„Chance für den Wärmemarkt“ heißt ein Artikel in der Ausgabe 03/2013 der Fachzeitschrift Sonne, Wind und Wärme. Das Thema: Heizen mit Strom aus Photovoltaik. Zu den Autoren gehört Prof. Volker Quaschning, den wir hier bereits einmal interviewt haben. Der Artikel plädiert dafür, Stromüberschüsse aus Photovoltaikanlagen zur Warmwasserbereitung zu benutzen, und zwar mit Hilfe eines einfachen Heizstabes, der in Zeiten großer Solarerträge die Trinkwassererwärmung unterstützt – so könnte der konventionelle Heizkessel im Sommer ruhen. Die Einsatzmöglichkeiten wurden an Hand eines Referenzgebäudes rechnerisch simuliert (durchschnittlich saniertes Einfamilienhaus, 127 qm Wohnfläche, 5-kW-PV-System, 200l-Trinkwasserspeicher bzw. 800l-Pufferspeicher), wobei der erzeugte Stromüberschuss in erster Linie zur Deckung des Haushaltsstrombedarfs dient. Wenn dann immer noch ein Überschuss besteht, wird dieser zur Trinkwassererwärmung benutzt und der Rest ins Stromnetz eingespeist.

Ich habe mit dem Experten für energetisches Bauen, Prof. Timo Leukefeld,  darüber gesprochen:

Herr Leukefeld, Heizen mit Stromüberschüssen aus der Photovoltaik, beschränkt auf die Trinkwassererwärmung im Sommer – das klingt nach einer interessanten Idee. Kann die Rechnung aufgehen, die Hr. Quaschning da aufmacht?

Timo Leukefeld: Bei der Warmwasserbereitung sollte man tatsächlich völlig technologieoffen herangehen. Da halte ich Prof. Quaschnings Thesen und Berechnungen für absolut seriös. Die Frage ist nur: Lohnt es sich, über die Warmwasserbereitung generell zu diskutieren, wenn wir über 80 oder 100 Euro Einsparung im Jahr reden? Zum Beispiel im Bestand, wo ja in der Regel eine Heizung da ist, kostet eine Kilowattstunde Wärme aus Gas etwa 7 ct, aus Öl 9 ct – warum sollte ich mir da eine Photovoltaikanlage anschaffen, wo die Kilowattstunde vielleicht 12 – 15 ct kostet.

Wie es auch in Hr. Quaschnings Artikel anklingt: Wir müssen auf die Bedürfnisse der Bauherren eingehen. Wer schon eine Heizung hat, wird wirtschaftlich nicht gut beraten sein, sich eine Photovoltaikanlage zuzulegen, um im Sommer damit das Wasser zu erhitzen. Es handelt sich eher um Lösungen für Menschen, die sich mit dem Gedanken an Rendite eine Photovoltaikanlage zugelegt haben und die nun von den Marktentwicklungen überrumpelt wurden. Wenn man z.B. künftig im Sommer nur noch 90 % einspeisen darf, Anlagen abgeschaltet oder auf eine gewisse Nennleistung gedrosselt werden können, dann ist es legitim, mit dem Überschussstrom Trinkwassererwärmung zu betreiben.

Das hat jedoch nichts mit der Frage zu tun: Wie können Häuser der Zukunft aussehen? Dort würde ich immer versuchen, mit dem Solarstrom nicht die günstige Gaswärme zu ersetzen, sondern den Haushaltsstrom, der jetzt fast 29 ct/kWh kostet. Deshalb wäre es sinnvoll darüber nachzudenken, wie ich mich selbst mit Strom versorgen und den Stromverbrauch senken kann; einen Durchschnittshaushalt mit 5.000 kWh Jahres-Stromverbrauch versorgen zu wollen, ist aussichtslos.

So weit das Zitat von Prof. Leukefeld. Es kann also letztlich nur um die Nutzung von Stromüberschüssen aus vorhandenen Photovoltaikanlagen gehen, und hier auch nur für die Trinkwassererwärmung im Sommer.

Kommt eine Solarstrom-Steuer?

Für die Zukunft gilt es eher, diese Überschüsse zu vermeiden, da sonst mit PV-Anlagen kaum mehr Rendite zu machen sein wird: Die Förderung von PV-Anlagen ist bereits jetzt auf eine installierte Photovoltaikleistung von 52 GW gedeckelt; diese Grenze könnte schon in den nächsten Jahren erreicht sein. Wenn die Politik keine Anschlusslösung findet, fallen die Förderungen für Neuanlagen danach auf Null, und auch die garantierten Einspeisevergütungen für bestehende Anlagen laufen ja irgendwann aus. Timo Leukefeld hält es außerdem für wahrscheinlich, dass irgendwann eine Solar-Strom-Steuer eingeführt wird. In Tschechien ist sie bereits Realität.

Heizung aus Solarstrom kann nur „Zubrot“ sein

Im Übrigen sollten wir uns vor Augen halten, dass gut 80 % des Wärmebedarfs im Haus auf die Raumheizung entfallen (wenn es nicht gerade ein Passivhaus ist) – und die brauchen wir nun mal hauptsächlich im Winter, wo sich die Diskussion um Solarstromüberschüsse erübrigt. Zwar wurde auch die Möglichkeit simuliert, Solarstrom auch für die Raumheizung einzusetzen, ich lese jedoch aus dem Artikel nicht heraus, dass das sinnvoll ist. Mehrere sonnenreiche Tage könnten den Pufferspeicher durchheizen – allerdings müsste dann der Speicher doch ausreichend groß dimensioniert sein, um die Überschüsse in die Heizperiode „mitzunehmen“. Da lohnt sich aus meiner Sicht eher eine flächeneffiziente Solarthermieanlage, damit der Strom für den Eigenverbrauch im Haushalt übrig bleibt. Heizen mit Solarstrom kann also bestenfalls ein „Zubrot“ sein, so wie die alten Flachkollektoren, die sich auf die Trinkwassererwärmung beschränkten. Um den Wärmebedarf eines Hauses erneuerbar zu decken, braucht es hingegen ganzheitliche Lösungen.

Bild: kallejipp / photocase.com