Ein Wissenschaftler schafft Wissen heran. Ganz klar: Wissenschaftler kommen zur einen oder anderen Sache zu recht unterschiedlichen Ergebnissen. In Sachen Klimawandel allerdings gibt es offensichtlich einen wissenschaftlichen Konsens: Weltweit bestätigt eine Mehrzahl der Klimaforscher, dass der Mensch Hauptverursacher klimatischer Veränderungen ist. Ihre Stimme: der IPCC (Weltklimarat), ihr Manifest: der Weltklimareport, der letzte Woche zum fünften Mal erschienen ist – und schon seit Wochen in der öffentlichen Diskussion ist. Zu Recht?

Was ist der IPCC?

Das Intergovernmental Panel on Climate Change, auf Deutsch eigentlich: „zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen“, gerne aber auch der „Weltklimarat der Vereinten Nationen“ oder kürzer: „Weltklimarat“ genannt, ist eine zwischenstaatliche Institution, die 1988 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) ins Leben gerufen wurde – mit der Aufgabe, politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Entscheidern das Leben zu erleichtern:

Der IPCC soll Politikern ebenso wie Industrie und Öffentlichkeit Zusammenfassungen zum Stand der wissenschaftlichen Forschung rund ums Klima liefern. Dabei geht es vor allem um die

  • Beurteilung der globalen Erwärmung (Bewertung von Ursachen, Folgen)
  • und das Aufzeigen beziehungsweise Formulieren möglicher Strategien zur Vermeidung beziehungsweise Anpassung.

Der IPCC ist demnach eine wissenschaftliche Institution, die an die Politik gekoppelt ist. Im Plenum des IPCC sitzen neben den Wissenschaftlern auch Vertreter der einzelnen Staaten.

Wer finanziert den IPCC?

Vor allem der IPCC-Treuhandfond, der regelmäßig Zuwendung von den beiden Gründungsorganisationen UNEP und WMO erfährt sowie von der Klimarahmenkonvention der UN (UNFCCC). Hinzu kommen freiwillig geleistete Beiträge seitens der Mitgliedstaaten. Laut Wikipedia habe Deutschland im Jahr 2009 beispielsweise 441.772 Schweizer Franken (CHF) zur Verfügung gestellt. Insgesamt gab der IPCC in dem Jahr 6,9 Millionen CHF für eine Arbeit aus.

Was ist der Weltklimareport?

Laut der eben genannten Aufgaben des IPCC wird klar: Der IPCC forscht nicht selbst, sondern sammelt Forschungsergebnisse. Er ist eine Quelle für Informationen, idealerweise eine objektive Infoquelle.

Die vom IPCC erstellten Berichte, insbesondere die Sachstandsberichte, sogenannte Assesment Reports (AR), kommen aus den entsprechenden Arbeitsgruppen:

  1. AG I = naturwissenschaftliche Grundlagen Klimasystem/Klimawandel,
  2. AG II = Verwundbarkeit sozioökonomischer/ökologischer Systeme durch Klimaveränderungen,
  3. AG III = Maßnahmen gegen Klimawandel.

Jeder am Bericht beteiligte Forscher habe in drei aufeinander folgenden Versionen des Berichts die Möglichkeit, so heißt es, diese zu kommentieren, zu kritisieren oder weitere Vorschläge einzureichen. Die Endfassungen der Berichte müssen dann vom IPCC-Plenum akzeptiert werden.

Politische Entscheider erhalten vom im wahrsten Sinne des Wortes vielseitigen Weltklimareport meist schon vorab eine Kurzfassung.

Der 5. Sachstandsbericht (AR5) = 5. Weltklimareport 2013

Letzt Woche hat der IPCC seine neuen, inzwischen fünften Weltklimareport vorgelegt. In Schwedens Hauptstadt Stockholm tagten die am Verfassen beteiligten Wissenschaftler sowie die im Plenum sitzenden Regierungsvertreter eine Woche lang, um die endgültige Formulierung, die Endredaktion, des Weltklimareports 2013 festzulegen.

Gut zu wissen: 259 Autoren aus 39 Ländern haben laut Medienberichten daran mitgeschrieben. 54.677 Kommentare wurden dazu verfasst.

Warum ist der IPCC beziehungsweise seine Arbeit umstritten?

Immer wieder wird die Arbeit des IPCC kritisiert, wobei die Kritik teilweise an den Inhalten geübt wird und teilweise an der Organisation an sich. Während es unter anderem Vorwürfe zur Übertreibung beziehungsweise Verharmlosung bei der Darstellung des Klimawandels, die der IPCC liefert, gibt, sowie Verweise auf Fehler, die jedoch großteils als nicht zutreffend entkräftet wurden, gibt es auch die weitaus brisantere Kritik, dass die Arbeit des IPCC politisch beeinflusst sei – es ihm also an Objektivität mangele.

Letztgenannte Kritik richtet sich insbesondere gegen die Art und Weise, wie die Formulierung des Klimareports (Endredaktion) zustande komme. Wikipedia zitiert dazu zwei deutsche Stimmen:

  1. Helmut Schmidt, Altbundeskanzler: Die „von einigen Regierungen öffentlich genannten Zielsetzungen“ seien bislang „weniger wissenschaftlich als vielmehr lediglich politisch“ begründet. (2011)
  2. Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung „Globale Umweltveränderungen“: IPCC sei ein „eigenartiges Mischwesen“, das gemeinsam von Politik und Wissenschaft gezeugt wurde. … nicht die „globale Gemeinschaft der einschlägigen Forscher“ wähle die Leitautoren für die Berichte des IPCC aus, sondern die am Bericht beteiligten Staaten. Es seien demnach nicht die Leitautoren, die über den Wortlaut der Kurzfassung ihrer Berichte entscheiden, sondern politische Vertreter der jeweiligen Regierungen. Schellnhuber kritisiert weiter, dass nur die Kurzfassungen des Weltklimareports von den „Entscheidern“ weltweit zur Kenntnis genommen würden.

Warum ist objektive Wissenschaft für den IPCC schwer realisierbar?

Es so eine Sache mit der Objektivität. Sie ist seit Jahrhunderten von Geistern jeglicher Couleur betrachtet, diskutiert und zu definieren versucht worden. Wissenschaftliche Objektivität, also eine unabhängige Untersuchung und entsprechend unabhängigge Untersuchungsergebnisse, ist durchaus erstrebenswert, doch allein weil jeder Wissenschaftler ein individuell geprägtes und motiviertes (nicht zuletzt: bezahltes) Subjekt ist, kaum realistisch. Dennoch sollten wissenschaftliche Ergebnisse Basis von Handeln/Entscheiden sein. Was sonst? Insbesondere dann, wenn es eine wissenschaftliche Mehrheit zu einem Thema wie beim Klimawandel gibt.

Fakt ist: Der IPCC ist eine Art Bindeglied zwischen Wissenschaft und Politik. Er ist Teil des Informationsflusses zum Thema Klima und Klimawandel und liefert entsprechende Infos. Weil er diese sammelt, aufbereitet und formuliert und dabei die Mitsprache (Manipulation?) von Nicht-Wissenschaftlern wie Regierungsvertretern akzeptiert, ist Objektivität tatsächlich schwer praktikabel, denn die wissenschaftlichen Ergebnisse sind auch politische.

Was ist wissenschaftlicher Konsens?

Der Weltklimareport spiegelt in der Natur seiner Sache als Sammlung von Forschungsergebnissen das geballte Wissen der Klimaforscher dieser Welt wider. Und auch wenn der eine oder andere Wissenschaftler nicht der Meinung ist, dass es eine Klimaveränderung gibt, die der Mensch verursacht beziehungsweise beschleunigt, so gibt es dennoch einen sogenannten wissenschaftlichen Konsens darüber. Denn es gibt weltweit eine wissenschaftliche Mehrheit, nichts anderes bedeutet ein wissenschaftlicher Konsens nämlich, die genau das behauptet und mit wissenschaftlicher Forschung belegt. Wer Details dazu lesen will, dem sei diese Seite hier empfohlen.

Das heißt also: Die Mehrheit der Wissenschaftler dieser Welt ist sich einig darin, dass wir Menschen einen Klimawandel verursachen beziehungsweise beschleunigen.

Warum dieser wissenschaftliche Konsens bisher dennoch weder zu einem politischen Konsens noch zu einem gesellschaftlichen Konsens und schon gar nicht zu einem medialen Konsens führt (die Rolle der Massenmedien im Vorfeld der Veröffentlichung des 5. Weltklimareports hat Cornelia in ihrem Artikel „Massenmedien bereiten medialen Boden für IPCC-Bericht“ sehr gut dargestellt), ist eine Frage, der ich mich im meinem nächsten Artikel widmen will.

Foto: Ahkka / photocase.com