Gerade wird das Heizen mit Strom wieder heiß diskutiert, nicht nur hier auf unserem Blog. Durch die EEG – Förderung ist zwar der Anteil regenerativer Energien an der Stromerzeugung erfreulich angestiegen, doch jedes Jahr gibt es weniger Einspeisevergütung für Neuanlagen und die EEG-Umlage sorgt für steigende Strompreise bei den Privatverbrauchern (während an den Strombörsen der Strom immer billiger geworden ist!). Deshalb suchen Eigentümer von PV-Anlagen nach Möglichkeiten, den Eigenverbrauch zu erhöhen, nicht nur für den Haushaltsstrom, sondern zunehmend auch zum Heizen.

Welche Möglichkeiten zum Heizen mit Strom gibt es?

Ein Schelm ist, wer jetzt spontan an Heizlüfter oder strombetriebene Ölradiatoren denkt – da ist jedem klar, dass sich das nicht rentiert. Und die gute alte Glühbirne ist ebenfalls fast ausgestorben 🙂 Doch es gibt modernere und effizientere Möglichkeiten, wie den Heizstab und die Wärmepumpe.

Heizen mit dem Heizstab

Ein Heizstab kann als Zuheizung Wärme in den Wärmespeicher für Raumheizung und/oder Trinkwassererwärmung einspeisen und damit den hauptsächlichen Wärmeerzeuger unterstützen oder bei der Warmwasserbereitung im Sommer phasenweise sogar ganz ersetzen. Oft fungiert der Heizstab auch als Zusatz- oder „Notheizung“ bei Wärmepumpenheizungen.

Netzgekoppeltes Photovoltaiksystem mit thermischer Nutzung der Überschüsse

Netzgekoppeltes Photovoltaiksystem mit thermischer Nutzung der Überschüsse, Quelle: Prof. Dr.-Ing. habil. Volker Quaschning

Heizen mit der Wärmepumpe

Die Wärmepumpe nutzt Umweltwärme aus Luft, Wasser oder Boden (Geothermie) und es gibt sogar noch Förderung dafür. Je nach Jahresarbeitszahl (JAZ) macht sie aus einer Kilowattstunde Strom um die drei bis viermal so viel Wärme.

Nur nicht zur Winterszeit

Allerdings wird Heizwärme vor allem dann gebraucht, wenn kaum oder kein PV-Strom zur Verfügung steht. Dann muss der Strom teuer aus dem Netz gekauft werden und unsere Stromversorgung wird anfällig für sinkende Temperaturen. Schon jetzt beobachtet man Lastspitzen durch Wärmepumpenstrom im Winter. So kommen wir nie von den Gas- und Kohlekraftwerken weg. Nur wo wenig Heizenergie benötigt wird – wie zum Beispiel bei einem Passivhaus mit 1000 – 2000 kWh Jahresheizwärmebedarf -, ist es fast wurscht, wie der Bedarf gedeckt wird. Geduscht und gewaschen wird dagegen auch im Sommer, wenn viel PV-Strom anfällt.

Wann lohnt sich Strom zum Heizen wirklich?

Eine PV-Strom-Heizung rentiert sich also vor allem

  • für die Warmwasserbereitung im Sommer (Heizkessel kann ausgeschaltet bleiben)
  • bei Ein- und Zweifamilienhäusern mit hohem Energiestandard, z.B. Passivhaus
  • bei einer niedrigen Einspeisevergütung
  • wenn nicht auch noch die Sonnensteuer kommt

Solarthermie hat die bessere Energieausbeute

In großem Stil lohnt sich das Heizen mit Strom also nicht. Hohe solare Deckungsgrade von 60-70% sind nicht möglich. Für Mehrfamilienhäuser, Wohnanlagen und spätestens für den Prozesswärmebereich fährt man besser mit Solarthermie – sie schneidet bei der Energieausbeute von allen Formen der Sonnenenergienutzung am besten ab, wie man an der Grafik unten sieht.

Vergleich verschiedener Nutzungsarten der Sonnenenergie

Vergleich verschiedener Nutzungsarten der Sonnenenergie, Quelle: www.sonnenenergie.de

Wärme lässt sich außerdem kostengünstiger speichern (Wasser als Speichermedium) – was bei hocheffizienten Vakuumröhrenkollektoren aber gar nicht nötig ist, jedenfalls nicht saisonal. Dann kann auch das Backupsystem für den Winter klein dimensioniert werden, z.B. als Pellet- oder Stückholzofen. Wenn der verbleibende Heizwärmebedarf gering ist, spricht natürlich auch nichts gegen eine effiziente Wärmepumpe.

Mit unserem Heizkostenrechner könnt ihr selbst durchrechnen, welche Heizung für euch die beste ist! Uns ist bewusst, das dies nicht unbedingt der derzeitigen Mainstreammeinung entspricht, umso wichtiger finden wir es das wirklich auszudiskutieren weil es sehr viele Für und Wider zu beachten gibt.

Titelfoto: BSW Solar

Grafiken: Volker Quaschning; Sonnenenergie