Wir beschäftigten uns in vergangenen Beiträgen des Öfteren mit der Förderung von Solarthermie-Anlagen. Meist richten sich die Förderungen nach der Größe der Anlage, also nach Quadratmetern der Bruttokollektorfläche oder nach dem solaren Nutzungsanteil. Bei größeren Anlagen für Prozesswärme oder die Einspeisung in Wärmenetze, hängt der Tilgungszuschuss von der Art der Nutzung ab, wenn ich die ganze Theorie richtig interpretiere. Warum gibt es eigentlich nicht einfach ertragsbezogene Förderungen also Einspeisetarife, wie es zum Beispiel bei Photovoltaikanlagen der Fall ist? Wenn nach Kollektorfläche gefördert wird, ist der Anreiz vermutlich möglichst billig viel Fläche zu verbauen, egal wie viel dann letztendlich rauskommt. Wenn hingegen der tatsächliche Ertrag gefördert würde, löste das einen riesigen Innovationsschub aus. Dazu wollten wir gerne Näheres wissen und machten uns auf die Suche nach einem kompetenten Interviewpartner und wurden fündig.

Herr Dr. Dominik Geißler, Leiter der Pressestelle des Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) beantwortet uns heute ein paar Fragen zur wärmebezogenen Förderung.

Claudia J. Gasmi für Ecoquent Positions: Gibt es Überlegungen für eine wärmebezogene Förderung also Einspeisetarife?

Dr. Dominik Geißler, BMU: Anlagen zur Nutzung von Wärme und Kälte aus erneuerbaren Energien werden in Deutschland aus dem Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien (MAP) gefördert. So erhalten zum Beispiel größere Solarthermieanlagen und Wärmenetze, die aus Solarthermie gespeist werden, zinsgünstige Darlehen und Tilgungszuschüsse im Rahmen des KfW-Teils des MAP (KfW-Programm Erneuerbare Energien, Premium). Die Tilgungszuschüsse betragen bis zu 40 % der Investitionskosten. Die Förderung von Wärmeanlagen wird flankiert durch die Nutzungspflicht für erneuerbare Energien in Neubauten und öffentlichen Gebäuden. Dieses im Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz angelegte System aus „Fördern“ und „Fordern“ hat sich grundsätzlich bewährt.

Ecoquent Positions: Wer ist für die Ausarbeitung solcher Förderungen zuständig und wie sieht es da derzeit aus?

Dr. Dominik Geißler: Für die Förderung des Einsatzes von Wärme aus erneuerbaren Energien ist das Bundesumweltministerium zuständig. Das Bundesumweltministerium hat im Rahmen der Erarbeitung des Erfahrungsberichts zum Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz, den die Bundesregierung am 19. Dezember 2012 beschlossen hat, verschiedene Förderoptionen geprüft. Aufgrund der noch nicht abgeschlossenen fachlichen und rechtlichen Prüfungen konnte bislang noch keine abschließende Empfehlung gegeben werden.

Ecoquent Positions: Was sind die Probleme bei Überlegungen von wärmebezogenen Förderungen? Woran liegt es, dass es so etwas noch nicht gibt?

Dr. Dominik Geißler: Der Stand der Überlegungen zur Fortentwicklung der Förderung im Bereich der erneuerbaren Wärme ist im bereits erwähnten Erfahrungsbericht dargelegt (zu den Überlegungen für den Gebäudebestand vgl. Kapitel 5.4.3). Der Erfahrungsbericht steht unter www.erneuerbare-energien.de zur Verfügung.

Ecoquent Positions: Warum gibt es keine ertragsbezogenen Förderungen bei der Solarthermie, ähnlich wie bei Photovoltaik?

Dr. Dominik Geißler: Es wird derzeit im Auftrag des Bundesumweltministeriums wissenschaftlich untersucht, ob eine Umstellung der Förderung im Marktanreizprogramm auf eine ertragsabhängige Bemessung der Förderung sinnvoll und praktikabel wäre. Eine ertragsabhängige Förderung könnte unbestritten richtige Akzente in Richtung einer besseren Anlageneffizienz setzen. Es ist aber bei einer Umstellung auch zu berücksichtigen, dass eine Breitenförderung wie das Markanreizprogramm für Antragsteller und Handwerker verständlich und akzeptabel sein muss. Die technischen Förderanforderungen müssen eindeutig und prüfbar sein. Die Untersuchungen zu dieser möglichen Förderoption sind noch nicht abgeschlossen.

Vielen Dank für das Interview!

Es bleibt also spannend, bis die Untersuchungen endgültig abgeschlossen sind. Dann zeigt sich, ob es wirklich wärmebezogene Förderungen geben wird. Sobald es dazu Neuigkeiten gibt, berichten wir für euch bei Ecoquent Positions darüber.

Uns interessiert natürlich was ihr dazu denkt, warum geht es im Wärmebereich so schleppend voran? Warum wird sich die Regierung nicht einig was sie wollen? Wo liegen die Probleme für das Handwerk in diesem Bereich oder könnte man die Kostenwahrheit auch anders erreichen? Was müsste passieren, dass hier wirklich große Würfe passieren?

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