Im Juli küren wir Tino Bartmuß zu unserem „Handwerker des Monats“. Er ist seit 1. Januar dieses Jahres Inhaber und Geschäftsführer der Wirtz Sanitär + Heizung GmbH in Koblenz. Im Interview berichtet der Installateur- und Heizungsbaumeister wie er seinen Beruf schätzen lernte, wie es zur Betriebsübernahme kam und warum er derzeit kaum noch wirklich handwerklich tätig ist.

Doreen Brumme für Ecoquent Positions: Tino Bartmuß, beschreiben Sie uns bitte kurz Ihren Betrieb!

Tino Bartmuß: Unser Betrieb Wirtz Sanitär + Heizung GmbH in Koblenz ist in den klassischen Bereichen Sanitär und Heizung aktiv. Seit Jahrzehnten haben wir uns auf umweltfreundliche Techniken spezialisiert. Ökologische Raumtechnik ist heute ein wichtiger Bereich unserer alltäglichen Arbeit.

Sie haben den Betrieb Anfang des Jahres übernommen, wie kam es dazu?

Ich bin 2008 in den Familienbetrieb Wirtz gekommen, den Hans-Joachim Wirtz, seines Zeichens Gas- und Wasserinstallateurmeister sowie Zentralheizungs- und Lüftungsbaumeister, seit 1. Juli 1980 führte. Den Betrieb hatte sein Vater Wilhelm Wirtz am 1. April 1953 gegründet. Hans-Joachim Wirtz suchte nach einem Nachfolger, wir haben uns gefunden und er hat mich zu diesem aufgebaut. Meinen Installateur- und Heizungsbaumeister habe ich direkt vor Einritt in diesen Betrieb gemacht.

Das heißt, Sie haben den Beruf von der Pike auf gelernt?

Ja. Wobei ich zugeben muss, dass 1997, als ich meine Ausbildung zum Installateur antrat, das nicht gerade mein Traumberuf war. Doch schon nach kurzer Zeit änderte sich das. Heute bin ich sowohl von meinem Beruf als auch unserem Tätigkeitsfeld im Bereich der Erneuerbaren Energien, insbesondere der Solarthermie, mehr als überzeugt.

Kommen Sie als frisch gebackener Inhaber und Geschäftsführer überhaupt noch zum Handwerken?

Nein, seit März diesen Jahres hatte ich den „Blaumann“ nicht mehr an.

Fehlt Ihnen das Handwerk?

Ich bin ein sehr technisch veranlagter Mensch. Meine Arbeit beim Kunden vor Ort hat mir immer viel gegeben. Kurz: Ja, es gibt Tage, da fehlt mir die Handarbeit sehr.

Mit der Betriebsübernahme traten Sie ein Erbe an, dass auch große Verantwortung bedeutet – wie schultern Sie die?

Wirtz ist ein traditionsreicher Betrieb. In meiner Position als Inhaber und Geschäftsführer bin ich jetzt zum einen gegenüber meinen Mitarbeitern verantwortlich. Wir sind ein Team von vier Monteuren, einem Meister, zwei Azubis, zwei halbtags im Jobsharing tätigen kaufmännischen Mitarbeiterinnen im Büro und mir. Ich habe mit der Geschäftsführung das komplette Team übernommen, keiner musste beim Wechsel gehen. Zum anderen ist da die Stammkundschaft, die wir nach wie vor sehr gut betreuen möchten – auch das ist Verantwortung.

Wie kommt’s, dass das Thema Solarthermie auf der Liste Ihrer Dienstleistungen / Services steht?

Hans-Joachim Wirtz hatte die Bedeutung regenerativer Energien aller Art früh erkannt und diese zu schätzen gewusst. 2002 hat er die erste Pelletsheizung in Koblenz installiert – die Anlage läuft noch heute und hat uns mit ihrem Vorbild mindestens vier bis fünf Neukunden verschafft. Unseren Betrieb hat er ökologisch ausgerichtet: Unser Betriebsgebäude ist unter weitgehend konsequent ökologischen Gesichtspunkten modernisiert worden, es dient uns erfolgreich als Musterobjekt für interessierte Bauherren: Wir betreiben hier eine Holz-Pellets-Anlage, sorgen mit einer kontrollierten Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung für eine optimale Raumlüftung und eine Photovoltaikanlage unterstützt die Stromversorgung. Im angrenzenden Gebäude gibt’s eine Wärmepumpenanlage, eine Solarthermie-Anlage sowie eine Brennwert-Gaszheizungsanlage. Das Motto von Hans-Joachim Wirtz, der mir bis heute als Mentor und Kollege zur Seite steht, war und ist: „Nachmachen erwünscht!“

Mit Ihrem Betrieb sind Sie Paradigma-Partner. Was sind die Gründe für diese Partnerschaft?

Die Partnerschaft ist Hans-Joachim Wirtz eingegangen. Von seinen Beweggründen weiß ich so viel: Er wollte seinen Betrieb ökologisch ausrichten und hat in dem Unternehmen Paradigma dafür viel Potential gesehen. Die Partnerschaft ist bis heute erfolgreich.

Welches der von Ihnen bisher realisierten Solarthermie-Projekte ist Ihr Lieblingsprojekt und warum ist es das?

Eins meiner Lieblingsprojekte ist ein neugebautes 3-Familienhaus in Lahnstein, das wir 2015 mit drei CPC-21er-Kollektoren von Paradigma bestückt haben. Dazu gab’s einen EXPRESSO-Speicher und eine Gasbrennwerttherme.

Parardigma Solarthermiekollektoren auf Dach in Lahnstein

Das Dach des Mehrfamilienhauses in Lahnstein mit den drei CPC-21er-Solarthermie-Kollektoren von Paradigma. Foto: Tino Bartmuß, Wirtz Sanitär + Heizung GmbH.

Beschreiben Sie uns bitte Ihr größtes Erfolgserlebnis in Sachen Solarthermie!

Mein bislang größtes Solarthermie-Projekt war auch das erste Projekt, an dem ich in der Firma Wirtz mitwirkte. Da haben wir 2009 auf einem 2-Familienhaus in Sankt Goar am Rhein 15 Quadratmeter Solarthermie-Kollektoren verbaut, unter anderem auch zur Schwimmbaderwärmung. Damals war gerade der EXPRESSO-Speicher auf den Markt gekommen.

Und wo drückt der Schuh im Alltag? Welche Hürden sind im alltäglichen Umgang mit Solarthermie gegebenenfalls besonders hoch beziehungsweise schwer zu nehmen?

Solarthermie ist momentan kein großes Thema. Wir bedienen gerade viele Kunden der Generationen 50plus und 60plus. Sie wünschen sich vor allem Bäder: hochwertige, teils luxuriöse Wellness-Bäder. Wir machen ein Bad nach dem anderen. Ökologische Heizung, Heizung überhaupt, scheint der klassischen Kundschaft gerade weniger wichtig …

Wie alt sind die Bäder, die Sie modernisieren?

20 bis 40 Jahre haben die teilweise schon hinter sich.

Ist die Solarthermie-Förderpolitik ein Hemmnis?

Mal ehrlich: Der Staat fördert so hoch wie seit Jahren nicht. Das sollte man zu schätzen wissen … Wo kriegt man heute so viel Geld dafür, dass man in einen neuen Wärmeerzeuger investiert? Und dabei ist das Prozedere ganz einfach. Ich mache die Anträge für die BAFA-Förderung alle selbst. Das ist eine Sache von Minuten. Ich glaube nicht, dass das Desinteresse an Solarthermie in der Förderpolitik begründet ist.

Tino Bartmuß, was wünschen Sie sich für Ihren Solarthermie-Job?

Angesichts der aktuell schwachen Nachfrage nach Solarthermie wünsche ich mir natürlich, viel mehr davon zu machen. Ich hoffe auf ein Umdenken, insbesondere seitens der Hausherren aus dem Bestand, die eine Modernisierung planen.

Vielen Dank, Tino Bartmuß, dass Sie sich die Stunde Zeit für unser Gespräch genommen haben!

Sie möchten auch Handwerker des Monats werden?
Wenn Sie wie Tino Bartmuß glühender Kämpfer für die Wärmewende und noch dazu Paradigma-Partner sind, schreiben Sie uns bitte eine kurze E-Mail an: office@nullecoquent-positions.com“! Schildern Sie darin in ein paar Sätzen, was Sie antreibt und warum sie so gerne Solaranlagen bauen. Bitte schreiben Sie auch Ihre zwei Lieblingsprojekte dazu. Wir schauen uns das gemeinsam mit dem Gebietsmanager an und melden uns.

Fotos: Tino Bartmuß / Wirtz Sanitär + Heizung GmbH