Soll ich, soll ich nicht? Das fragen sich Menschen, die ihr Vermögen nicht auf der langen Bank parken sondern damit wirtschaften wollen. Investitionsprogramme gibt’s noch und nöcher – inzwischen auch eine ganze Reihe für energiewendige Geldanleger. Grund genug für Ecoquent Positions, mal in die Runde zu fragen: Welche Erfahrungen habt Ihr mit Bürgerbeteiligungen an Sonnenenergie & Co. gemacht? (direkt zum Aufruf bitte ganz runterscrollen!)

Fakt ist, auch wenn Sonne, Wind und Wasser als erneuerbare Energielieferanten quasi gratis nutzbar sind, kosten Projekte in Erneuerbarer Energie Geld. Eine Menge Geld. Und wenn sich Politik und Großwirtschaft mitunter recht schwer tun, ihre mit der Zeit nahezu festgewachsenen Finanzspritzen aus fossilen Projekten zu ziehen und den Einstich in neue Energien zu wagen, dann sind es die Öko-Normal-Verbraucher, die – wenn auch oft mit kleineren Scheinen – zum Finanzierer der Energiewende werden können.

Bürger beteiligt Euch! Werdet Energiegenossen! Gute Gründe dafür gibt’s hier

Das Gute an derartigen Bürgerbeteiligungsmodellen ist: Sie sind oft lokal angesiedelt, so dass finanzierende Öko-Bürger das Werden und Wachsen ihres Projekts hautnah erleben und tatsächlich Anteilnahme und Teilhaberschaft verspüren können. Sie kennen Verantwortliche persönlich und haben bestenfalls einen guten Draht zu diesen. Im Gegenteil übrigens zu eher anonymen Finanzprodukten, wo man oft „nur“ eine stylische Broschüre bekommt und dann irgendwann hoffentlich positive Ertragsberichte.

Kurz: Regionale Bürgerbeteiligung ist greifbar. Und sie (ver)bindet: Zum einen den einzelnen geldgebenden Bürger mit dem Projekt, der Gemeinde, der Region. Zum anderen sämtliche beteiligten Geldgeber miteinander. Und das auf Dauer. Bürgerbeteiligung ist in diesem Sinne (energie)politisch ebenso wie wirtschaftlich von Bedeutung für die Gestaltung zukunftsträchtiger Politik und Energiemodelle.

Wenn man dann noch bedenkt, dass in der gesamten Bio-Branche gerade das „Regional“ dem wie und von wem auch immer zertifizierten „Bio“ den ersten Rang abläuft, versteht man, wie wichtig uns Menschen der direkte (emotionale) Bezug zu einer Sache ist – gerade dann, wenn’s um das eigene, meist schwer verdiente Geld geht.

Für die Gemeinden, die die Bürgerbeteiligungsmodelle betreiben, ist der Vorteil, dass sie bestenfalls unabhängig(er) von Energielieferanten werden. Und was an selbst erzeugter Energie nicht direkt für den Unterhalt der Gemeinde und ihrer Einrichtungen (Rathaus, Schule, Kindergarten, Schwimmbad, Krankenhaus) genutzt wird, kann ins Energienetz eingespeist werden – so dass zusätzliches Geld in die Gemeindekasse fließt. Ganz nebenbei: Derartige „Erzeuger-Gemeinden“ ziehen oft nachhaltig denkende und wirtschaftende Menschen / Unternehmen an – die Attraktivität der Gemeinde steigert sich so oft um ein Vielfaches.

Energiegenossenschaften: eine aktuelle Bestandsaufnahme

Doch genug der Theorie! In Deutschland gibt es eine ganze Reihe von Bürgerbeteiligungsmodellen an Wind-, Wasser- und Sonnenprojekten. Der Deutschlandfunk meldete im Sommer, dass das „bürgerliche Engagement in diesem Bereich“ weiter zunehme. Er zitiert Eckhardt Ott, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes: „Wir haben im Jahr 2012 rund 150 neue Energiegenossenschaften im Bereich der erneuerbaren Energien gegründet. Somit hatten wir auch bei den Mitgliederzahlen wieder einen erheblichen Zuwachs: Mittlerweile sind über 130.000 Menschen hierzulande Mitglied einer Energiegenossenschaft.“ Davon seien demnach 90 Prozent Privatpersonen. Der Deutschlandfunk schreibt weiter, dass bereits 1,2 Milliarden Euro in sogenannte Bürgerkraftwerke investiert worden seien. Spannend ist in diesem Zusammenhang, dass die einzelnen Projekte einen hohen Eigenkapitalanteil von gut 50 Prozent aufweisen. Das spricht dafür, dass die Energiebürger hier tatsächlich ihr eigenes Geld investieren.

Über unser Nachbarland Österreich liest man beispielsweise bei geldmarie.at, dass neben den bereits sehr erfolgreichen Bürgersolarkraftwerken lokaler Netzbetreiber wie Wien Energie und EVN nur wenige private Solarenergiefirmen Projektfinanzierungen über private Investoren wagten. Die Nachricht, dass das Unternehmen „Solid International GmbH“ Graz seine nächsten drei Großprojekte, davon zwei in Österreich, eins in Singapur, im Volumen von 7,5 Millionen Euro teilweise via Bürgerbeteiligung finanzieren wolle, ist daher tatsächlich von Nachrichtenwert. 1,5 Millionen Euro suche man seit Mitte November 2013 – 1,45 Mio. Euro wurden laut Anzeige auf der Homepage bereits gefunden. Es fehlen also nur noch 50.000 bis das Ziel erreicht ist. Auffallend attraktiv ist die Verzinsung pro Jahr, mit der das Unternehmen für sein Bürgerbeteiligungsprogramm wirbt: Wer zwischen mindestens 2.000 und maximal 25.000 Euro investiere, erhalte demnach 4,5 Prozent auf das Darlehen. Laut Einschätzung von Experten liege Solid damit über dem Rendite-Schnitt. Womit wir beim Thema wären:

Wie sieht es mit der Ausbeute aus? Was darf man als Rendite für sein Geld erwarten?

Gegenüber dem Deutschlandfunk sagt Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien, über Renditen: „Diese liegen durchschnittlich bei ungefähr vier Prozent. Sicherlich kann man bei Aktienkäufen, deren Werte dann später sozusagen durch die Decke gehen, mehr verdienen. Es ist auch ein Investment, welches große Konzerne in der Regel nicht tätigen, weil es eben nur eine vergleichsweise geringe Rendite bringt. Das Wichtige ist deshalb nicht die absolute Höhe der Rendite, sondern, dass man vor Ort an der eigenen Energieerzeugung beteiligt ist und damit auch zur Wertschöpfung in den Kommunen beiträgt.“

Ecoquent Positions sucht Eure Erfahrungsberichte!

Wir verstehen uns nicht nur als Informationsmedium, sondern auch als Dienstleister. Und deshalb rufen wir Euch hier und heute dazu auf, Eure Erfahrungsberichte im Kommentarfeld zu hinterlassen, ob und wenn ja, welche Erfahrungen Ihr mit Bürgerbeteiligung an Erneuerbarer Energieerzeugung gemacht habt. Schreibt uns und anderen Verbrauchern über Projekte, die Ihr empfehlen könnt. Berichtet beispielsweise:

  • Welche erneuerbare Energie erzeugt Euer Projekt?
  • Worauf habt Ihr bei der Entscheidung für oder gegen eine Investition besonders geachtet?
  • Wie waren die Beratungsgespräche seitens der Projektmacher?
  • Entsprachen erste Erträge den versprochenen?
  • Ist den Investoren bewusst, dass bei vielen solcher Projekte auch das ganze Geld weg sein kann?
  • Was passiert im Falle eines Scheiterns des Projekts mit Eurer Investition?

Ziel der Aktion ist es, Investitions-Entscheidungen für oder wider Projekte zu erleichtern – und das auf unsere unbürokratische energiewendige Art und Weise. Ecoquent eben!

Foto: philiph / photocase.com