Doris Hammermüller: Der Verband für Solarthermie in Österreich Austria Solar hat eine neue Geschäftsführerin. Doris Hammermüller, die ehemalige Geschäftsführerin von AEE, einem renommierten österreichischen Forschungsinstitute mit solarthermischem Schwerpunkt. Uns Mädls von der Ecoquent-Redaktion freut es natürlich besonders, dass die Solarthermie eine weitere starke weibliche Stimme bekommt. Nichts für ungut liebe Herren, die Mischung macht’s aus und da gibt’s einfach Nachholbedarf. In diesem Interview beschreibt sie auch vortrefflich warum es noch nicht mehr von uns gibt. Aber es wird ja! Natürlich haben wir sie zum Interview geladen und fragen wie sie den österreichischen Laden aufmischen möchte.

Ecoquent-Positions: Wir sind in schwierigen Umbruchszeiten im Energiebereich und auch bei der Solarthermie. Was hat dich dazu bewogen diese doch herausfordernde Aufgabe anzunehmen?

Doris Hammermüller: Vielleicht gerade das! Als  Solaranlagenselbstbauerin und Solarheizerin der ersten Stunde kenne ich die Vorteile von Solarwärme „auf der eigenen Haut“! Als energiepolitisch engagierte Frau weiss ich, dass Solare Wärme jedenfalls einen 10-20% Anteil an unserer Wärmeversorgung ausmachen wird. Und als ehemalige AEElerIn weiss ich, dass fast alle österreichischen Firmen aus dem Selbstbau rausgewachsen sind.

Ich lebe seit 22 Jahren mit Solarwärme, hab eine der ersten Heizungsanlagen in NÖ gebaut und kenn meine Anlage in und auswendig. Und ich steh drauf! Ich weiss was möglich ist. Und ich find was möglich ist sollte auch getan werden. Ich bin ja keine Politikerin, ich kann auch unpopuläre Entscheidungen treffen.

Ecoquent-Positions: Was war dein Spezialgebiet bei der AEE?

Doris Hammermüller: Im Herzen bin ich Energieberaterin. Mir ist es wichtig bei jeder Anwendung die technisch und Anwendungsmäßige beste Energie – oder Einsparungsform zu finden. Ich hab aber auch sehr viel an strategischer und Konzeptarbeit für öffentliche Gebietskörperschaften gemacht. Die Leitung der Solakampagne NÖ „Lach dir die Sonne an und des k:a Programms „Holzwärme“ haben mir tiefe Einblicke in die Branchenspezifischen Entwicklungen ermöglicht.

Ecoquent-Positions: Wie siehst du die Chancen von Großanlagen und solarer Fernwärme in Österreich? Warum ist die Entwicklung so schleppend?

Doris Hammermüller: Solare Großanlagen sind eigentlich jetzt schon unser größtes Entwicklungspotential. Das steht auch so in allen strategischen Papieren. Es fehlen 2 Bausteine zur Umsetzung:

  • Vom Papier zur Praxis ist der Weg viel schwieriger als einfach ein gutes Papier zu erstellen. Auch das kenn ich aus den Gemeinden.Es müssen viele Köpfe Einsehen zeigen damit politisch wirksame Beschlüsse zustande kommen.
  • Da der Energieträger bei uns doch sehr oft nach recht kurzfristigen wirtschaftlichen Grundlagen gewählt wird müssen diese verändert werden. Eine ökologische Steuerreform ist seit 20 Jahren bei allen ExpertInnen das anerkannte Mittel um eine langfristig wirksame strategische Steuerung des Energieeinsatzes zu erreichen. Es gibt zwar Förderprogramme, aber die setzen in dieser Form keine langfristig wirksamen Zeichen.
  • Innerhalb der Solarwärmebranche haben sich noch zu wenige starke Anbieter für diesen Bereich herausgebildet. Auch dadurch ist der politische Druck nicht so stark wie er sein sollte.

Ecoquent-Positions: Braucht es ein WärmeEEG und einen Wärmefahrplan für Österreich bzw. wird so etwas vielleicht bereits diskutiert?

Doris Hammermüller: Wie gesagt meine Überzeugung ist ein wirksames Instrument für das gesamte also die Ökosoziale Steuerreform oder CO2 Steuer – vielleicht mit einigen Anschubförderungen für neue Technologien könnte den größten Brocken auf einen Schlag erledigen. Wir würden uns ganz viel vom teilweise undurchsichtigen Förderdschungel ersparen.

Und ein Wärme EEG – Ich denke einen strategischen Entwicklungsplan – also so was wie eine Roadmap ist sehr wichtig, damit die Politik und die Wirtschaft Hand in Hand gehen können.

Ecoquent-Positions: Es wird immer deutlicher, dass Solarheizungen eines der wichtigsten Felder für die Solarthermie werden und Warmwasserbereiter von anderen erneuerbaren Energieträgern ersetzt werden. Ist die Branche darauf vorbereitet?

Doris Hammermüller: Es stimmt, dass es wichtig ist, die großen Solarwärmeanlagen zunehmend in den Markt zu bringen. Im Solarheizungsbereich können wir auf 20 Jahre Erfahrung aufbauen, die wir für die anstehende Ausweitung der Solarflächen nutzen sollten.

Ecoquent-Positions: Wie entwickelt sich das Thema Sonnenhaus und eine Forcierung hoher solarer Deckungsgrade in Österreich?

Doris Hammermüller: Mir persönlich geht die Umsetzung intelligenter Lösungen nie schnell genug! Gerade das Sonnenhaus und die Bauteilaktivierung sind Systeme, die schon heute, und noch verstärkt in Zukunft, die umfassende Nutzung der emissionsfreien und kostenlosen Solarwärme ermöglichen werden. Gleichzeitig muss aber bei Innovationen auch immer sichergestellt werden, dass  die Kinderkrankheiten rechtzeitig erkannt und behoben werden bevor ein Produkt in den breiten Markt geht.

Ecoquent-Positions: Könntest du dir vorstellen, dass auch die Fernwärme Wien Systeme wie die Hamburger EonHanse Wärme zulässt, also eine Direkteinspeisung der Wärme durch andere Dacheigentümer?

Doris Hammermüller: Alles ist veränderbar. In unserer Zeit wird alles immer mehr eine Frage der Kosten. In Wien gab es schon 1990 ein Wohnprojekt, welches das mit der Stadt verhandelt und letztendlich auch erreicht hat Solarwärme in den Rücklauf der Fernwärme einzuspeisen.

Ecoquent-Positions: Was werden die Schwerpunkte deiner Arbeit sein, wofür möchtest du dich besonders einsetzen?

Doris Hammermüller: Am wichtigsten ist es mir die Solarwärme sowohl politisch als auch in ihren Einsatzbereichen im Wohnbau und in der Nah- und Prozesswärme rasch wieder an den richtigen Platz zu stellen. Auch wenn einige der früheren Solarwärmemärkte heute mit anderen Erneuerbaren Technologien geteilt werden, so ist doch die hohe Leistung von 500W/m2 ein wichtiges Indiz dafür, dass Solarwärme eine immer größere Rolle in der Wärmeversorgung, zunehmend auch bei Großanlagen spielen wird. Außerdem finde ich, dass die Zuverlässigkeit von Solarwärmeanlagen sich rasch auch in neuen, innovativen Produkten wie standardisierten Plug and Play Anlagen z.B. in Kombination mit moderner Biomasse für Ein- und Zweifamilienhaus vereinen sollte.

Bild: Doris Hammermüller M.A. (c) Renate Fuchs