Schon in den ersten Monaten der Amtszeit von Sigmar Gabriel, zeigt sich ein ähnliches Bild wie für die anderen Wirtschafts-/Umweltminister. Hin und hergerissen zwischen umweltpolitischen und wirtschaftspolitischen Grabenkämpfen, hat er schon nach kürzester Zeit den Groll der neuen Energiewirtschaft auf sich gezogen. Schuld daran sei vor allem das Wetter, so liest man es immer wieder in verschiedenen Medien („Welt-Artikel“). Denn Nebel und Windstille sorgten immer wieder dafür, dass die Erneuerbaren Energielieferanten im Winter kaum Strom lieferten. Ein Dilemma? Kein Dilemma?

Das Energiewende-Dilemma des Sigmar Gabriel

Das Dilemma, auch: die sogenannte Zwickmühle, die dem Herrn Gabriel theoretisch zwei Möglichkeiten der Entscheidung bietet, die beide zu einem unerwünschten Resultat führen beziehungsweise die ihn dazu zwingt, sich zwischen zwei positiven Möglichkeiten zu entscheiden, beschreibt die „Welt“ so: „Die Produktion von Solar- und Windstrom ist Anfang Dezember fast völlig zum Erliegen gekommen. Der Betrieb anderer Kraftwerke ist unprofitabel. Für den neuen Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel (SPD) bedeutet der unzuverlässige Beitrag der erneuerbaren Energien ein Dilemma: Einerseits darf er die Energiewende nicht ‚abbremsen‘, wenn er sich nicht dem von Opposition und Ökostrombranche reflexhaft erhobenen Vorwurf aussetzen will, er stehe auf der Gehaltsliste von Kohlelobbyisten.“

Der „Welt“ zufolge bringe es andererseits für die deutsche Stromversorgung gar nichts, wenn der Ökostrom-Ausbau wie bisher weitergehe und dann eben statt 23.000 künftig 40.000 oder noch mehr Windräder in der Flaute still stünden. Oder wenn sich die winterliche Dunkelheit schon am frühen Nachmittag nicht auf eine Million, sondern auf zwei Millionen deutsche Solardächer lege.

Dem Welt-Artikel zufolge habe der Bundesminister also die Entscheidung zwischen

  • einerseits: Energiewende abbremsen
  • und andererseits: Ökostrom-Ausbau wie bisher weitergehen lassen.

Und so beschrieben steckt der Mann tatsächlich in einem Dilemma. Aber sind das tatsächlich die beiden Alternativen, die er beziehungsweise wir haben? Stimmt die Beschreibung unser aller Möglichkeiten, also die des Dilemmas, hier?

Ich finde nicht. Das vorsichtig formulierte „Abbremsen der Energiewende“ würde das Beibehalten oder Zurück zu fossilen Brennstoffen als Lieferanten von Wärme und Strom bedeuten. Die brächten jedoch auch nur auf absehbare Zeit sichere, gemeint ist: schwankungsfreie! Energielieferungen. Was ist denn dann, wenn die Reserven aufgebraucht sind oder der Mensch wegen Unerreichbarkeit derselben aufgeben muss, sie zu fördern? Was ist mit all den Nebenwirkungen und Risiken für Umwelt und Gesundheit aller in der Förderregion lebenden Wesen, die eine immer aggressivere Ausbeutung der fossilen Ressourcen mit sich bringt? Ich erinnere nur an das Beispiel Fracking.

Nein, das Klammern an konventionelle Energielieferanten ist auf Dauer nicht machbar. Die Energiewende muss kommen. Sie sichert auch kommenden Generationen eine Zukunft mit umweltfreundlicher Energie. Es muss nicht abgebremst werden, sondern stattdessen Gas gegeben werden, um es mal bildlich auszudrücken. Wobei mit Gas keinesfalls fossiles Erdgas gemeint ist, aber das ist ja klar 😉

Und damit wären wir dann auch bei der passende(re)n Formulierung der zweiten Alternative. So wie bisher kann die Energiewende nicht fortgesetzt werden. Einverstanden! Es geht schließlich nicht nur um das Steigern der Erzeugung von Windenergie und Solarenergie allein, sondern auch um das gesamte Drumherum. Denn Energiewende heißt ja nicht nur Ersatz fossiler Energielieferanten durch erneuerbare, sondern selbstverständlich auch neue Technologien zu entwickeln, um damit stabile Energielieferungen zu erzielen. Das kostet natürlich Geld. Geld, das heute Großteils noch in Forschung zum Erhalt des, ich schreibe mal: fossilen Status Quo gesteckt wird und eben nicht in die Erforschung Erneuerbarer Energien.

Hier muss Gabriel ansetzen, das Geld muss vor allem in die zukunftsträchtige Energiewende fließen. Und nicht nur das der Verbraucher, sondern auch das von Wirtschaft und Staat. Dann käme die Energiewende in Schwung. Das Ziel einer Energiewende bedeutet schließlich nicht, die Windenergie, Sonnenenergie oder Wasserenergie allein zu nutzen. Ziel ist ein Mix aus allen Erneuerbaren Energielieferanten. Dazu zählt auch Biomasse.

Der Welt-Artikel bringt schließlich selbst das Argument: Es fehle demnach an Stromspeichern, „die Solar- und Windstrom für solche Flautezeiten aufbewahren könnten“, schreibt die Zeitung weiter. Stimmt. Die und andere saisonale Energiespeicher zu entwickeln, kostet jedoch Geld und Zeit.

Zeit, im Übrigen, die man einer Energiewende durchaus einräumen sollte. Gerade sind wir die ersten Schritte hin zur Energiewende gegangen. Das Ziel liegt sichtbar zwar, aber dennoch in weiter Ferne. Noch ist die Energiewende hierzulande vor allem eine Stromwende, den neuen Kurs in Sachen Wärme haben wir längst noch nicht eingeschlagen, vielleicht liegt aber gerade dort das größte Lösungspotenzial und wie so oft könnte die dritte Lösung, die erfolgbringendste sein.

Foto: claudiarndt / photocase.com