Ich gebe es zu: Das, was der Herr Leukefeld da tut, beobachte ich mit großem Interesse. Der Mann führt nämlich den Beweis, dass sich Energieautarkie nicht nur auf Papier rechnet, sondern auch in Häusern Stein auf Stein. Und deshalb will ich Euch die folgenden Zahlen nicht vorenthalten, die die Kollegen der Sonne, Wind & Wärme (SW&W) gerade zu den Leukefeldschen Energieautarkie-Häusern im sächsischen Freiberg veröffentlichten. 

Die leukefeldsche Geschichte auf unserem Blog

Wer des Öfteren auf unserem Blog zu Gast ist, der hat den Namen Timo Leukefeld womöglich schon gelesen. Zum Beispiel hier:

Die nur beispielhaft von mir aufgelisteten Fundstellen zu Timo Leukefeld erwecken bei dem einen oder anderen vielleicht den Anschein, der Mann hätte hier auf dem Blog gewisse Platzrechte. Hat er nicht! Dass Prof. Dipl. Ing. Timo Leukefeld dennoch immer wieder Thema ist, liegt schlicht und ergreifend daran, dass er als einer der Akteure der Wärmewende in Sachen Solarenergie, insbesondere Solarthermie, immer wieder von sich Reden macht – und uns Bloggerinnen hier somit spannenden Schreibstoff liefert. Und wenn man die Zahl der über die Jahre seit Bloggründung 2012 inzwischen mehr als 660 veröffentlichten Artikel im Hinterkopf behält, relativiert sich das Bild auch gleich. Doch das alles nur vorweg und für alle die, die beim Lesen des Namens Leukefeld nicht im Bilde sind. Um den weiteren Ausführungen folgen zu können, ist es sinnvoll, zumindest den ersten Artikel in der Liste oben zu überfliegen, der das Projekt der energieautarken Häuser in Freiberg, von denen Leukefeld eines selbst bewohnt, beschreibt.

Aktuelle Zahlen zu den energieautarken Häusern

In seinem ausführlichen Bericht schrieb SW&W-Kollege Jens-Peter Meyer dieser Tage, dass „das Fertighaus von Timo Leukefeld … dank Solarthermie und Photovoltaik kurz vor der kompletten Selbstversorgung mit Strom und Wärme“ stünde. Als ich das im Urlaub auf Deutschlands sonnenreichster Insel (zumindest laut der Insulaner auf Fehmarn) las, war klar, dass meine Berichterstattung zu Leukefelds Energieautarkiehäusern eine weitere Fortsetzung bekommt. Denn so viele Fakten  und Zahlen zu dem Projekt gab’s noch nie auf einem Haufen. Seht selbst:

Wichtige Eckdaten zum Plusenergiehaus – ein Überblick

Baujahr des Gebäudes 2013
Gebäudehülle
Wohn- und Nutzfläche [in Quadratmetern] 191
Art der Baukonstruktion Massivbau
Wärmebedarf [kWh/m2a] 41,4
Art der Wanddämmung monolithische Ziegel
U-Wert der Wanddämmung [W/m2K] 0,18
Fensterfläche [m2] 49
U-Wert der Fenster [W/m2K] 0,6 – 0,8
Anlagen zur regenerativen Energieerzeugung
PV-Anlage [kW]el  8,4
Sonnenkollektoren  [kW]th 32,2
Sonnenkollektoren [m2] 46
Kapazität Batteriespeicher [kWh] 58
Wärmelangzeitspeicher [m3r] 9,12
Heiztechnik
Wärmeerzeuger wasserführender  Kamin
Leistung Wärmeerzeuger [kW]th 25
Art  der Heiz-Wärmeverteilung Fußboden- und Wandheizung
Elektromobilität
E-Mobil-Ladestation vorhanden ja
Energiebilanzen
Wärmeenergieverbrauch des Gebäudes für Heizung und Warmwasser [kWh/a] 12.900
Solarwärmeenergieerzeugung des Gebäudes [kWh/a] >14.000
solarer Deckungsgrad der Wärmeerzeugung (Jahr 2014/2015) [%] 71,7 / 72,2
Stromverbrauch (Jahr 2014/2015)  [kWh/a] 2.117 / 2.065
Netzbezug (Jahr 2014/2015)  [kWh/a] 184 / 52
Eigenverbrauchsquote (PV-Anlage) (Jahr 2014/2015) [%] 35,9 / 48,7
solarer Deckungsgrad der Stromerzeugung (Jahr 2014/2015) [%] 92,1 / 97,8
Wirtschaftlichkeit
Baukosten Gebäude (ohne Grundstück) [€] 450.000
Mehrkosten für Haustechnik  [€/m2] 300 bis 400
Einsparung an Betriebskosten [€/a] 4.000 bis 5.000
Amortisationzeit [Jahre] 9,6 bis 16

Danke zunächst an den Autoren dieser faktenreichen Liste!

Stromautarkie: knapp verfehlt

„Ein ungewöhnlich sonnenarmer Winter“ sei laut SW&W der Grund dafür gewesen, dass das Ziel, die Strom-Eigenerzeugungsquote (solarere Deckungsgrad) auf 100 Prozent (vollständige Autarkie) zu bringen, knapp verfehlt wurde. Im Winter 2015 habe die Quote bei 97,8 Prozent gelegen (2014 bei 92,1 Prozent), weil „die Globalstrahlung in Sachsen in den Wintermonaten sowohl 2014 als auch 2015 um bis zu 38 Prozent niedriger war, als im langjährigen Mittel“, heißt es in dem SW&W-Beitrag weiter.

Mit seiner 8,4 kW-Photovoltaik-Anlage erzeugte Leukefeld demnach weitaus mehr Strom, als er und seine insgesamt 5-köpfige Familie verbrauchten. Die Eigenstromverbrauchsquote habe 2014 bei 35,9 Prozent gelegen und sei vor allem wegen eines im November 2014 angeschafften neuen Stromnutzers (E-Automobil) in 2015 auf 48,7 Prozent gestiegen.

Energiebeilage: Prof. Timo Leukefeld (46) vor seinem energieautarkem Haus in Freiberg (Sachsen). Es liefert sogar den Strom für das Elektroauto. Foto: Andreas Wetzel

Energiebeilage: Prof. Timo Leukefeld (46) vor seinem energieautarkem Haus in Freiberg (Sachsen). Es liefert sogar den Strom für das Elektroauto. Foto: Andreas Wetzel

Wärmespeicher lieferte Wärme bis in den November

Die sommers gespeicherte Wärme, die die 46 Quadratmeter Solarthermie-Kollektoren einfuhren, reichte laut der SW&W bis in den November hinein. Das habe man demzufolge aus den Messungen zur Speicherbeladung ablesen können. Im Dezember und Januar hätte der wasserführende Kaminofen den Hauptteil der Wärmeerzeugung übernommen – mit einer Ausnahme: Im Dezember 2015 hatten die Solarthermiekollektoren die Nase in Sachen Wärmeerzeugung vorn.

Besonders spannend finde ich folgenden Absatz des SW&W-Artikels: „Während der PV-Ertrag der erwarteten Glockenform über das Jahr folgt, liegen die größten Solarwärmeerträge im März und April, wenn der Saisonalspeicher noch gut ausgekühlt ist. Im Sommer ist der Ertrag dagegen um bis zu 50 Prozent geringer als im Frühjahr, weil der Speicher dann bereits voll ist.“ Und noch viel spannender das Fazit, das Leukefeld daraus zieht: „Die Sonnenkollektoren könnten also noch mehr Energie liefern, wenn eine Abnahme vorhanden wäre. Leukefeld hat sein Konzept mittlerweile erweitert und entwickelt vernetzte Gebäude, bei denen Überschüsse an Nachbarhäuser verkauft werden können.“

Und was sagt Ihr dazu? Ich sag nur: Energieautarkie geht – wzbw – was zu beweisen war.

Fotos:Timo Leukefeld, Andreas Wetzel