Sucht Ihr noch spannende Lektüre für den Sonnentag am See? Hier kommt ein Lesetipp! Eine neue Solarthermie-Studie ist gerade herausgekommen: „Solare Wärmenetze für Baden-Württemberg. Grundlagen. Potenziale. Strategien.“. Sie beleuchte „die Möglichkeiten und Erfordernisse einer vermehrten Nutzung solarer Wärmenetze in Baden-Württemberg“. Die Studie analysiere dazu „die bestehenden technischen und wirtschaftlichen sowie rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen“, ermittle Potenziale und zeige darauf basierend „konkrete Strategien und Handlungsempfehlungen für eine verstärkte Ausbaudynamik und Markteinführung dieser Technologie auf“, schreibt die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH in der entsprechenden Pressemeldung. Und das Ganze vor dem Hintergrund des Integrierten Energie- und Klimaschutzkonzepts (IEKK) der Landesregierung Baden-Württemberg. Grund genug, sich die Studie mal näher anzuschauen, oder? 

Das Wichtigste vorweg: Wer sich die Solarthermie-Studie Wort für Wort zu Gemüte führen möchte, kann sie hier mit einem Mausklick herunterladen. Wer sie zum Lesen gerne auf Papier gedruckt in den Händen hätte, kann sich eine gedruckte Ausgabe kaufen: Für 25 Euro beim AGFW, Der Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK e. V., Stresemannallee 30, 60596 Frankfurt am Main.

Die Ausgangslage: Solarthermie hat längst nicht ausgeschöpftes Potential

Wer sich mit der Materie wie wir hier auf dem Blog beschäftigt weiß, dass der Anteil erneuerbarer Energien in der Wärmeversorgung – anders als im Stromsektor – derzeit bei nur etwa elf Prozent liegt. Er ist somit nur etwa halb so groß wie im Strombereich. Doch nicht nur der geringe Anteil an sich ist problematisch. Auch die Art der Energieträger im Wärmemarkt bedarf einer Umstrukturierung: Mehr als 90 Prozent der erneuerbaren Wärme stammt aus der Energiequelle Biomasse. Die Hälfte davon werde, so heißt es in der Studie, in Kleinanlagen wie Kaminöfen mit geringen Wirkungsgraden und hohen Schadgasemissionen verbrannt. Zudem komme demnach, dass die Biomasse auf lange Sicht aufgrund von Nutzungskonkurrenzen nur einen begrenzten Beitrag leisten könne. Und tiefe Geothermie sei auch nur an geeigneten Standorten nutzbar.

Solarthermie als Wärmequelle – und da schreibe ich an dieser Stelle nicht mehr und nicht weniger und verweise lediglich auf den Batzen Wissen in unseren Blogartikeln – ist absolut unterschätzt und unterrepräsentiert.

Ansatzpunkte, um der Solarthermie in Baden-Württemberg auf die Dächer zu helfen

Doch laut der Studie gibt es eine ganze Reihe Schräubchen, die man drehen könne, um der Solarthermie (nach dänischem Vorbild) insbesondere über Großanlagen zu dem ihr gebührenden Platz als Wärmelieferant für Nah- und Fernwärmenetze in Baden-Württemberg zu verhelfen.

Dazu zählt der rechtlich-politische Rahmen, den solarthermische Nah- und Fernwärmeprojekte brauchen. Er umfasse laut Studie den Rechtsrahmen

  • für die klassische leitungsgebundene Wärmeversorgung
  • und für die Errichtung solarthermischer Großanlagen.

Die Studie zeige jedoch, so heißt es in der Kurzfassung derselben, „dass beim derzeit bestehenden Rechtsrahmen (EnEV, EEWärmeG, KWKG und EWärmeG Baden-Württemberg) kein wirksamer Treiber die Integration erneuerbarer Wärme wie der Solarthermie in die leitungsgebundene Wärmeversorgung effektiv fördere. Lediglich die Investitionsförderung durch die Förderprogramme des Bundes und des Landes Baden-Württemberg seien demnach als Treiber zu nennen.

Das kann Baden-Württemberg sofort für mehr solare Nah- und Fernwärme tun

Die Autoren der Studie empfehlen deshalb: „Um die Markteinführung der solaren Nah- und Fernwärme einzuleiten, wäre es daher sinnvoll, auch den rechtlichen Rahmen weiterzuentwickeln.“ Als dessen Kernelemente seien „die Effizienztechnologie KWK und die Wärmebereitstellung aus erneuerbaren Energien möglichst harmonisch in ein Gesamtsystem zu integrieren (in dem die Vorzüge beider Technologien zur Geltung kommen) sowie mittelfristig steigende Anteile erneuerbarer Wärme auch im Fernwärmebereich zu ermöglichen“.

Doch auch auf landespolitischer Ebene und auf der Ebene des kommunalen Planungsrechts ließe sich demnach der Rechtsrahmen durchaus noch weiterentwickeln und optimieren, um so vor Ort die Umsetzung von Solarthermie-Projekten zu fördern. Zum Beispiel könnte man die baden-württembergischen Kommunen in ihren Handlungsoptionen stärken. Und zwar so, dass sie dank einer entsprechenden landesrechtlichen Kompetenzzuweisung im Bauplanungsrecht und im EWärmeG Baden-Württemberg solare Nah- und Fernwärme-Projekte stärker berücksichtigen könnten. Darüber hinaus, so die Verfasser der Studie, sollte auch ein veränderter Rahmen für die Beteiligung der Bürger entwickelt werden. Und dabei ginge es

  • einerseits um die Schaffung beziehungsweise Erhöhung der Akzeptanz für neue Infrastrukturprojekte in der Bevölkerung
  • und andererseits um die konkrete finanzielle Beteiligung der Bürger an Projekten der Energiewende.

Die Verfasser der Studie weisen ausdrücklich darauf hin, dass “ auch aus rein wirtschaftlichen Gründen … die Mobilisierung privaten Kapitals vorteilhaft sein“ könne.

Nun, da sind doch konkrete Ansatzpunkte für die politischen und wirtschaftlichen Entscheider in Baden-Württemberg.

Welche Hemmnisse müssen die Baden-Württemberger beseitigen, um Solarthermie adäquat in Nah- und Fernwärmenetze einzuspeisen?

Als die Solarthermie hemmende Faktoren stellt die Studie die beiden als bedeutend heraus:

  • fehlende Kenntnisse bzw. mangelndes Vertrauen in Bezug auf die solare Wärmeerzeugung seitens der Wärmeversorger
  • Verfügbarkeit geeigneter Flächen

Technische Hemmnisse würden dagegen in nur wenigen Fällen gesehen.

Konkrete Handlungsempfehlungen für mehr Solarthermie in Baden-Württemberg

Auf Grundlage der eingangs angeführten Analysen kommen die Studienverfasser zu folgenden konkreten Handlungsempfehlungen:

  • Projektanbahnung neuer Wärmenetze mit einem Anteil solarthermischer Erzeugung
  • Projektanbahnung für die Integration von Solarthermie in bestehende Wärmenetze
  • Informations- und Beratungsaktivitäten
  • Stärkung der Bürgerbeteiligung
  • Entwicklung von Geschäftsmodellen für solare Wärmelieferung
  • Verbesserung des Rechts- und Förderrahmens für solare Nah- und Fernwärme

Wer hinter der Studie steckt

Die knapp 200 Seiten umfassende Studie wurde im Rahmen des Projekts „SolnetBW“ erstellt. Daran beteiligen sich das Steinbeis Forschungsinstitut für solare und zukunftsfähige thermische Energiesysteme (Solites) als Koordinator, die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg, das Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung der Universität Stuttgart (IER), das Hamburg Institut Research (HIR) und der AGFW Energie-effizienzverband für Wärme, Kälte und KWK.

Nach dem, was ich in der Studie „Solare Wärmenetze für Baden-Württemberg. Grundlagen. Potenziale. Strategien.“ gelesen habe, behaupte ich an dieser Stelle mal frisch, frech und frei: Ein Großteil des Inhalts passt auch auf andere Regionen, Bundesländer, Länder. Und in diesem Sinne empfehle ich die Lektüre nicht nur den Baden-Württembergern sondern auch den Hessen, Hamburgern, Bayern, Sachsen und und und …

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