Gutes Beispiel soll Schule machen, heißt es. Und daher greife ich mir heute die Stadt Neumarkt mit ihren knapp 40.000 Einwohnern als ein Beispiel dafür heraus, wie Kommunen das nachhaltige Bemühen ihrer Bauherren würdigen können. Das Neumarkt, um das es mir geht, liegt in der bayerischen Oberpfalz. Es verleiht seit 2011 „Grüne Hausnummern“ an Bauherren, die bei Neubau beziehungsweise Sanierung auf nachhaltige und umweltfreundliche Umsetzung, zum Beispiel Wärmeerzeugung mittels Solarthermie, geachtet und die Kriterien dafür erfüllt haben.

Mit der „Grünen Hausnummer“ würdigt die oberpfälzische Stadt Neumarkt Bauherren und deren Bemühen um eine energetische sowie klima- und rohstoffschonende Bauweise beim Neubau oder im Sanierungsfall. Dieser Tage verlieh Marion Burkhardt vom Neumarkter Amt für Nachhaltigkeitsförderung, Fachstelle nachhaltiges Bauen und Sanieren, gemeinsam mit dem Klimaschutzmanager Hidir Altinok an sechs Hausbesitzer „Grüne Hausnummern“.

Über die „Grüne Hausnummer“ – ein kommunales Gütesiegel für nachhaltiges Bauen

Die „Grüne Hausnummer“ sei laut der Pressemeldung anlässlich der Verleihung derselben für das Jahr 2016 „ein Baustein der Bemühungen der Stadt im Bereich Nachhaltigkeit und Klimaschutz“. Erstmals habe die Stadt im Jahr 2011 „Grüne Hausnummern“ an Eigentümer nachhaltig und umweltfreundlich gebauter und betriebener Gebäude verliehen. Für ihr grünes Engagement bekämen die öffentlich Ausgezeichneten neben der „Grünen Hausnummer“ auch eine Urkunde. Bislang seien 44 Gebäude ausgezeichnet worden.

Was wird wie bewertet?

Die Bewertung erfolge nach einem in verschiedene Bereiche unterteilten, strengen Punktesystem. Ab einer Gesamtzahl von 100 von insgesamt 200 möglichen Punkten erhielten Bewerber demnach das Gütesiegel „Vorbildliches Umwelthaus“, sprich: die „Grüne Hausnummer“. In die Bewertung würden laut der Stadt unter anderem

  • die energetische Qualität von Gebäuden,
  • die Baustoffwahl,
  • das Thema „Bauen mit der Sonne“,
  • der Umgang mit Wasser
  • sowie Begrünung und Garten

einfließen. Eine Sonderbewertung könnten zudem Betriebe und Schulen geltend machen, Gebäude also, die nicht dem Wohnen dienten, sofern hier Umweltaspekte Berücksichtigung fänden.

Über eine Punkteliste könnten sich die Bewerber selbst bewerten. Mit entsprechenden Unterlagen müssten sie ihre Angaben belegen. Diese würden dann auf Richtigkeit und Einhaltung der Kriterien überprüft. Die Teilnahme sei kostenlos. Es bestehe kein Rechtsanspruch auf die Zuteilung einer „Grünen Hausnummer“. Die Stadt Neumarkt sei zudem berechtigt, Name, Adresse und Bilder der Ausgezeichneten zu veröffentlichen.

Die jährlich verliehenen „Grünen Hausnummern“ sollen unterstreichen, dass sich die Gebäudeeigentümer der Verantwortung für die Zukunft stellen.

Wer kann sich wie um eine „Grüne Hausnummer“ bewerben?

Laut Aussage der Stadt könne sich jeder Hauseigentümer der Stadt Neumarkt jederzeit bei der Stadt um eine „Grüne Hausnummer“ bewerben. Jährlich zum 30. Juli (jährlicher Bewerbungsschluss) würden die Bewerbungen für die Verleihung gesichtet.

Mehr Infos finden Interessierte in der Info-Broschüre zur „Grünen Hausnummer“.

Wer bekam 2016 die „Grünen Hausnummern“ und wofür?

In diesem Jahr gingen die Auszeichnungen an die Neumarkter Familien Seibold, Daume, Kühnlein, Kaufhold, Ellert und Niedermayer. Marion Burkhardt lobte die Bauherren bei der Verleihung des Gütesiegels für ihr Bemühen, dass auch Ausdruck dessen sei, dass sie sich verantwortungsvoll und zukunftsorientiert verhalten hätten.

Marion Burkhardt sagte: „Seit über zehn Jahren ist Klimaschutz ein wichtiges Thema der Stadtentwicklung.“ Wobei darauf Wert gelegt würde, dass es sich hierbei nicht um einen verwaltungsinternen Prozess handele. Erfolgreicher Klimaschutz brauche vielmehr Akteure: Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Auch Bürger könnten demnach mit ihren Baumaßnahmen aktiv Klimaschutz betreiben. Daher habe die Stadt Neumarkt i.d.OPf. mit dem Förderprogramm „Faktor 10 für energetisches Bauen und Sanieren“ seit Beginn 2010 auch diesen Bereich in besonderem Maße gefördert. Seither seien über 309 Sanierungs- und Neubauprojekte im Stadtgebiet mit einer Höhe von 1,2 Millionen Euro aus diesem Förderprogramm der Stadt unterstützt worden. Denn gerade beim Bauen habe man auch als Einzelner die Möglichkeit, entsprechend auf die Schonung von Ressourcen und auf energiesparende Maßnahmen zu setzen. Letztlich seien es das Bauen und das Wohnen, die neben dem Autoverkehr und der Industrie als die größten Umweltbelastungen angesehen würden. Die Herstellung der Baustoffe, der Transport und auch die Erstellung der Bauwerke verbrauche Rohstoffe und Energie.

Die Grünen Hausnummern 2016

Folgende Gebäudeeigentümer hatten sich in 2016 mit ihrem Gebäude beworben und erhielten jetzt das Gütesiegel „Grüne Hausnummer“ dafür:

Objekt: Neubau eines Einfamilienhauses kfw 70 (Familie Seibold, Schwester-Concordia-Str. 5)

  • Massivgebäude Baujahr 2012 in Leichtbeton mit Wärmedämmung aus PS
  • Wärmepumpe mit Photovoltaik > 4000 kWh/a
  • Endenergieverbrauch 19,6 kWh/(m²/a)
  • Stromverbrauch von 390 kWH/a
  • Gesamtpunktzahl: 143

Objekt: Sanierung eines Wohnhauses kfw  55 (Familie Daume, Kornstr. 53)

  • Massivgebäude mit Wärmedämmung aus PS
  • Pelletheizung mit Solarthermie zur Warmwasserbereitung
  • Zentrale Zu- und Abluft mit WRG
  • Nutzgarten und Gehölz
  • Endenergieverbrauch 48,5 kWh/(m²a)
  • Gesamtpunktzahl: 121

Objekt: Neubau eines Einfamilienhauses (Familie Kühnlein, Prof.-Ott-Str.14)

  • Massivgebäude Baujahr 2012 in Massivholz mit Wärmedämmung aus Holzfaser
  • Wärmepumpe mit Erdwärme als Flächenkollektor
  • Endenergieverbrauch 47,21 kWh/(m²a)
  • Stromverbrauch geringer 680 kWH/a je Person
  • Massivholz für Fenster, Türen und Böden
  • alle Oberflächen in Massivholz natur, geölt o. gewachst
  • Weiterverwendung der Wandausschnitte für die Möbel
  • Naturbelassender Garten Wiesmahd 1 -2 x im Jahr
  • mit Nutzgarten und Tierhaltung
  • Gesamtpunktzahl: 193

Objekt: Umbau und Sanierung eines Wohnhauses kfw 70 (Familie Kaufhold, Weinbergerstr. 67)

  • Massivgebäude Baujahr 1965 mit Erweiterung in Holzbauweise
  • Wärmedämmung in Zellulose und Holzfaser
  • Massivholz für Fenster und Böden
  • Innenflächen in Lehm- und Kalkputz
  • Beläge in Holz o. Kalkstein
  • Holzoberflächen geölt oder gewachst
  • Solarthermie zur Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung mit Scheitholzofen
  • Heizenergiebedarf 59,8 kWh/(m²a)
  • Bäume wurden zum Teil erhalten
  • Gesamtpunktzahl: 158

Objekt: Neubau eines Wohnhauses kfw 55 (Familie Ellert, Zur Kapelle 10)

  • Holzständergebäude Baujahr 2014 mit Wärmedämmung in Zellulose und Holzspan mit Lehm und Holzfassade
  • Innenoberflächen in Lehmputz mit Wandheizung
  • Massivholz für Böden, Türen, Treppe und Fenster
  • Holzpellet mit Solarthermie
  • Heizenergieverbrauch 38,8 kWh/(m²a)
  • Verwendung von Kalksteinfindlingen für die Außenanlagen
  • Nutzgarten und Artenschutz, Obstbäume
  • Gesamtpunktzahl: 189

Objekt: Umbau und Sanierung eines Wohnhauses kfw 85 (Familie Niedermayer, Eichenstr. 6)

  • Massivgebäude mit Wärmedämmung
  • Wärmedämmung in Zellulose und Holzfaser
  • Innenflächen in Lehm- und Kalkputz, Holz-Lehm-Böden,
  • Holzoberflächen geölt oder gewachst
  • Solarthermie zur Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung mit Pelletofen
  • Heizenergiebedarf 67,9 kWh/(m²/a)
  • Bäume auf dem Grundstück wurden erhalten
  • Gesamtpunktzahl: 169

Ist es euch aufgefallen? Vier der sechs frisch gekürten „Grünen Hausnummern“ nutzen Solarthermie zur Warmwasserbereitung und / oder Heizungsunterstützung!

Zum Weiterlesen über die Stadt Neumarkt i.d.OPf., die u.a.

  • 2012 den „Climate Star 2012“ des „Klima-Bündnis der europäischen Städte mit indigenen Völkern der Regenwälder e.V.“ erhielt
  • 2012 als erste Stadt Deutschlands den Titel „Stadt der Weltdekade“ von der UNESCO zum vierten Mal verliehen bekam
  • 2012 den „Deutschen Nachhaltigkeitspreis“ bekam

Gesucht: Wo gibt es ähnliche kommunale Aktivitäten?

Ich finde, dass „Grüne Hausnummern“ eine feine Sache sind. Wer sein Gebäude damit schmücken darf, setzt ein Zeichen. Ein grünes Zeichen. Und davon bräuchte es noch viel mehr. Damit jeder beim Vorbeigehen am Gebäude aufmerksam wird. Und deshalb frage ich mal hier in die Runde: Kennt jemand ähnliche kommunale Gütesiegel wie die „Grünen Hausnummern“ aus Neumarkt i.d.OPf.? Dann schreibt uns doch bitte eure guten Beispiele als Kommentar unter diesen Beitrag! Sie sollen sich doch schließlich auch herumsprechen, oder?

Titelbild: Neumarkt i.d.OPf. (Infobroschüre Titelfoto)