Nichts ist aufschlussreicher als ein Blick in die ungeschönten Papiere von Entscheidungsträgern. Es macht deutlich, dass bei den Verhandlungen auch nur Menschen sitzen. Die Energieblogger haben gestern zeitgleich mit den großen Medien den Entwurf zu den Koalitionsverhandlungen zugespielt bekommen und diese Informationen möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten. Vor allem deshalb weil bis auf Andreas Kühl und uns vermutlich niemand über den Wärmebereich schreiben wird.

Nichtsagende Ziele als Platzhalter

Und hier sind sie, die vier Punkte, die eine Energiewende im Wärmebereich einleiten sollen. Eingebettet in schöne Worte, bis 2050 einen klimaneutralen Baubestand haben zu wollen und Richtlinien umzusetzen von denen ich wette, dass nichtmal 10% der verhandelnden Parteien wissen, was drin steht. Bitte korrigiert mich, wenn ich hier falsch liege, aber nichtmal ich weiß, was da im Detail drinnen steht und ich weiß darüber nur, dass aus diesen Richtlinien meistens die zahnlosen Punkte rausgepickt und die unangenehmen einfach weggestrichen werden. Bei einer solchen Pauschalaussage „mit den Bestimmungen des EnEV abgleichen“ besteht immer die Gefahr, dass die Umsetzung wieder nur halbherzig passiert, weil im Nachhinein leicht gesagt werden kann „aber so war das nicht ausgemacht“.

Regierungsprogramm Koalitionsverhandlung Wärme

 Wieso stehen 2050-Ziele in einem 5-Jahres-Plan?

Das bringt mich zu einem Punkt der mich auch in Österreich wahnsinnig ärgert. Wieso stehen Ziele für 2050 in einem 5 Jahres Plan?? Nichts gegen langfristig gesetzte Ziele, aber das gehört hier nicht hin. Wer sich ein wenig mit Zielstrategien beschäftigt weiß, dass alle langfristigen Ziele in kurzfristige heruntergebrochen werden müssen, sonst bleiben die langfristigen in weiter Ferne. Es braucht also dringend Ableitungen aus dem 2050 Ziel und auch Instrumente, die ein früheres Erreichen ermöglichen, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern. Backcasting nennen das die Briten so schön. Sonst steht nämlich in fünf Jahren der identische Wortlaut drinnen. Wäre übrigens interessant ob es vor fünf Jahren ebenfalls so war.

Regierung braucht Hilfe – helft mit

Nachdem ich hier nicht schon wieder nur schimpfen will und ich ja weiß, dass das alles nicht so einfach ist und sich im Wärmemarkt sowieso fast keiner auskennt, wollen wir hier etwas Schützenhilfe leisten. Neben dem langfristigen Projekt „Germany’s Next Top EEG“ mit dem wir die gesamten Verhandlungen zu den Gesetzesvorlagen bis zur Entscheidung im April begleiten werden, soll hier die Möglichkeit geboten werden, den Regierungsverhandler ein paar Inputs für den Wärmemarkt zu liefern. Es scheint wirklich als gäbe es zu diesem Thema keine starken Einflüsterer bis auf die Ölindustrie, die offensichtlich Angst hat, dass doch jemand auf die Idee kommt Ölheizungen zu verbieten. Das sieht man recht schön an dem Punkt: „Der Einsatz von erneuerbaren Energien soll weiterhin auf Freiwilligkeit beruhen„. Ich lass das jetzt einfach mal so stehen und freue mich, dass wir schon ein bisschen Staub aufgewirbelt haben.

Mindestens 10 Punkte für die neue Wärmepolitik

Nun brauchen wir euch Leser, Interessierte, Experten und Expertinnen. Welche Punkte sollten noch in die Koalitionsvereinbarung der neuen Regierung im Bereich der Wärme? Welche Punkte aus dem Erneuerbare Energien Wärmegesetz und der angesprochenen EnEV haltet ihr für besonders sinnvoll, bzw. hinderlich? Einfach im Kommentarfeld posten, was euch dazu einfällt. Ideen können auch von unserem letzten heiß diskutierten Artikel zur Wärmepolitik kommen.

Wenn wir 10 sinnvolle Punkte beisammen haben, werden wir einen Weg finden, diese an entsprechende Personen weiterzuleiten und vielleicht einen kleinen Beitrag zu leisten.

Bild: zettberlin / photocase.com