Aufgepasst! Hier kommt der neue „Handwerker des Monats“ für Euch. Im April 2016 ist das Wolfgang Wochermaier, der seinen Familienbetrieb Wochermaier und Glas im oberbayerischen Ebersberg (Wildermuthstraße 6, 85560 Ebersberg) in dritter Generation führt. Was der Experte für Bad, Solar und Heizung zum Thema Solarthermie zu sagen hat, lest Ihr hier. Ich verspreche Euch, unser Handwerker des Monats schaut dabei weit über den Tellerrand hinaus und spricht Punkte an, die Eure Lese- und Denkzeit wert sind. Los geht’s! Das Wort hat Wolfgang Wochermaier, amtierender Handwerker des Monats:

Wolfgang Wochermaier, beschreiben Sie bitte kurz Ihren Betrieb!

Wolfgang Wochermaier: Unser Betrieb wurde von meinem Großvater vor 70 Jahren gegründet. Anfangs waren wir bei Landwirten beschäftigt, um dann von 1950 bis 1955 ein breites Spektrum mit eigenem Ingenieurbüro, öffentlichen Aufträgen, Wohnungsbaugesellschaften, Gewerbeimmobilien und privaten Auftraggebern abzudecken.

Die Privatauftraggeber wurden ab 1983, in der ersten Heizungserneuerungswelle, immer wichtiger. Neubau und öffentliche Aufträge spielen seit 2006 kaum mehr eine Rolle. Heute verstehen wir uns als kompetente Renovierer für Bad, Solar und Heizung mit maßgeschneiderten Angeboten.

Der Betrieb Wochermaier und Glas unseres Handwerkers des Monats in Ebersberg. Foto: Wochermaier

Der Betrieb Wochermaier und Glas unseres Handwerkers des Monats in Ebersberg. Foto: W. Wochermaier

Wie kamen Sie zu dem Beruf und was gefällt Ihnen daran?

Ich habe den Beruf erlernt, weil es mir große Freude bereitet hat, mit handwerklicher Arbeit greifbare Werke zu schaffen, die den Menschen in Ihren Häusern nutzen. In meinem Ingenieurstudium begeisterte ich mich dafür, die Konzeption der komplexen haustechnischen Anlagen zu verstehen und zu gestalten.

Heute erlebe ich bei meinen Gesprächen mit Kunden bereichernde menschliche Kontakte, wo Nähe und Empathie Vertrauen schaffen. Dadurch können wir gemeinsam bedarfsgerechte Lösungen entwickeln und umsetzen. Besonders befriedigend empfinde ich es, wenn die Kunden beim Abschied von Ihrer fossilen und atomaren Energieversorgung erfolgreich viel weiter kommen, als sie sich zunächst zugetraut hatten. Hier bekommen wir regelmäßig äußerst wertschätzende Rückmeldung, die uns den eingeschlagenen Weg weiter verfolgen lässt.

Wie kommt’s, dass das Thema Solarthermie auf der Liste Ihrer Dienstleistungen / Services steht?

Schon mein Vater hat die Sonnenenergie in den frühen 1980er-Jahren ins Leistungsspektrum aufgenommen. Auf eine Zeit des Aufbruchs folgte eine Zeit der Ernüchterung, da die Ergänzung einer Solaranlage in der Energieeinsparung hinter den Erwartungen zurückblieb.

Ende der 1990er begannen wir, die Solartechnik mit neuen Speichertechniken ins Zentrum zu rücken und so stellten sich die gewünschten Erfolge ein.

2004 kam mit dem Aqua-System von Paradigma ein ganz neues Konzept dazu, das völlig neue Kundenkreise erschließen konnte.

Heute sehe ich das so, dass jeder Quadratmeter gedecktes Dach ohne Sonnenernteanlage eine unglaubliche Verschwendung von Energie ist, weil da sicher jedes Jahr 1.000 kWh direkt vom Himmel eintreffen.

Sie haben gerade das Stichwort gegeben: Paradigma: Sie sind Paradigma-Partner. Was sind die Gründe für diese Partnerschaft?

Wir schätzen den direkten, wertschätzenden Kontakt mit einem mittelständischen Unternehmen. Das Produktportfolio bietet uns am regionalen Markt einen technologischen Vorsprung gegenüber den üblichen Volumenherstellern. Als Einstieg diente das Aqua-Solarsystem. Es erschloss uns einen ganz neuen Kundenkreis für die Nachrüstung von Solarsystemen. Heute sind die soliden Gasbrennwertgeräte, der Wärmespeicher Expresso und die Pelletsheizungen Pelletti und Peleo mit dem Systemgedanken im Fokus.  Und natürlich das Aqua- Solarsystem in seiner Weiterentwicklung.

Beschreiben Sie uns bitte Ihr aktuelles Solarthermie-Projekt!

Wir hatten 2008 in Pienzenau eine Nachrüst-Solaranlage mit einem CPC-45er Kollektor an einem Ölkessel angebaut. Die Anlage lieferte wunderbar Wärme, die Öleinsparung blieb dennoch kaum spürbar, weil die vorhandene Heizanlage so ineffizient war. Letztes Jahr konnten wir das Vertrauen der Familie gewinnen und die Solarthermie-Anlage mit einem zweiten Kollektor und einem Expresso-Hocheffizienzspeicher ausrüsten. Zudem sollte der Abschied von fossilen Brennstoffen abgeschlossen werden. Aus Platzgründen hatten wir zunächst einen Fremd-Pelletskessel anbieten müssen. Nach Auftragserteilung erfuhren wir im Bestellprozess, das der Peleo Optima kurzfristig verfügbar sei und wir so einen passenden, noch hochwertigeren Kessel einsetzen konnten. Der startete als einer der ersten von Paradigma ausgelieferten nach diversen frisch freigegebenen Software-Updates reibungslos. Zudem wurde die Heizungsanlage als Mischung einer Einrohrheizung und Zweirohrheizung hydraulisch optimiert. Wir freuen uns auf eine merkliche Einsparung und 100 Prozent erneuerbaren Komfort.

Welches der von Ihnen bisher realisierten Solarthermie-Projekte ist Ihr Lieblingsprojekt und warum ist es das?

Da kann ich mich kaum entscheiden. So viele Anlagen laufen wunderbar bei wunderbaren Kunden, die dankbar für die guten Erträge sind.

Dann frage ich anders: Welches ist Ihr größtes Erfolgserlebnis in Sachen Solarthermie!

Unser buchstäblich größter Erfolg war bei unserer grössten je gebauten Anlage bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GWG in München. Den Auftrag führten wir anstelle des insolventen Erstauftragnehmers aus. Die  ZLT-Fernüberwachung (ZLT steht für Zentrale Leittechnik – Anmerkung der Redaktion) war bauseitig falsch gebaut. Zudem wurde nach Aufbau der Anlage während des Probebetriebs durch Dritte bei einem strengen Frost die XL-Aqua-Anlage abgesperrt und fror ein. Wir konnten zusammen mit Ritter XL Solar den Auftragnehmer durch professionelles Handling der kritischen Situation überzeugen, dass der eingeschlagene Weg dennoch richtig ist. Die Anlage geht jetzt in den zweiten Winter und liefert wie prognostiziert.

Und wo drückt Sie der Schuh im Alltag? Welche Hürden sind im alltäglichen Umgang mit Solarthermie gegebenenfalls besonders hoch beziehungsweise schwer zu nehmen?

Die Kunden werfen die erneuerbaren Energien gedanklich in einen Topf.
Nach Fukushima und Ölpreisrallye ging ein Ruck durch die Gesellschaft, die Energiewende anzupacken. Unsere Kunden machten sich auf den Weg und realisierten ihre persönlichen Ziele.

Die fossil-atomare Energiebranche besann sich auf ihre Stärke und schaffte es, die Umstellung auf Erneuerbare nachhaltig zu diskreditieren, um ihre Marktanteile zu sichern. Zudem sorgen die blutigen Konflikte in Erzeugerländern für billiges Öl und Gas. Reflektierte Kunden gehen ihren Weg in der Energiewende dennoch weiter. Die Masse lässt sich aber verunsichern und wartet oftmals ab. Der Markt verlangt daher einerseits schnellen, preisgünstigen Kesseltausch bei akutem Handlungsbedarf oder eben ausgereifte, weitsichtige  Konzepte. Dazwischen ist wenig gefragt.

Was wünschen Sie sich für Ihren Solarthermie-Job?

Ein breiteres Bewusstsein, dass unsere Arbeit ein wichtiger Baustein zur Lösung schwerwiegender Probleme ist: Klimawandel, Energiekriege, Völkerwanderungen setzen wir regionale, dezentrale, erneuerbare Versorgung entgegen. Das ist unsere Kernbotschaft. Ich wünsche mir, mehr Menschen würden ein bisschen mehr selber denken und auf ihre Kraft vertrauen, um das zu erkennen und danach zu handeln.

Was halten Sie von neuen Kollektorertragslabel und wie hilft es Ihnen in der Praxis?

Es hilft unseren Kunden dabei, ein Gespür für die technologischen Unterschiede und den daraus resultierenden Nutzen zu schaffen.

Vielen Dank, dass Sie uns Rede und Antwort gestanden haben!

Sie möchten auch Handwerker des Monats werden?
Wenn Sie wie Wolfgang Wochermaier glühender Kämpfer für die Wärmewende und noch dazu Paradigma-Partner sind, schreiben Sie uns bitte eine kurze E-Mail an: office@nullecoquent-positions.com“! Schildern Sie darin in ein paar Sätzen, was Sie antreibt und warum sie so gerne Solaranlagen bauen. Bitte schreiben Sie auch Ihre zwei Lieblingsprojekte dazu. Wir schauen uns das gemeinsam mit dem Gebietsmanager an und melden uns.

Fotos: W. Wochermaier