Revolutionäres über Solarthermie sollte man von einem Grundlagenwerk nicht erwarten, zumal es auch nicht viele aktuelle Bücher gibt, die fundiert und praxisorientiert allein in das Heizen mit der Sonne einführen und dabei sowohl die Technik als auch Fragen der Förderung und der Wirtschaftlichkeit berücksichtigen. Eines davon ist Solarwärme – Heizen mit der Sonne von Klaus Oberzig, Wissenschaftsjournalist und Experte für Solare Wärme und Solare Modernisierung.

Viel hilft viel – oder auch nicht

Gleich im Anfangskapitel Systemtechnik und Energieeffizienz warnt der Autor vor einer Überproduktion von Solarwärme durch überdimensionierte Kollektoren, zu Lasten der fossilen Komponente und des Systemnutzungsgrades. In den Folgekapiteln relativiert sich diese Aussage aber und man merkt, dass der Autor die Solarthermie nicht nur als „Zuheizung“ ansieht.

Was war nochmal Vor- und Rücklauf?

Im Kapitel Komponenten von Solaranlagen geht es erst mal um die verschiedenen Arten von Kollektoren und ihre Varianten, zum Beispiel beim Vakuumröhrenkollektor um den Unterschied zwischen Heat-Pipe und Sydney-Röhre, über Speicher und Wärmeübertragung, Wärmemengenmessung und alles, was dazu gehört. Die Grafiken sind an sich informativ und übersichtlich – nur dass in einigen davon Vor- und Rücklauf vertauscht ist (obwohl auf Seite 62 eindeutig erklärt)…

Richtige Anlagenkonfiguration ist essentiell

Der Abschnitt Anlagenkonzepte und Auslegung widmet sich Gesamtsystemen vom Einfamilienhaus bis zum Nahwärmenetz, vom solaren Kühlen bis zur Großanlage. Dabei legt der Autor Augenmerk auf die optimale Anlagenkonfiguration und weckt ein grundlegendes Verständnis für die komplexen Zusammenhänge zwischen mehreren Wärmeerzeugern, Speichertechnik und Systemsteuerung. Er liefert aber auch Daumenregeln und Weblinks für die Auslegung einfacher Solaranlagen und gibt praktische Tipps (z.B.: Welches Kippmaß hat der neue Speicher – d.h. bringe ich den überhaupt in meinen Keller?). Hier taucht unter der Bezeichnung Aqua-Solar auch der Hinweis auf rein wassergeführte Anlagen auf – der Autor findet zwar lobende Worte („es hat sich bewährt“), aber der wesentliche Vorteil, nämlich die höhere Energieeffizienz dieses Anlagentyps, bleibt unerwähnt.

Solaranlagen haben eine deutlich positive Ökobilanz

So weit die Technik. Gut finde ich, dass das Buch unter Finanzierung und Wirtschaftlichkeit auch auf die Verbrauchsmessung und das Monitoring von Solaranlagen eingeht, wodurch eine Beurteilung des Ertrags und der Wirtschaftlichkeit erst möglich wird. Dazu gibt’s Grundlegendes zum Energieausweis, Infos Förderungsmöglichkeiten und Hinweise, was Bauherren bei der Einholung von Angeboten beachten sollten. Besonders interessant auch die Aussagen zur Ökobilanz: Laut Klaus Oberzig liegt die Energetische Amortisationszeit bei 1,3 bis 2,3 Jahren – d.h. die Graue Energie, die u.a. in der Produktion und im Transport der Anlage steckt, wird innerhalb dieser Zeit durch den Energieertrag wett gemacht.

Eigenversorgung ist (noch) nicht der Standard

Informationen über Betrieb, Wartung und Sicherheit runden das Buch ab. Dazu gibt’s einen Serviceteil mit Adressen, Weblinks und weiterführender Literatur. Wer sich für die Eigenversorgung mit erneuerbarer Wärmeenergie interessiert, also für ein Sonnenhaus mit hohem solarem Deckungsgrad, wird noch speziellere Informationen suchen, als sie in dem Buch zu finden sind.

Fazit: Solarwärme von Klaus Oberzig ist ein gut lesbares Einführungswerk für alle, die ihre ganz persönliche Wärmewende starten wollen.

Solarwärme. Heizen mit der Sonne, Klaus Oberzig, Hrsg. Stiftung Warentest. Verlag Stiftung Warentest, Berlin, , 1. Auflage 2012, 176 Seiten

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