Überzeugender kann man nicht für die Energiewende eintreten: Solarexperte Timo Leukefeld zieht bald selbst mit seiner Familie in ein energieautarkes Haus; Physiker und Solarunternehmer Stephan Riedel baut gleich nebenan. Am 8. Juli 2013 weihte Bundesminister Peter Altmaier feierlich die Solaranlagen der beiden Häuser ein, die am Stadtrand von Freiberg in Sachsen entstehen.

Das Konzept: Bezahlbar und tatsächlich energieautark

Das Konzept des Energieautarken Hauses wurde unter Leitung von Prof. Timo Leukefeld in Zusammenarbeit der HELMA Eigenheimbau AG Stephan Riedels MR SunStrom GmbH entwickelt – ein Konzept für ein tatsächlich energieautarkes und auch noch bezahlbares Wohnhaus. Mit 398.000 Euro für 161 m² Wohnfläche (schlüsselfertig, ohne Keller und Grundstück) und liegen die Baukosten etwas über denen eines herkömmlichen Einfamilienhauses, die Mehrkosten amortisieren sich jedoch innerhalb weniger Jahre durch die eingesparte Energie – und das, ohne dass eine Solarförderung in Anspruch genommen werden muss. Das Haus kann könnte ohne Anschluss an das Stromnetz auskommen. Ein Passivhaus würde wesentlich mehr kosten.

Die Eckdaten

Die energieautarken Häuser decken nach den Standards des Sonnenhaus-Instituts ihren Bedarf an Heizung und Warmwasser ganzjährig weitgehend über eine thermische Solaranlage; der Primärenergieverbrauch liegt mit 6 kWh pro Quadratmeter und Jahr etwa 90 Prozent unter dem von der Energie-Einsparverordnung (EnEV) 2009 definierten Energiestandard für Einfamilienhäuser. Der Strombedarf wird durch Photovoltaik gedeckt. Das Haus ist in Ziegel-Massivbauweise ohne zusätzliche Dämmung errichtet und die größere Seite des Pultdaches ist 45 Grad geneigt und mit insgesamt 104 m² Solaranlagen für Wärme und Strom bestückt.

Die Komponenten

Heizen mit Solarthermie

  • 46 m² Flachkollektoren zur Warmwasserbereitung und Heizung
  • 9 m³ Langzeitwärmespeicher (Wasser), 6,5 m hoch und 1,4 m im Durchmesser
  • solarer Deckungsgrad von über 65 Prozent
  • Kaminofen (Verbrauch: 2 bis 3 Festmeter Stückholz pro Jahr, jährliche Heizkosten: ca. 150 Euro)

Stromversorgung mit Photovoltaik

  • 58 m² Photovoltaikanlage (dachintegriert), Nennleistung 8,4 kWp, 45 Grad Dachneigung
  • Bleiakku, Speicherkapazität von 58 kWh (kann 10 – 15 Tage überbrücken)
  • Durchschnittsverbrauch 4-köpfige Familie: 2.000 kWh/a
  • Ladestation für Elektroauto

Möglich wird dieser gegenüber einem konventionellen Haushalt um 50 – 70 Prozent reduzierte Stromverbrauch durch ein intelligentes Stromkonzept: Unter anderem beziehen Waschmaschine und Geschirrspüler warmes Wasser aus der Solarthermieanlage. Und auch auf das Auto muss die Familie nicht verzichten – es wird mit Strom aus der Photovoltaikanlage betrieben und fährt damit zu 100 % erneuerbar.

Private Speicher als Puffermöglichkeit für Stadtwerke

Und damit nicht genug: Die Freiberger Bauherren Leukefeld und Riedel stellen den örtlichen Energieversorgern ihre Speicher zur Verfügung. Die Stadtwerke Freiberg können diese Zwei Energiversorger können die Strom- und Wärmespeicher eines der beiden Häuser von außen ansteuern und als Pufferspeicher zum Lastenausgleich nutzen, wenn mehr Energie aus Erneuerbaren Energien anfällt, als gerade verbraucht werden kann.

Nachtrag am 24.08.2013: Im Kommentar von Timo Leukefeld weiter unten könnt ihr es noch genauer nachlesen!

Außerdem finden sich viele Informationen und Fotos der verschiedenen Bauphasen im Bautagebuch: http://blog.timoleukefeld.de/blog/

 

Bundesumweltminister Peter Altmaier und Professor Timo Leukefeld - Einweihung der Solaranlage der beiden Energieautarken Häuser, Freiberg, Sachsen

Bundesumweltminister Peter Altmaier und Professor Timo Leukefeld – Einweihung der Solaranlage der beiden Energieautarken Häuser, Freiberg, Sachsen

Titelfoto: HELMA Eigenheimbau (Beispiel)

Foto Altmaier/Leukefeld: Timo Leukefeld