„Anteil der Erneuerbaren bei Wärme sinkt auf 12 Prozent“, titelte Mitte Dezember das Informationsportal EnBauSa.de. Bei näherem Hinsehen handelt der Artikel hauptsächlich von der Förderung Erneuerbarer Energien in der Stromerzeugung: Diese stieg von 17,3 Milliarden Euro im Jahr 2013 auf 19,2 Milliarden in 2014. Im gleichen Zeitraum ist der Anteil Erneuerbarer Energien an der Wärmeerzeugung leicht gesunken, er lag 2014 bei 12 Prozent.

Grobe Zusammenfassung: Erneuerbarer Strom ist stärkste Kraft im Strommix, Wärmewende dümpelt vor sich hin. Ist das wirklich so?

Monitoring der Energiewende

Schauen wir uns die Quelle des Artikels einmal an: Den Monitoring-Bericht zur Energiewende „Energie der Zukunft“ der Bundesregierung. Der wird jährlich von den Fachministerien erstellt und enthält

  • den Status Quo der Energiewende
  • die (Einsparungs-)Ziele bis zum Jahr 2050
  • Wirksamkeitsbewertung der Maßnahmen
  • Handlungsempfehlungen für die Zukunft

Der Soll-Ist-Vergleich im Bereich Wärme sieht auf den ersten Blick ganz gut aus: Von dem definierten 14-Prozent-Ziel für den Erneuerbare-Wärme-Anteil im Jahr 2020 sind jetzt 12 Prozent erreicht – allerdings mit abnehmender Tendenz und ohne weitere, langfristige Zieldefinition.

Bundesregierung vs. Expertenkomission

Und was sagt die Expertenkomission dazu, also jene vier unabhängigen Energiewissenschaftler, die den Monitoring-Bericht im Auftrag der Bundesregierung begutachten und kommentieren? Zum aktuellen Bericht (Bezugszeitraum 2014) stellen sie fest, dass das zentrale Ziel der Bundesregierung – die Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 % gegenüber 1990 – beim gegenwärtigen Tempo der Maßnahmen erheblich gefährdet ist. Und zum Thema Wärme:

Im Bereich der erneuerbaren Wärme lässt der Monitoring-Bericht der Bundesregierung große Datenunsicherheiten und wiederholte Umstellungen der Berechnungsmethodik erkennen, ohne dass dies transparent erläutert würde. So weichen die ausgewiesenen Anteile und der Entwicklungstrend vom letztjährigen Fortschrittsbericht deutlich ab. Eine höhere Datentransparenz ist nicht zuletzt für die Bewertung des Fortschritts zum Erreichen des 14 %-Ziels im Jahr 2020 unabdingbar. Der Einsatz erneuerbarer Wärme war im Jahr 2014 rückläufig. Der Monitoring-Bericht führt dies auf die milde Witterung zurück, liefert jedoch keine Begründung dafür, warum auch der prozentuale Anteil abgenommen hat.

(aus der Stellungnahme der Expertenkommission zum Monitoring-Prozess „Energie der Zukunft“ zum vierten Monitoring-Bericht der Bundesregierung für das Berichtsjahr 2014, Seite Z-8, PDF-Datei hier)

Allgemein fordert die Komission, in den Monitoring-Berichten auch Probleme zu benennen und Ursachen zu analysieren und sich nicht auf die bloße Darstellung von Indikatioren und deren Veränderungen zu beschränken.

14 Prozent Erneuerbare Wärme bis 2020 sind zu wenig

Und nebenbei bemerkt: Ist das Ziel im Wärmebereich nicht ziemlich niedrig angesetzt? Beim Erneuerbaren Strom steht es immerhin 27,4 Prozent (2014) zu mindestens 35 Prozent im Jahr 2020 (und mindestens 80 Prozent bis 2050). Dabei macht die Wärme den Löwenanteil am Gesamtenergiebedarf aus, und den Sektor Verkehr gibt’s schließlich auch noch. Bei den jetzt schon eingesetzten Erneuerbaren Wärmequellen war die Biomasse 2014 Spitzenreiter – da geht noch was!

Wärmewende jetzt!

Vor allem im Bereich Solarthermie. Hier könnte – zusätzlich zur Biomasse, die Solarthermie hervorragend ergänzen kann – noch erheblich zugelegt werden.

Warum werden all diese Potentiale noch immer so zögerlich genutzt? Immerhin hat die Bundesregierung mit der ertragsbezogenen Förderung wichtige Anreize für Solarthermie gesetzt. Ab 2016 erhöht sie die Zuschüsse für Solarheizungen sogar noch um 20 Prozent. Die Verschärfung der Energieeinsparverordnung und die Austauschpflicht für ältere Heizkessel stimmen ebenfalls auf eine vorsichtige Wende in der Wärmewende ein. Und wer weiß: Vielleicht können wir über einen der nächsten Monitoring-Berichte dann Schlagzeilen lesen wie „Förderung für Erneuerbare Wärme ist erheblich angestiegen“ oder noch besser: „Wärmewende boomt.“

Das wäre nicht nur schön, sondern auch unglaublich wichtig.

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