizwort ist, nachdem man sich im politischen Diskurs sofort den Mund ausspülen muss, versucht man hier einen anderen Weg, der vielleicht auch zum Erfolg führen kann. Betriebsstunden im Sommer werden einfach weniger vergütet als jene im Winter. Ich gebe zu, dass ich das hier beschriebene Modell noch nicht im Detail verstanden habe und freue mich über Interviewpartner, die sich für ein ausführlicheres Interview dazu zur Verfügung stellen. Mir geht es hier erstmal um eine prinzipielle Diskussion um die KWK-Novelle und das Starten eines Umdenkprozesses in dieser Angelegenheit.

Miteinander statt Gegeneinander

Wie es in dem Artikel auch sehr gut beschrieben ist, geht es nicht darum eine weitere Förderung für Solarthermie zu bekommen. Es geht lediglich darum, dieses für den Markt und das Klima so ungesunde Gegeneinander zu beenden und die Rahmenbedingungen den Realitäten anzupassen. Mir persönlich ist auch völlig klar, dass die Zukunft der Energiewirtschaft genau so aufgebaut werden muss. Flexible Kraftwerke, die im Winter einspringen können, bekommen auf die kWh mehr als jene, die im Überfluss produzieren. Ich verstehe deshalb auch üüüüberhaupt nicht, warum Unternehmen in meinem Heimatland ihre Gaskraftwerke an die Russen verkaufen. DAS ist doch die Gelddruckmaschine der Zukunft auch wenn wir im Moment im Tal der Tränen sind! Aber das ist eine andere Geschichte ;-).

Foto: E.D. / photocase.com