Gerade einigten sich der deutsche Umwelt- und der Wirtschaftsminister auf die Zulassung der umstrittenen Gasförderung „Fracking“ („Hydraulic Fracturing“) in Deutschland – unter strenger Prüfung der Umweltverträglichkeit.  Ecoquent Positions zeigt hier die Fürs und Widers zum Thema Fracking (Förderung fossilen Brennstoffs) auf – schließlich ist Fracking derzeit in aller Munde. Selbst Hollywood mischte sich in das Reizthema Fracking ein: Oscar-Preisträger Matt Damon spielt in „Promised Land“ einen Energiekonzern-Vertreter, der den Bauern ihr Land abpachten soll, damit darauf nach Flüssiggas gebohrt werden kann,  wobei mit hydraulischem Druck Wasser, Sand und ein Mix aus giftigen Chemikalien in tiefe Schieferschichten (bis zu 5.000 Meter Tiefe) gespült wird, um das Gas dort zu lösen und abzubauen.

Fracking – die Technologie

Fracking, also die Erdgasförderung von Schiefergas, beschreibt eine Fördermethode, bei der das Erdgas gefördert wird, das in Schiefergestein sitzt. Zwei wichtige Bohrmethoden kommen dabei zum Einsatz:

  1. horizontales Bohren
  2. hydraulisches Aufspalten von Schieferschichten.

Das horizontale (waagerechte) Bohren versetze einen in die Lage, statt immer nur nach unten auch mal von einem Bohrloch aus rundherum seitwärts in ein Vorkommen zu bohren. Man könne damit Bohrkosten sparen, weil nicht jedes Mal neu gebohrt werden müsse, heißt es.

Für das hydraulische Aufspalten, das sogenannte Fracking, werde eine wässrige Flüssigkeit mit Quarzkügelchen und einem Cocktail verschiedenster, teils giftiger Chemikalien in das Bohrloch gedrückt, um so Gesteinsspalten zu öffnen, damit das Gas aus den Gesteinsporen abfließen könne.

Fracking – (k)eine Klimabilanz

Der Giftmix, der zum Fracking in die Tiefen der Erdoberfläche gepresst wird, macht Umweltexperten Sorge. Das Umweltbundesamt (UBA) bestätigte 2012 in seinem umfangreichen Gutachten, dass das hydraulische Fracking „zu Verunreinigungen im Grundwasser“ führe. „Besorgnisse und Unsicherheiten bestehen besonders wegen des Chemikalieneinsatzes und der Entsorgung des anfallenden Abwassers (Flowback)“, heißt es seitens des UBA. Vergleiche man das Fracking mit konventionellen Energiequellen, so entstünde dabei ein Mehr an Treibhausgas-Emissionen wegen

  • der höheren Zahl der Bohrungen,
  • dem Hydro-Fracking,
  • dem Transportaufwand für Wasser, Abwasser und Gerät
  • sowie unkontrollierten Emissionen von Methan und C0₂.

Genaue Zahlen werden in vielen Studien genannt, doch das UBA weist darauf hin, dass diese sich auf „dem Erkenntnisniveau von Schätzungen oder theoretischen Überlegungen“ bewegten.

Fakt sei laut UBA-Gutachten, dass es bereits bei der Vorbereitung der Bohrungen „zu Lärm- und Luftemissionen komme …, die erhebliche Störungen verursachen können“.

Das Grundwasser sei demnach gefährdet von:

  • der Lagerung wassergefährdender Chemikalien,
  • der Bohrung,
  • der Erzeugung sogenannter Wegsamkeiten im Untergrund (Gebirge),
  • der Entsorgung des Abwassers (Fracking-Fluide) und des zu Tage geförderten Lagerstättenwassers.

Auch der hohe Wasserbedarf pro Fracking-Bohrung schlage laut Umweltbundesamt klimatechnisch negativ zu Buche: Bis zu 2.200 Kubikmeter (m³) Wasser benötige man. Nur zum Vergleich: Ein 50-Meter-Schwimmbecken, das 10 Meter breit und 4 Meter tief ist, fasst 2.000 m³ Wasser. Und mit einer Bohrung ist es eben nicht getan, denn beim Fracking muss man die Bohrungen oft wiederholen.

Fracking Fluid – Wasser versetzt mit Quarzsand und hochgiftigen Chemikalien

Das Wasser, das unter hydraulischem Druck ins Gestein gepresst wird, besteht zu etwa 80 bis 90 Prozent aus Wasser. Die restlichen 10 bis 20 Prozent des Mixes sind vor allem Quarzsand und sogenannte chemische Additive (0,5 bis 2 Prozent) – ein teils hochgiftiger Chemie-Cocktail, darunter Biozide, sogenannte Brecher (Säuren, Oxidationsmittel, Enzyme), Korrosionsschutzmittel und Schäume. Das Tyndale Centre for Climate Change der University of Manchester habe laut UBA 260 der Chemikalien, die in den USA zum Fracking benutzt werden, 2012 unter die Lupe genommen: 58 seien besorgniserregnd, da toxisch für den Menschen, karzinogen, mutagen und die Fortpflanzung beeinflussend.

Fracking – eine Gasförderungs-Technologie macht Weltpolititk

Fracking soll den USA, die es schon großflächig betreiben, Unabhängigkeit liefern – Unabhängigkeit von Erdöl- und Erdgas-Importen weltweit, vor allem aber aus dem Nahen und Mittleren Osten. 40 Prozent der US-Gasförderung macht Fracking inzwischen aus. Eine vertrauliche Studie des Bundesnachrichtendienstes (BND), so berichtete laut Spiegel Online die Nachrichtenagentur Reuters, komme zu dem Schluss, „dass die USA wegen des neuen Gas- und Ölreichtums das Interesse an der Golfregion verlieren werden. Durch die riesigen Schiefergas- und Ölfunde würden die Vereinigten Staaten bis 2020 vom größten Energieimporteur der Welt zu einem Exporteur. Dadurch ändere sich auch das Machtgefüge zwischen der Supermacht und dem aufstrebenden China.“

Wolfgang Ischinger, Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz schätzt laut der „Welt online“ gegenüber dem Deutschlandfunk ein, dass das Inhouse-Fracking – wie ich es hier mal nenne –  „Auswirkungen auf die amerikanische Notwendigkeit, sich um Stabilität und Sicherheit am Golf, am Persischen Golf, täglich zu kümmern“ haben werde. Viele Vermutungen gehen dahin, dass sich stattdessen dann Europa und China in der Region stärker engagieren würden.

Weniger (auch militärische) Präsenz der USA in der Golfregion – das klingt in meinen Ohren erst einmal sehr gut. Doch ob die Welt tatsächlich sicherer und friedlicher wird, weil die USA Fracking betreiben, wage ich hier zu bezweifeln.

Fracking in Deutschland

Das UBA hat 2012 eine Stellungnahme zur „Einschätzung der Schiefergasförderung in Deutschland“ veröffentlicht. Darin heißt es, dass Schiefergaslagerstätten hierzulande in einem „Tiefenbereich von 1.000 Metern und tiefer zu finden“ seien. Das Vorkommen solcher unkonventioneller Erdgaslagerstätten  in Deutschland betrage demnach 150 Milliarden m³, wobei gleichzeitig gesagt wird, dass die Angaben für Deutschland nicht verlässlich seien. Spiegel Online meldete Anfang 2013, dass UBA-Präsident Jochen Flashbarth (Foto) davon ausgehe, „dass in Deutschland ein erschließbares Potential von 1,3 Billionen Kubikmetern Gas in unkonventionellen Lagerstätten“ schlummere – vor allem in Schiefer, Granit und Ton. Erst 2015 erwarte man hier genaue Kenntnisse, die dank eines eigens dazu in Auftrag gegebenen „Projekts Niko Erdöl und Erdgas aus Tonsteinen – Potenziale für Deutschland“ vorliegen werden.

Noch habe das Fracking in Deutschland Teststatus, sagt das Umweltbundesamt. Die Bundesländer Baden-Württemberg, Niedersachsen, NRW, Sachsen-Anhalt und Thüringen hätten demnach bisher die Erlaubnis zur Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen in Schiefergaslagerstätten erhalten. Wobei Aufsuchung noch nicht Förderung heißt.

Ecoquentes Fazit:

Das UBA rate laut Spiegel Online, „derzeit von einem großtechnischen Einsatz abzusehen“. Vorgestern (25. Februar 2013) meldeten die Medien, dass die Bundesregierung Deutschland Fracking unter strengen Auflagen zulassen wolle. Bleibt zu hoffen, dass all die in diesem Artikel angerissenen Wider das Fracking beim Feiern der Für das Fracking nicht unter den Tisch fallen – sprich: missachtet oder gar gebilligt werden. Nicht umsonst spricht man in Zusammenhang mit Fracking auch von einer „Vergewaltigung der Erde“. Also: Wenn schon die Bundesbehörde mahnt, die Risiken für Mensch und Umwelt zu beachten, kann zumindest hinterher keiner der entscheidenden Politiker und Lobbyisten sagen, er hätte nichts gewusst. Auch ein Grund, warum ich das hier heute schreibe!

Denn das Wissen ist Luxus unserer Gesellschaft – ich mag gar nicht daran denken, wie in sogenannten Dritte-Welt-Ländern und Schwellenländern mit den Risiken des Frackings umgegangen wird.

Last but not least hat US-Schauspieler Matt Damon mit seinem Fracking-Film die Diskussionen um das Fracking in den USA befeuert. Denn auch wenn seins das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist, hat es doch eine territoriale Grenze, die ach die Frackingflächen einschränkt.Die Diskussion dort zu verfolgen, lohnt sich. Einstweilen diskutieren wir jedoch hier. Denn über Energie, die dank Fracking gewonnen wird, muss man reden. Deshalb werden wir hier auch einige Experten zu Wort kommen lassen, schließlich spricht man nicht selten von Schiefergas als „Gamechanger“ in der Energiediskussion.

Foto: Umweltbundesamt, Präsident Jochen Flashbarth 2009