Kommenden Samstag ist Earth Hour Day: Für eine Stunde schalten um 20:30 Uhr lokaler Zeit private und zunehmend auch öffentliche Haushalte weltweit das Licht aus, um ein Zeichen für Energiewende und Umweltschutz zu setzen. Ecoquent Positions sprach mit Florian Henle vom Öko-Strom-Anbieter Polarstern über das weltumspannende Ereignis und seine Auswirkungen.

Florian „Flo“ Henle ist einer der drei Gründer und Geschäftsführer von Polarstern. Und weil Florian damit quasi mein Öko-Strom-Lieferant ist, habe ich ihn kurzerhand via Facebook um ein Interview zur diesjährigen Earth Hour gebeten, das er mir prompt gab.

Doreen Brumme für Ecoquent Positions: Florian, Polarstern liefert 100 Prozent Ökostrom aus Wasserkraft und 100 Prozent Ökogas aus Zuckerrübenresten (Utopia.de listet Polarstern als einen der drei besten Ökogas-Anbieter auf) – das ist sogar vom TÜV und vom OK Power Label zertifiziert. Ich bekomme von Euch also 100 Prozent erneuerbare Energie. Was bedeutet Polarstern das Motto der diesjährigen Earth Hour: „Ja zur Energiewende!“?

Florian Henle, Polarstern: Die Energiewende ist innerstes Anliegen unseres Daseins als ökologischer Energielieferant. Sie ist Grund dafür, dass wir das Unternehmen überhaupt gegründet haben. Wir wollen dazu beitragen, dass wir global unabhängig von fossilen Rohstoffen werden. Energiewende bedeutet für uns eine Wende von fossilen Rohstoffen weg hin zu erneuerbaren Rohstoffen. Weg von zentraler Energieversorgung – hin zu dezentraler. Wir haben zum Beispiel kein Problem damit, wenn unsere Kunden einen Teil ihrer Energie mit einer Solaranlage selbst produzieren …

Ecoquent Positions: Selbst auf die Gefahr hin, dass Ihr an solche Kunden dann weniger Energie verkauft?

Florian Henle, Polarstern: Es zählt am Ende nicht die einzelne Kilowattstunde (KWh), die ich an den Kunden verkaufe, sondern der Energiekunde und seine Einstellung zu unserer ökologischen Energie. Und, dass er damit Beispiel für andere ist. Wer Ökostrom nicht als bloßen Strom zum Betreiben seiner Technik, Heizung usw. benutzt, sondern Ökostrom als ein Lebensprodukt versteht, das er bewusst einsetzt, um Lebensqualität zu erreichen, der geht mit Energie bewusst und infolgedessen auch effizient um. Und das ist dann tatsächlich eine Energiewende – der effiziente Einsatz sauberer Energie bei gleichzeitiger Unabhängigkeit von den großen Energiemonopolen.

Ecoquent Positions: Und wo beginnt man die Energiewende am besten?

Florian Henle, Polarstern: Jeder Einzelne beginnt sie, indem er sich für Ökostrom entscheidet. Wobei man nicht nur lokal denken darf, sondern statt des nationalen Tunnelblicks einen Blick fürs Globale haben sollte. Wir helfen mit unserer Polarstern-Strategie dabei.

Ecoquent Positions: Stimmt, ich zum Beispiel helfe als Euer Kunde der Familie Sokhol aus dem Dorf Pun Pramat

Florian Henle, Polarstern: Ganz genau, für Dich, Doreen, wie für jeden Polarstern-Kunden unterstützen wir eine Familie in Kambodscha dabei, sich selbst mit sauberer Energie  zu versorgen. Die Familie Sokhol bekam dank Deiner „persönlichen“ Energiewende ihre eigene Biogasanlage, einen Gasherd, Gaslampen, sanitäre Anlagen und damit schlussendlich Dünger für ihre Felder – den kann sie aus den Gär-Resten der Biogas-Anlage herstellen. Unser Partner vor Ort ist übrigens das renommierte National Biodigester Programme.

Ecoquent Positions: Florian, ist die Earth Hour für Polarstern ein Ereignis?

Florian Henle, Polarstern: Ganz sicher. Wir haben im vergangenen Jahr sogar eine Earth-Hour-Party gemacht. Bei Kerzenschein und unplugged music (lacht). Die Earth Hour ist ein politisches Signal und als solches von großer Bedeutung. Sie macht dem Einzelnen, der sein Licht ausschaltet, bewusst, wozu er Energie braucht. Aus solch einem Aha!-Erlebnis kann eine persönliche Energiewende resultieren, die den individuellen Energiekonsum verändert. Eine tolle Sache also. Vor allem, wenn man bedenkt, wie viele Menschen weltweit mitmachen.

Ecoquent Positions: Die Netzbetreiber räumten bisher Bedenken aus, dass die Earth Hour ein Stromchaos mit Stromausfall verursachen könnte. Hat die Earth Hour messbare Auswirkungen auf den Ökostrom-Lieferanten Polarstern?

Florian Henle, Polarstern: Nein, auf uns als Lieferanten von Ökostrom und Ökogas wirkte sie sich bisher nicht signifikant aus.

Ecoquent Positions: Meine letzte Frage ist ganz persönlich: Schaltest Du das Licht zur Earth Hour 2013 aus, Florian?

Florian Henle, Polarstern: Noch weiß ich nicht genau, wo ich zur Earth Hour 2013 sein werde. Sollte ich daheim sein, werde ich bestimmt die Stecker ziehen.

Florian, Danke für das Interview – und wie sagt man so schön in Energiekreisen: A happy Earth Hour!

Hintergründe zur Earth Hour

Was man über die Earth Hour wissen sollte.

Die erste Earth Hour

Am 31. März 2007 startete der WWF Australia eine Umweltschutzkampagne, die zum Ziel hatte, innerhalb eines Jahres die CO₂-Emissionen von Sydney, Australiens größter Metropole, um fünf Prozent zu reduzieren. Das einstündige Ausschalten des Lichts von 19:30 Uhr an machten damals nicht nur 2,2 Millionen private Haushalte mit, sondern auch viele öffentliche. So verharrten die Sydney Harbour Bridge (die man von den Feuerwerksbildern aus Silvesterübertragungen kennt) und das Opera House ebenso im Dunkeln wie Restaurants, die ihre Gäste bei Kerzenschein versorgten.

Noch im selben Jahr gingen die Lichter in London (21. Juni) und San Francisco (20. Oktober) für jeweils eine Stunde und in Deutschland, Österreich und der Schweiz (8. Dezember) für jeweils fünf Minuten aus. Seit 2008 ist die Earth Hour ein weltumspannendes Ereignis. 2012 nahmen 6.525 Städte in 150 Staaten teil.

Earth Hour – symbolischer Akt mit messbarem Effekt?

Der symbolische Akt, das Licht für eine Stunde auszuschalten, um damit auf die Themen

  • Energie,
  • Energieproduktion,
  • Energieverteilung,
  • Energieverbrauch,
  • Energieverschwendung
  • und nicht zuletzt Energiepolitik

aufmerksam zu machen, sie ins Bewusstsein der Verbraucher, öffentliche wie private, zu rücken, hat laut Wikipedia messbare Auswirkungen: So habe die kanadische Provinz Ontario (ohne Toronto) ihren Stromverbrauch während der Earth Hour 2009 um ganze 6 Prozent reduziert, Toronto sogar um 15,1 Prozent. Svenska Kraftnät, ein schwedischer Strombetreiber verkündete für die Earth Hour 2009 eine 2,1-prozentige Verringerung des Strombedarfs. In Vietnam sparte man demnach 140 Mega-Wattstunden (MWh), auf den Philippinen sogar 611 MWh. 2010 verdreifachte Vietnam seine Energieersparnis von 2009.

Earth Hour 2013 – Ja zur Energiewende!

Die Earth Hour 2013 läuft hierzulande unter dem Motto: „Ja zur Energiewende!“  Auf den Internetseiten des WWF Deutschland können sich deutsche Städte und Gemeinden zur Teilnahme anmelden: Laut der Hannover Zeitung Online haben bereits 121 Städte ihre Zusage zur Beteiligung gegeben.

Privatpersonen können dort per Mausklick eine Petition an die Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück unterzeichnen, um eine konsequente Energiewende einzufordern – bisher kämen demnach (erst? oder: schon!) ein Viertel unseres Stroms aus erneuerbaren Energien.

Und was machst Du am 23. März 2013 um 20:30 Uhr? Wir machen das Licht aus! Ecoquent! Und Du? Schreib uns, was Du zur Earth Hour machst!