Ertragsbezogene Förderung von Solarthermie gilt als Alternative zur derzeit quadratmeterbezogenen. Doch was bedeutet es eigentlich, den Ertrag der Solarthermie-Anlage zu fördern – und nicht ihre in Quadratmetern messbare Fläche? 

Im ersten Teil unserer neuen Artikel-Serie zur ertragsbezogenen Förderung von Solarthermie habe ich versprochen, als Nächstes zu erklären, was ertragsbezogene Förderung bedeutet. Und aufzuzeigen, warum sie sich sehr wohl als Alternative zur flächenbezogenen Förderung, wie sie aktuell betrieben wird, eignet.

Soll der Förderung einer Solarthermie-Anlage ihr Energieertrag zugrunde gelegt werden, muss dieser bestimmt werden können. Das Instrument zum Messen des Ertrags ist bereits vorhanden: Mit der 2011 von ESTIF etablierten Solar Keymark lässt sich eine Solarthermie-Anlage schon heute nach den Energieerträgen ihrer Kollektormodule bewerten.

Die Solar Keymark ist dabei nichts anderes als ein praktisches Werkzeug, genauer: ein Excel-Tool, also eine automatisierte Tabelle basierend auf dem Tabellenkalkulations-Programm Excel von Microsoft, das zu den Office-Programmen zählt. Die Solar Keymark als solche wurde von Wissenschaftlern entwickelt und von Experten gecheckt, die zum Beispiel in Normungsgremien sitzen oder an europäischen Solar-Instituten.

Mit der Solar Keymark lässt sich die Leistungsfähigkeit verschiedener Kollektortypen fair und nachvollziehbar vergleichen. Denn die zu vergleichenden Kennziffern der Kollektoren sind ausschließlich die, die im Rahmen der Kollektortests gemäß der europäischen Norm EN 12975 ermittelt werden. Dazu zählt beispielsweise der jährliche Bruttowärmeertrag des Kollektormoduls bei gleichzeitig festgelegten und konstanten Betriebstemperaturen an ausgewählten Standorten. Auf dem Datenblatt 2 der Solar Keymark wird für das Kollektormodul der Bruttowärmeertrag ausgewiesen, den es erbringt, wenn die Betriebsbedingungen variieren (Datenbank DIN CERTCO). Aus den aufs Modul bezogenen Bruttowärmeerträgen lässt sich, falls gewünscht, ein spezifischer Ertrag ermitteln, wenn man die Bruttofläche zur Berechnung heranzieht.

Ertragsbezogene Förderung der Solarthermie-Anlage

Und wie kommt man damit auf eine ertragsbezogene Förderung? Indem man, so sagen die Experten, für jede Kilowattstunde Bruttowärmeertrag eine einheitliche Vergütung, zum Beispiel 0,05 Euro, an Förderung auszahlt. Damit würde die Leistungsfähigkeit des Kollektors bei der Förderung berücksichtigt werden, denn ein sehr einträglicher Kollektor bekäme somit pro Quadratmeter eine höhere Förderung als ein weniger einträglicher.

Beispielrechnungen könnten so aussehen:

Beispiele der Ermittlung des spezifischen Ertrags für einige ausgewählte Kollektortypen am Standort Würzburg bei 50°C:

Beispielrechnung_Ertragsbezogene Förderung_1

Beispielrechnung für eine Förderung über 10 Jahre mit je 5 Cent pro kWh:

Beispielrechnung_Ertragsbezogene Förderung_2

Damit eine solche ertragsbezogene Förderung auch funktionieren kann, sollten den Befürwortern zufolge gleichzeitig die Anforderungen an Mindestkollektorflächen und Mindestspeichervolumina wegfallen, die derzeit bestehen. Ebenso die Forderung nach größeren, vorgeschriebenen Mindestspeichervolumina für Vakuum-Röhrenkollektoren von 50 Litern pro Quadratmeter. Zudem sollten Warmwasser-Solaranlagen wieder förderungsfähig sein. Darüber hinaus sollte ein auf das Wärmeträgermedium abgestimmter Wärmemengenzähler mit Volumenstromsensor und Messung in Vor- und Rücklauf zum Speicher Vorschrift sein. Der ermögliche dem Verbraucher nämlich die Kontrolle darüber, ob die bei der Anlagenkonzeption ermittelten Ertragswerte auch tatsächlich erreicht würden. Zu guter Letzt befürworten die Anhänger der ertragsbezogenen Förderung deren degressiven Ansatz, um Klarheit und Berechenbarkeit für die nächsten Jahre zu bekommen. Vorgeschlagen wird ein Wert von minus 10 Prozent pro Jahr. Es gibt jedoch noch weitere Ideen, wie eine ertragsbezogene Förderung aussehen könnte. Dass eine Änderung dringend nötig ist, ist nämlich schon lange klar.

Deckungsgradbezogene Förderung der Solarthermie-Anlage

Prof. Dipl.-Ing. Timo Leukefeld hat im kürzlich geführten Interview vorgeschlagen, der ertragsbezogenen Förderung die solare Deckungsrate zugrunde zu legen (ausführlich hier nachzulesen). „Eine ertragsbezogene Förderung auf die kWh/m²a bezogen“ halte Leukefeld demnach „nicht für sinnvoll, da mit steigendem solaren Deckungsgrad der spezifische Solarertrag in allen Systemen stark abnimmt und somit wieder nur kleinere Anlagen mit geringeren solaren Deckungsraten gefördert werden, die nur eine kleinere Umweltentlastung bringen und eine geringere Unabhängigkeit“. Ich orte hier ein Missverständnis der ertragsbezogenen Förderung, da es bei oben genannter Vorgehensweise nicht zu einem sinken des spezifischen Ertrages kommt. Dieses Problem tritt erst auf, wenn Simulationsprogramme zum Einsatz kommen. Ein Einwand, der zu dieser Art der Förderung eingebracht wurde, ist dass diese Art der Förderung nur mit Einreichung von Einzelsimulationen möglich sein wird und es Sachbearbeiter in den Büros der Förderstellen wohl schwer möglich sein wird, die Simulationsprogramme, die den solaren Deckungsgrad berechnen können, auf Plausibilität zu prüfen. Die Frage wäre also, ob es auch eine Möglichkeit gibt die Werte aus der Solar Keymark für eine deckungsgradbezogene Förderung zu nützen, damit auch der Entbürokratisierung der Förderungen Rechnung getragen werden kann? Das würde mich interessieren.

Die Diskussion ist eröffnet! Was denkt ihr über die ertragsbezogene und deckungsgradbezogene Förderung und wie könnte man ein einfaches unbürokratisches System schaffen, dass den riesigen Technologieunterschieden im Solarthermiebereich gerecht wird?

Disclaimer
Herausgeber dieses Blogs ist die Ritter Gruppe, Hersteller von Hochleistungskollektoren und Ideengeber für die oben beschriebene Förderform. Die Vorschläge sollen vor allem dazu dienen, eine ernsthafte und transparente Diskussion über eine neue Solarthermieförderung zu führen und intransparente Gesetzgebung wie es in der Vergangenheit der Fall war, verhindern. 

Foto: andrey-fo / photocase.de (Titel), Ritter Gruppe (Grafiken, 2)