Der Chef-Klimawissenschaftler der Vereinten Nationen Rajendra Pachauri mahnt, die Menschheit könne das Problem des Klimawandels nicht länger vor sich herschieben. Denn: „Es ist fünf vor zwölf!“, sagte Pachauri auf seiner Rede zum 20. Jahrestag des Internationalen Grünen Kreuzes am 2. September. Der Mensch könne sich bei der Natur nach Belieben bedienen, aber Soll und Haben müssten ausgeglichen sein. Die Menscheit habe bislang ihre „Schulden“ bei der Natur völlig ignoriert.

Der Mensch ist Hauptversursacher der Erderwärmung

Im Weltklimarat (IPCC), dem Pachauri vorsteht, arbeiten mehrere hundert Wissenschaftler aus der ganzen Welt mit. Noch im September 2013 soll der erste Teil des lang erwarteten 5. Sachstandsberichtes veröffentlicht werden, zwei weitere Teile folgen 2014. Der Nachrichtenagentur Reuters soll ein Entwurf des Berichtes vorliegen, wonach der Mensch zu 95 % der Verursacher des Klimawandels ist.

Kann der 5. Sachstandsbericht des IPCC die Klimawandelskeptiker widerlegen?

Der Sachstandsbericht von 2007 geht noch von einem 90prozentigen Einfluss des Menschen auf die globale Erwärmung aus, gegenüber 66 % (2001) und etwas über 50 % (1995) – bezogen auf die Erderwärmung seit den 50er Jahren (zitiert nach einem Blogartikel der US-amerikanischen Denkfabrik Think Progress). Also eindeutig eine Tendenz nach oben, was die Wahrscheinlichkeit anbelangt, dass der Mensch die Erderwärmung beschleunigt. Der kommende Bericht soll außerdem aussagen, dass der Meeresspiegel bis Ende des Jahrhunderts um 90 cm ansteigen wird. Insgesamt würde der 5. Sachstandsbericht des Weltklimarates der Vereinten Nationen voraussichtlich den so genannten Klimawandelskeptikern massiv widersprechen, die unter anderem behaupten, die globale Durchschnittstemperatur würde stagnieren.

… oder ist alles noch viel schlimmer?

Nach Meinung von Joe Romm hingegen kann der IPCC-Bericht nur teilweise zur Beurteilung des tatsächlichen Ausmaßes der Klimawandelfolgen herangezogen werden, „da sie nur eine (sofort veraltende) Momentaufnahme darstellt, die die künftige Erwärmung herunterspielt und weiterhin große Teile aktueller Literatur ausblendet und weglässt, was es nicht modellieren kann.“ Wenn ich seine Argumente recht verstehe, sieht er die Lage noch dramatischer als der künftige Bericht! Unter anderem, weil dieser den so genannten Permafrost Carbon Feedback außer Acht lässt, also den zu erwartenden Anstieg der Kohlendioxid-Emissionen infolge auftauender Permafrostböden.

Regierungen sind in der Verantwortung!

Unabhängig davon stellt Pachauri klar heraus, dass die Regierungen endlich ihre Verantwortung, dem Klimawandel zu begegnen, nicht länger hinausschieben können. Er spricht aber auch davon, dass die Treibhausgas-Emissionen immer noch beherrscht werden könnten, wenn die Staaten einschließlich der Entwicklungsländer ihre Haltung zum Wirtschaftswachstum überdenken würden. Das würde die Energiesicherheit erhöhen, die Umweltverschmutzung eindämmen, die Gesundheit verbessern und außerdem neue Jobmöglichkeiten schaffen.

Der IPCC darf also mit Spannung erwartet werden. Was mich aber am meisten beschäftigt: Wann werden auch die letzten Skeptiker und Lobbyisten zur Kenntnis nehmen, dass wir ein Problem haben? Und wird es der Menschheit gelingen, endlich an einem Strang zu ziehen und sich zum Beispiel bei der nächsten Weltklimakonferenz auf wirksame und verbindliche Ziele zu einigen, um den CO2-Ausstoß deutlich zu reduzieren und den Treibhauseffekt zu verlangsamen. Oder, um mit einem weiteren Zitat Rajenda Pachauris zu schließen:

“We cannot isolate ourselves from anything that happens in any part of this planet. It will affect all of us in some way or the other.“

 

Quellen:

Foto: m.z. / photocase.com