Nachdem ich hier schon den Fahrplan Solarwärme des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar) vorgestellt habe – Kostenentwicklung, Ausbauszenarien und  Marktentwicklungschancen für mehr Solarwärme bis 2030 – soll es heute um das Flächenpotential auf deutschen Dächern gehen. Denn das ist noch lange nicht ausgeschöpft. Dabei müssen Solarthermie und Photovoltaik sich nicht einmal Konkurrenz machen, sondern können einander sinnvoll ergänzen.

Die Hälfte aller Dachflächen sind geeignet

Denn laut Fahrplan Solarwärme sind zwischen 45 und 55 % aller Dachflächen für den (wirtschaftlich sinnvollen) Einsatz von Solarthermie geeignet – und das ist nur der gegenwärtige Bestand an Einfamilienhäusern. Bist 2030 könnten 75 % davon „solarisiert“ werden, ohne den Photovoltaik-Ausbau einzuschränken. Insgesamt stehen auf Dächern, Fassaden und Freiflächen gut 2000 Quadratkilometer zur Verfügung; das ist ungefähr so viel wie die Fläche von Berlin, Hamburg und Wien zusammen. Zieht man die bereits mit Photovoltaik oder Solarthermie ausgestatteten Dächer ab, bleibt immerhin ein Potential von 6 bis 8 Millionen Dächern allein im Wohngebäudebestand.

Nicht alles, was technisch geht, ist am Markt realisierbar

Das Leitszenario „Forcierte Expansion“ des Fahrplans Solarwärme konzentriert sich auf die am Markt realisierbare Absatzmenge, die vorläufig noch geringer ist als das technisch nutzbare Potential. Sie hängt vor allem davon ab, wie sich die Solarwärme bis 2030 im Wettbewerb positionieren lässt, von der Entwicklung der Fördersituation sowie vom Interesse und dem Budget potentieller Kunden. Eine volle Ausnutzung des technischen Potentials ist außerdem nicht immer sinnvoll, da ein Mehr an Kollektorfläche ab einem gewissen Punkt nur noch geringen wirtschaftlichen Nutzen bringt. Wie viel Kollektorfläche man zum Heizen mit der Sonne braucht, hängt vom Einsatzzweck und der Art des Kollektors ab. Für die Warmwasserbereitung können als Faustwert pro Person etwa 1,5 qm Flachkollektorfläche angesetzt werden; beim effizienteren Röhrenkollektor benötigt man nur etwa  1 qm. Wer zusätzlich Heizungswärme erzeugen möchte, benötigt mehr Kollektorfläche, abhängig von der Größe des Hauses und seinem Energiestandard. Der Fahrplan Solarwärme geht im Szenario Forcierte Expansion von durchschnittlich 12,9 qm Kollektorfläche pro Dach aus. Bis zu 80 % des Dachflächenpotentials können ohne Konflikt mit der Photovoltaik für die Solarthermie ausgeschöpft werden. Dazu kommen noch ungehobene Schätze im Neubaubereich, bei Fassaden und Freiflächen sowie Industrie- und Gewerbegebäuden.

Ausschöpfung des solaren Dachflächenpotentials auf Ein- und Zweifamilienhäusern

Ausschöpfung des solaren Dachflächenpotentials auf Ein- und Zweifamilienhäusern. Es ist Platz für Solarthermie und Photovoltaik.

Gewerbe und Industrie, ein ungehobener Schatz

Noch weitgehend unberührt von solarthermischer Nutzung sind die 4,35 Millionen Nichtwohngebäude in Deutschland. Der überwiegende Teil entfällt auf Gewerbe und Industrie. Gut ein Viertel davon sind für das Heizen mit der Sonne geeignet, ausgehend von einer durchschnittlichen Kollektorgröße von 21 qm. Solarthermieanlagen könnten hier insbesondere zur Erzeugung von Prozesswärme bis 100 Grad beitragen.

Titelfoto: (c) Daniel

Grafik: www.solarwirtschaft.de | (c) BSW Solar