Was ist Netzparität?

Menschen in der Energiewirtschaft und vor allem Leute aus der Photovoltaikbranche kennen seit Jahren den Begriff der Netzparität. In meinen aktuellen Vorträgen erkläre ich dieses Wort immer ganz genau, weil ich ihn für extrem wichtig halte. Es ist der Punkt an dem Solarstrom billiger ist als der Bezugspreis vom Netz und ich habe schon vor zwei Jahren einen Artikel darüber geschrieben wie überrascht ich bin, dass diesem historischen Punkt in unserer Gesellschaftsgeschichte so wenig Beachtung beigemessen wird (Stell dir vor es ist Netzparität und keiner geht hin). Mittlerweile ist diese Entwicklung noch viel weiter fortgeschritten und wir können mit vollster Überzeugung sagen, dass Solarstrom mittlerweile deutlich günstiger ist als Netzstrom und die ersten Netzparitätsprojekte, auch Eigenverbrauchsanlagen genannt, werden gebaut. Das das der alten Energiewirtschaft ein Dorn im Auge ist, sieht man daran, dass diese Projekte mit unterschiedlichsten Mitteln verhindert werden sollen.

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Netzparitätsgrafik aus 2010. Die tatsächliche Entwicklung ist noch viel schneller, da bereits jetzt Stromgestehungskosten von unter 10ct/kWh möglich sind.

 

Was hat das mit Solarthermie und Gas zu tun?

Diese Einleitung war wichtig um zu verstehen, warum dies so wichtig für die Solarthermie ist. Die Photovoltaik hat den Vorteil, dass sie als „Gegenspieler“ gegen den sie sich behaupten muss, den teuren Strom vom Netz hat. Solarthermie muss hingegen mit billigem Gas konkurrieren. Netzstrom kostet je nach Land 18-20 ct/kWh (Österreich) oder 25-30 ct/kWh (Deutschland). In der Grafik ist zu erkennen, dass zu Beginn der PV-Entwicklung PV-Strom satte 70 ct/kWh  kostete und an Netzparität war nicht einmal im Traum zu denken. Mittlerweile werden Projekte mit Stromgestehungskosten von 10-14 ct/kWh gebaut. Ich habe kürzlich dazu auch einen Leitfaden veröffentlicht, und dabei hat sich gezeigt, dass die obenstehende Grafik bereits veraltet ist, aber wie so oft ist die tatsächliche Entwicklung immer deutlich schneller als jene der Forschungsinstitute. Meiner Meinung nach, ist die Photovoltaik aus diesem Grund im Strommarkt nicht mehr aufzuhalten, für den Wärmemarkt sieht die Rechnung aber leider anders aus weil sie mit einem viel billigerem „Gegenspieler“ arbeiten muss, da Wärme wenig kostet (4-10 ct/kWh), aber viel davon gebraucht wird. Deshalb stellen wir uns dem Thema.

Was bedeutet Gasparität?

Ich muss gerade mit Erstaunen feststellen, dass sich noch niemand die Mühe gemacht hat diesen Begriff zu definieren. Google spuckt gerade mal zwei Artikel aus, in dem der Begriff erwähnt wird und die anderen Ergebnisse sind Artikel, in denen ich das Wort Gasparität bereits erwähnt habe, im guten Glauben es handle sich um einen allgemein bekannten Begriff. Wir schreiben hier auf Ecoquent-Positions also quasi gerade Internetgeschichte indem wir die Deutung eines Begriffes, welcher für die Solarthermie noch sehr wichtig werden wird, in die Hand nehmen. Gasparität bedeutet:

Analog zur Netzparität im Strombereich bedeutet Gasparität das Erreichen jenes Punktes an dem Wärmegestehungskosten von Solarthermie günstiger sind als jene von Gas. In diesen Gestehungskosten sind sowohl die Anschaffungs- als auch die Wartungs-, Finanzierungs- und Brennstoffkosten enthalten.

Soweit eine erste Definition, die in den Kommentaren gerne erweiterbar ist.

Wie viel fehlt der Solarthermie zur Gasparität?

Nun ist jedoch die große Frage, die mir vermutlich nur wenige Menschen in der Solarthermiebranche beantworten können, wie viel uns zu diesem Punkt noch fehlt. Es wird Menschen in Dänemark geben die sagen, dieser Punkt sei mit 4ct/kWh schon längst erreicht und dann wird es Menschen geben, die bei Kleinanlagen auf Wärmegestehungskosten von bis zu  25ct/kWh kommen und in dieser Studie werden die Kosten von Gas nicht mit 8 ct/kWh sondern mit 18ct/kWh beziffert. Laut diesen Zahlen stellt sich das derzeitige Bild ungefähr so dar:

An diesen zwei Zeilen zeigt sich ein symptomatisches Bild, welches auch den Wärmemarkt eindeutig beschreibt: Ein heilloses Durcheinander. Ich versuche deshalb meine eigene unwissenschaftliche, aber aus der Praxis gelernten Informationen für etwas mehr Klarheit einzusetzen. Gerne könnt ihr in den Kommentaren eure Meinung dazu veröffentlichen.

  • Wärmegestehungskosten Solarthermie für Kleinanlagen: 7-13 ct/kWh
  • Kosten mit denen die Solarthermieanlage konkurrieren muss: 8ct/kWh

Leider sieht der Kunde meist nicht die gesamten Kosten einer Gastherme, sondern nur jene, die auf der Rechnung stehen bzw. nach der Installation der Solarthermieanlage nicht mehr draufstehen. Die 18ct/kWh lassen sich also vermutlich leider nur sehr selten als Vergleichsobjekt heranziehen.

Aber nun die alles entscheidende Frage: Reicht die Gasparität?

Sieht man sich die Zahlen an wird etwas klar. Die Solarthermie ist nicht sehr weit von der Gasparität entfernt. Leider gibt es für den Endkunden jedoch noch so viele Stolpersteine am Weg zur eigenen Anlage, nicht zuletzt der überaus wichtige Punkt, dass die Solarthermieanlage finanziert werden muss und die Energiekosten von 20 Jahren quasi im voraus bezahlt werden müssen. Der Verdacht liegt also nahe, dass Gasparität alleine  nicht den nötigen Anreiz für den Endkunden bieten wird. Gasparität bedeutet nämlich auch, dass sich der Kunde im Endeffekt nicht wirklich etwas spart, sondern eben bei gleichbleibenden Gaskosten gleich viel zahlt. Wie utopisch der letzte Punkt ist, zeigt sich aus den Krisenherden unserer Erde aber Homo Irrationalus denkt oft nicht so weit. Deshalb muss man auch daran denken, wie man die lieben Eigentümer in eine für sie vorteilhafte Entscheidungsposition bringt. Es zeigt auch, dass die leidige Frage: Wann rechnet sich das, völlig falsch ist, denn ist Alternative ist einfach mehr zu bezahlen und einfach gar nichts zu sparen. Und bevor hier wieder ein Skandal ausbricht, dass Kosten nicht alles sind: Natürlich ist Solarthermie ökologisch die allerbeste der vorhandenen Wärmetechnologien. Ich will nur zeigen, dass wir auch von der ökonomisch besten Alternative nicht so weit weg sind, wie manche vielleicht meinen.

Was braucht die Solarthermie um diese Lücke zu schließen?

Die Einspeisetarife für Photovoltaik wurden immer so berechnet, dass von den derzeitgen Gestehungskosten ein ca. 8% Risikoaufschlag gewährt wurde um auch etwaige Finanzierungskosten und Ausfälle zu decken. Da die Gestehungskosten zu Beginn der Entwicklung noch bei um die 50ct/kWh lagen, waren auch die Einspeisetarife entsprechend hoch und sanken mit fortschreitender Entwicklung auf ein Niveau, dass selbst die kühnsten Optimisten erst im Jahr 2020 erwartet hätten. Eine derartige Herangehensweise hat es bei der Solarthermie NIE gegeben. Ich wiederhole NIE GEGEBEN. Die Technologie wird seit Jahren mit sinnlosen Quadratmeterförderungen auf kleiner Flamme gehalten. Die Preis- und Marktentwicklung war entsprechend katastrophal und von einer Massenimplementierung weit entfernt. Um wieder zurück auf die Rechnung zu kommen, bräuchte es um die Lücke zu schließen also einen Anreiz, der ähnliche Entwicklungen auslöst, wie in der Photovoltaik und ein 2050 Ziel von 2-4ct/kWh anstrebt – auch wenn das heute vielleicht völlig utopisch klingt.

4-8 ct/kWh wären ausreichend

In der Photovoltaik hat man es geschafft mit anfangs 50ct/kWh Förderung auf ein Niveau von unter 10ct/kWh zu kommen. Die Solarthermie ist bereits heute viel weiter fortgeschritten und braucht im Vergleich nur sehr wenig für einen wahren Durchbruch. Im Moment muss sich die Solarthermie fast gänzlich ohne Förderung durchschlagen schafft dies auch noch gerade irgendwie. Es wäre also wirklich nicht viel nötig um hier noch einen kräftigen Schub in der Wärmewende hinzukriegen. Aus den vorangegangen Berechnungen ergeben sich 4-8 ct/kWh. Die Abwicklung einer solchen Maßnahme kann man diskutieren aber vor allem was die solare Fernwärme betrifft, gäbe es mit nur wenig Anschub unglaubliches Potenzial.

Gasparitätsgrafik durch den BSW?

Nachdem das hier alles meine persönlichen Erfahrungen widerspiegelt und keine wissenschaftliche Abhandlung ist, würde ich mir wünschen, dass sich auch der BSW dieser Thematik annimmt und analog zu den Veröffentlichungen in der Photovoltaik auch Bilder entwickelt bei denen wir sehen, wo die Solarthermie gerade steht und was es braucht um die Lücke zur Gasparität zu schließen. Daraus können nämlich wertvolle Grundlagen für politsche Entscheidungen abgeleitet werden. Derzeit hat man das Gefühl, dass „da oben“ niemand so wirklich Ahnung hat und etwas hilflos auf Zurufe handeln muss. Natürlich sind auch andere Institute aufgerufen hier Material zu entwickeln, denn wie auch Doreen hier kürzlich geschrieben und Uwe Trenkner trefflich ausformuliert hat, ist gutes Datenmaterial in der Branche mehr als Mangelware.

denhans / photocase.com