Erstmals maß die US-Wetterbehörde NOAA an einem Tag mehr als 400 Teile des Treibhausgases  Kohlendioxid pro Million Luftteilchen (parts per million = ppm). Damit habe der CO₂-Spiegel nicht nur den höchsten Stand seit Beginn der Messungen im Jahr 1958 erreicht, sondern auch eine Rekordhöhe, die zuletzt wohl vor drei Millionen Jahren in der Atmosphäre herrschte. Beweis genug für die Politik, in Sachen Klimawandel global zu handeln? Wer weiß …

Während die deutsche und europäische Politik laut Selbstdarstellung zu retten versucht, was an europäischem Emissions-Handel zu retten sein mag, und zumindest hierzulande noch immer debattiert, wie das deutsche Ziel der Reduzierung des Treibhausgases um 40 Prozent bis 2020 zu erreichen sei, wenn der Emissionshandel nicht funktioniert, der doch der EU wichtigstes Klimaschutz-Instrument ist, wird nicht nur in Deutschland – wie aktuelle Zahlen zeigen – mehr und mehr CO2 in die Atmosphäre ausgestoßen. Was nicht folgenlos bleibt:

Treibhausgaswerte in der Luft wie vor 3 Millionen Jahren

Die US-amerikanische Wetterbehörde NOAA (National Oceanic And Atmospheric Administration) veröffentlichte am 9. Mai die alarmierenden Messergebnisse von mehr als 400 Teilchen CO₂ in einer Million Luftteilchen – gemessen wurde im Observatorium auf dem Gipfel des hawaiianischen Vulkans Mauna Loa.

Treibhausgas auf Rekordhoch – die wichtigsten Fragen und Antworten kurz & knapp:

1. Warum wird der CO₂Anteil in der Atmosphäre auf einem Vulkan in Hawaii ermittelt?

Das Observatorium auf dem Mauna Loa liegt fernab von allen industriellen Zentren. Dort erfasst man die Anteile des Treibhausgases in der Atmosphäre, die sich darin gleichmäßig verteilt haben. Auf Hawaii wird der CO₂-Gehalt in der Luft seit 1958 kontinuierlich gemessen – das Observatorium ist damit die älteste CO₂-Erfassungsstelle der Welt.

2. Ist der Messwert anzuzweifeln?

Nein. Auch die Scripps Institution of Oceanograpy (University of California, San Diego, USA) hat den Rekordwert innerhalb von 24 Stunden bestätigt. Scripps misst unabhängig von der NOAA ebenfalls auf Hawaii.

3. Ist der 400er-ppm-Messwert ein statistischer Ausreißer?

Nein. Der CO₂-Anteil in der Atmosphäre lag vor der industriellen Revolution bei etwa 280 ppm. Er steigt seitdem stetig, in jüngster Zeit verstärkt. Allerdings ist anzunehmen, dass die CO₂-Anteile in der Luft auch wieder unter die 400er-ppm-Marke fallen, denn das sei charakteristisch für sie: Sobald die nördliche Halbkugel unseres Planeten aus dem Winterschlaf erwache und alles zu grünen begänne, sänken die CO2-Werte, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Dann brauche die Vegetation demnach das Gas, um mittels Photosynthese Biomasse zu erzeugen. Infolge dessen falle der Wert von Mai bis Oktober alljährlich regelmäßig zunächst um 5 ppm, steige jedoch bis zum Mai des darauffolgenden Jahres wieder um etwa 8 ppm. Daraus ergäbe sich summa summarum ein stetiger CO₂-Anstieg von etwa 3 ppm pro Jahr.

4. Was ist die Ursache für den stetigen Anstieg des CO₂ in der Atmosphäre?

Peter Tans, den Senior Scientist der NOAA, überrascht der stark steigende CO₂-Anteil nicht. Er sagt:  „Der starke Anstieg der globalen CO₂-Emissionen durch das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas ist die Ursache für die Beschleunigung, wie überzeugende Beweise zeigen.“

5. Ist der Anstieg des CO₂-Gehalts in der Atmosphäre noch aufzuhalten?

Ralph Keeling, der für Scripps die kontinuierlichen Messungen betreut, die übrigens sein Vater Charles im März 1958 auf Hawaii startete, antwortet: „Dass wir diese Grenze (gemeint ist die 400er-ppm-Grenze – Anmerkung der Redaktion) überschreiten, ist nicht zu vermeiden. Was danach passiert, ist sehr wichtig für unser Klima, und es steht unter unserer Kontrolle. Es hängt vor allem davon ab, wie stark wir uns auf fossile Brennstoffe für die Energieerzeugung verlassen.“

6. Warum sind die Verschmutzungsrechte in der EU derzeit so billig zu haben?

Ein europäisches Industrieunternehmen, das die Atmosphäre mit CO₂ verschmutzt, könne ein Zertifikat, das die Emission von jeweils einer Tonne CO₂ erlaube, mittlerweile für drei Euro erwerben, schreibt „Der Standard“ (Österreich). Grund für die niedrigen Preise seien demnach die viel zu vielen Zertifikate am Markt. Das sehe auch der Präsident des Umweltbundesamts, Jochen Flashbart, so, berichtet das Handelsblatt: Grund für den Preisverfall der Zertifikate an der Börse sei die Vergabe von zu vielen Verschmutzungsrechten. Dadurch entfalle ein Anreiz für die Firmen, in Klimaschutz zu investieren. Insgesamt gebe es für 1,7 Milliarden Tonnen CO₂ überschüssige Zertifikate, was einem EU-Jahresausstoß entspreche. Vor allem Osteuropa habe zu Beginn des Handels zu viele Rechte erhalten. Auch die deutsche Stahlbranche erhalte weit mehr Rechte als sie benötige und profitiere daher – anders als öffentlich dargestellt – vom EU-Handelssystem.

Bundeskanzlerin Merkel hat die dringend nötige Reform des Emissionshandels wohl auf dem Plan, doch wolle sie „diese aber erst mit der Neufassung des deutschen Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG) nach der Bundestagswahl angehen“, schreibt das Handelsblatt weiter. Die deutsche Kanzlerin sehe demnach auch das schwächer als erwartete Wachstum in der EU als Hauptgrund für den Preisverfall der Emissionszertifikate.

Stellt sich mir die Frage, wie viele Beweise Wissenschaftler noch für den Klimawandel und dessen Ursachen liefern müssen, bis die Politik ihn endlich als real existierende Bedrohung unseres Planeten ansieht, seine Verursacher in die Verantwortung nimmt und global geschlossen und zielgerichtet aktiv wird: Handeln ist angesagt, liebe Frau Merkel! Jetzt! Sonst klappt’s vielleicht nicht mit der Wiederwahl! 

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Foto: Doreen Brumme