Energiespartipps bekommt der Verbraucher heutzutage von allen Seiten, nicht zuletzt auch von uns hier auf Ecoquent Positions. Doch was weiß ein Verbraucher tatsächlich darüber, wie er Energie im Haushalt sparen kann und welche Tipps setzt er praktisch um? Eine aktuelle Umfrage belegt eine deutliche Unterschätzung von Bedarf und Einsparpotential seitens deutscher Verbraucher ebenso wie deren Wissenslücken über aktuelle Kosten von Gas, Öl und Warmwasser. Wie kommt’s?

Das Marktforschungsinstitut TNS Emnid befragte im Auftrag des Heizungslieferanten Vaillant 5.000 Deutsche in zehn Städten per Telefon zum Energieverbrauch im Haushalt und zu den Möglichkeiten, Energie und damit Kosten einzusparen. Die Ergebnisse der Umfrage wurden im Oktober veröffentlicht:

Verbraucher unterschätzen Energiebedarf privater Haushalte

Wichtigstes Ergebnis der Umfrage: Die Mehrheit der befragten Deutschen unterschätzte demnach den Verbrauch an Energie sprich: Energiebedarf, in ihrem Haushalt und im Sektor Privathaushalte als Ganzes: So vermutete über ein Drittel der Umfrageteilnehmer, dass die Industrie hierzulande am meisten Energie verbrauche, gefolgt vom Sektor Verkehr. Tatsächlich ist dem nicht so: Der Deutschen Energie-Agentur (dena) zufolge kommen Privathaushalte mit 29 Prozent auf den höchsten Anteil am gesamten Energieverbrauch unseres Landes. Nahezu 90 Prozent davon wiederum gingen fürs Heizen und Erwärmen von Wasser drauf, sagt das Bundesumweltministerium (BMU).Energiekosten in Haushalt Industrie Verkehr Gewerbe

Große Wissenslücken über Ausgaben für Gas, Öl und Warmwasser

Darüber hinaus deckte die aktuelle Umfrage seitens der Verbraucher ziemliche Wissenslücken bezüglich der Kosten fürs Heizen und Erwärmen von Wasser auf. So wüssten mehr als 80 Prozent der befragten Deutschen zwar, wie viel Geld sie im Jahr für Benzin / Diesel und Strom ausgäben. Jedoch hätten mehr als ein Drittel (35 Prozent) keine Kenntnisse darüber, was klassische Energielieferanten wie Gas oder Öl (42 Prozent) kosten. Bei Warmwasser sei die Wissenslücke noch größer: Hier wüssten mehr als die Hälfte nicht, was sie dafür bezahlen.

Wie viel kostet Gas oder Öl?

Verbraucher unterschätzen ihre Möglichkeiten, Energie zu sparen

Die Möglichkeit, mit dem eigenen Verhalten Heizenergie im Haushalt sparen zu können, unterschätzt laut der Umfrage eine Mehrheit der Befragten. Gut zwei Drittel glauben demnach, sie könnten den Energieverbrauch nur wenig oder gar nicht beeinflussen, wenn sie bewusster lüften. Das Drosseln der Heiztemperatur beurteilen 68 Prozent der Umfrageteilnehmer als gering oder gar wirkungslos. Und nur 29 Prozent der Befragten glaubten, mit dem Einbau einer neuen Heizung sehr viel oder viel Energie sparen zu können. Ihnen gegenüber stünden laut der Pressemeldung von Vaillant jedoch 58 Prozent Befragte, die der Meinung seien, eine neue Heizung brächte wenig oder gar nichts an Energieeinsparung. Gut zu wissen: Experten wie die dena vertreten die Ansicht, dass das Sanieren einer alten Heizung verbunden  mit dem Einbau einer kontrollierten Wohnungslüftung / Wärmerückgewinnung jedoch die Heizkosten um 60 bis 80 Prozent verringere.

Welche Möglichkeiten gibt es die Heizkosten zu verringern

Verbraucher erwarten steigende Energiekosten

Bei der Einschätzung der in den kommenden Jahren zu erwartenden Entwicklung der Kosten für Heizenergie waren sich die Befragten zumindest tendenziell Großteils einig darin, dass diese nur einen Trend haben würde: aufwärts. Knapp die Hälfte der Befragten rechne demzufolge in den nächsten Jahren mit stark steigenden Heizenergiekosten. Weitere 42 Prozent gingen davon aus, dass diese Kosten etwas steigen werden.

Wie viel kostet die Heizung in Zukunft?

Stellt sich die Frage, wie es kommt, dass die deutschen Verbraucher ihren Energiebedarf und ihr Energiesparpotenzial dermaßen unterschätzen. Mangelt es an der eingangs erwähnten (von mir als omnipräsent  empfundenen) Anleitung zum Handeln? Oder bremst die Annahme, dass die Industrie den größten Energiebedarf hätte, das eigene Handeln, weil jeder Verbraucher glaubt, als einzelner kleiner Sparer nichts zu bewirken?

Wie der deutsche Verbraucher Heizkosten spart

Eine zweite (diesmal: internationale) Umfrage von Vaillant, deren Ergebnisse bereits zu Jahresbeginn veröffentlicht wurden, zeigt, was deutsche Verbraucher tatsächlich bereits tun, um ihren Energieverbrauch zu senken. Die deutschen Umfrageteilnehmer ergriffen demnach folgende Maßnahmen am häufigsten, um Heizkosten zu sparen:

  • Zur kurzfristigen Senkung der Heizkosten vermeide demnach fast jeder dritte Deutsche das Dauerlüften und öffne stattdessen mehrmals am Tag alle Fenster für wenige Minuten weit (Stoßlüften).
  • Fast genauso viele deutsche Befragte schalten die Heizung erst möglichst spät im Jahr ein.
  • Die Hälfte der befragten Deutschen schließe alle Gardinen, Jalousien und Rollläden, um die erwärmte Luft im Raum zu halten und nicht über kalte Fensterscheiben entweichen zu lassen.
  • Mit Hilfe der Nachtabsenkung der Heizung heizten 50 Prozent der Deutschen diese nur  tagsüber, wenn die Wärme benötigt werde.

„Nur“ 18 Prozent der deutschen Umfrageteilnehmer hätten laut der Umfrage konkrete Pläne, eine neue Heizungsanlage zu kaufen. Im internationalen Vergleich läge Deutschland damit im Schlussfeld, ergab die Umfrage. Hier muss man allerdings zu bedenken geben, dass Deutschland im Vergleich mit anderen europäischen Nachbarn weniger Hausbesitzer hat. Und mal ganz ehrlich: Als Mieter denkt man weniger an die Erneuerung einer Heizanlage als als Hausbesitzer und damit Heizanlagenbetreiber, oder?

Ist das womöglich eine heiße Spur? Unterschätzen die deutschen Verbraucher ihren Energiebedarf und Ihr Sparpotential vielleicht deshalb so sehr, weil sie Großteils „nur“ Mieter sind, die die Kostenabrechnung zumeist erst im Nachhinein bezahlen? Lässt sich das Verhalten tatsächlich am Besitz festmachen? Dafür spräche das gute Wissen über den Kraftstoffverbauch / die Kraftstoffpreise des eigenen Autos, das ja sowieso des Deutschen liebste Maschine sein soll. Fragen, die hier mal in den Raum gestellt seien.

Sehr gut zu diesem Thema, passt die von Grünspar veröffentlichte Grafik zum Thema Heizkosten. Dort kann man sein vielleicht etwas eingerostetes Heizwissen wieder aufbessern.

Foto: dommy.de / photocase.com, Grafiken: TNS Emid Umfrage/Vaillant