Online kann jeder heute seine Meinung kundtun. Klar, dass das Internet auch Politik macht. E-Petitionen sind zuhauf im Netz zu finden, auch zum Thema Energiewende werden digitale Unterschriften gesammelt. Warum E-Demokratie mir wichtig ist, diskutiere ich hier.

Bürger Doreen Brumme: Als „Digital Native“ im Netz unterwegs

Als ich Ende Januar nur 135 Minuten nach der Geburt meines Sohnes meinen Freunden eben diese auf Facebook kundtat, nannte mich einer von ihnen „Digital Native“. Ganz nebenbei, die Meldung wäre noch viel eher online gewesen, wenn es nach mir und nicht dem schlechten Netzempfang im Kreißsaal gegangen wäre. Aber ich? Ein „digitaler Eingeborener beziehungsweise Einheimischer“ – trotz Jahrgang 1971?

Theoretisch wäre ich meinem Alter und dem Computerzeitalter nach wohl eher ein „Digital Immigrant“, also ein „digitaler Einwanderer“, doch mein digitaler Lebensweg über sieben Jahre in der Redaktion ComputerBild (Sie wissen schon: Klicken Sie hier, klicken Sie da! – hartes und weiches Computerwissen immer Schritt für Schritt erklärt) bis hin zur Freien Online-Journalistin und Bloggerin machen das wohl wett. Sozusagen gelingt mir dank meiner Anhäufung an Erfahrungen (Quantität) in Sachen Computer & Co. der Wechsel des Status quo (Qualität) – um es mal didaktisch auszudrücken.

Wie auch immer, ich gebe zu, ich fühle mich im Netz zuhause. Ich bin nahezu jeden Morgen schon mit einem Auge drin, während ich noch im Bett liege. Das ist sozusagen mein persönliches Morgenritual: Andere schlürfen ihren Kaffee, ziehen an einer Zigarette (bitte lasst das!) oder lauschen dem Radiowecker. Ich checke meine E-Mails und meinen Facebook-Account auf meinem Smartphone und lese dann die News, die Google liefert.

Online-Petition zur Energiewende – Volkes Stimme per Mausklick sammeln

Immer häufiger finde ich Aufforderungen in meiner Post, diese oder jene Sache zu unterstützen und meine Unterschrift unter eine sogenannte Online-Petition zu setzen. Mal geht es um das Los trotz Menschenhand unmenschlich behandelter und in Massenhaft gehaltener Hühner, mal um das Schicksal selbständig arbeitender Hebammen und deren Versicherungspolicen – um nur zwei Beispiele zu nennen, die ich gerade unterzeichnet habe. Mal entspricht meine Stimme einem Pro, mal einem Contra.

Heute Morgen ging es in einer Online-Petition um die Energiewende und darum, dass ich mit meiner digitalen Signatur verhindern könnte, dass Sigmar Gabriel diese absägt. Als im Netz gefühlt wie daheim bin ich auf mehreren Internet-Seiten, die als Plattform für Petenten dienen, die via Internet ihre Petitionen, also Bittschriften, Ersuchen oder Beschwerden, öffentlich machen, unterzeichnen lassen und einreichen können, registriertes Mitglied – das spart Zeit und Klicks. Eine, Campact!de, deren Leitspruch „Demokratie in Aktion“ ist, lud mich dazu ein (siehe Screenshot).

Online-Petition

Selbstverständlich habe ich unterzeichnet, sprich: unterklickt. Nicht ohne jedoch den entsprechenden Petitionstext gelesen zu haben. Ein Must-do, das ich jedem wärmstens ans Herz lege – schwarze Schafe gibt’s schließlich überall.

Ich bin zum Beispiel wie 1,5 Millionen deutsche Mitbürger auch beim Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages registriert. Laut heute.de werden dort „nahezu 40 Prozent der Petitionen online eingereicht. Erreicht ein Anliegen mindestens 50.000 Unterstützer, wird der Petitionsausschuss des Bundestages sich aller Wahrscheinlichkeit nach damit beschäftigen.“

E-Petition = E-Demokratie?

Warum ich unterzeichnete? Weil ich glaube, dass solche Online-Petitionen, kurz: E-Petitionen,  durchaus eine Möglichkeit sind, an aktueller Politik teilzuhaben. Dass sie mir die Chance eröffnen, meine Stimme in mehr als nur die Wahlurne zur Bundestagswahl zu werfen. Mit meiner Unterschrift bekunde ich meinen Willen, mein 80-Millionstel+ an Deutschlands Volkes Willen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ich will die Energiewende!

Wer meint, die Willensbekundung sei nur mehr eine Art Kundenbewertung, sieht nicht weit genug. Und sie nur als öffentlich geäußerte Empörung oder als Abbild momentaner Laune zu bewerten, ist eine Unterschätzung meines Willens. Sicher ist eine Online-Petition das, solange es beim Sammeln von Klickstimmen Für oder Wider etwas bleibt. Doch wenn die Initiatoren einer Petition diese letztendlich auch an den Mann, sprich: den Politiker bringen und Volkes Wille Einfluss auf politische Entscheider und ihre Entscheidungen nimmt, quasi diese zu meiner Entscheidung macht, dann ist die Petition meine teilweise Mitbestimmung an der Energiepolitik Deutschlands (Stichwort: Bürgerbeteiligung), also gelebte Demokratie. Und das jeden Tag aufs Neue! Ich sehe sie als Teil meines politischen Seins, das mich auch auf das Blog hier treibt, um mit meinen Mitteln, also Worten, Infos in die politische Debatte um die ausstehende Energiewende zu tragen.

Das Web 2.0. macht mir solche Demokratie 2.0 oder E-Demokratie erst möglich. Je weniger Klicks, je komfortabler die Eingabemaske (optimale Usability ist ein Muss!) und je hehrer der Inhalt einer Petition, desto eher bin ich bereit, meine Unterschrift zu leisten.

Geschäftssache Online-Petition

Allerdings muss hier auch geschrieben werden, dass das Netz zumindest aus meiner Sicht zurzeit mit Online-Petitionen überschwemmt wird. Nicht zuletzt, weil sie, wie die Kollegen von heute.de schreiben, auch ein Geschäft seien. Einnahmen gäbe es demnach „unter anderem, wenn Nutzer eigene Initiativen bewerben wollen. Paula Hannemann, Leiterin der Online-Plattform change.org in Deutschland, spricht von ‚Social Business‘. Change.org beschäftigt 180 Mitarbeiter in aller Welt, Hannemann sagt, die Plattform arbeite kostendeckend. Monatlich werden in Deutschland bei change.org 390 neue Petitionen eingestellt, etwa viermal so viele wie ein Jahr zuvor. Weltweit sind es 25.000 pro Monat.“

Fotos: mschmidt / photocase.com (Titel), Campact.de (Screenshot)