Ich starte mit diesem Beitrag eine kleine Ratgeber-Serie zum Thema „Richtig Heizen, Raumtemperatur und behagliche Wärme“. Im ersten Beitrag stelle ich euch drei aktuelle wissenschaftliche Studien vor, die sich um die Raumtemperatur drehen und aufzeigen, welche Wirkung sie auf Herz, Gewicht und Harndrang hat. Seid gespannt!

Richtig Heizen fürs Herz

Raumtemperatur und Blutdruck: Kühle Räume lassen den Blutdruck steigen – das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall wächst

Laut einer Studie von Dr. Keigo Saeki von der medizinischen Universität Nara in Japan und seinem Forscherteam, auf die die Ärztezeitung Anfang 2015 aufmerksam machte, berge ein zu kalter Schlafraum die Gefahr, dass die kalte Raumtemperatur den Blutdruck darin schlafender Personen in die Höhe treibe und damit ihr Risiko erhöhe, kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleben – und womöglich nicht zu überleben. Wer ständig fröstele, habe der Ärztezeitung zufolge auch ein erhöhtes Sterberisiko. Man wisse wohl schon länger, dass im Winter mehr Menschen an Herzinfarkt und Schlaganfall sterben, als in wärmeren Jahreszeiten..

Die eigentliche Gefahr komme der japanischen Studie zufolge am Morgen auf, wenn man aufstehe. In dieser Phase steige der Blutdruck jedes Menschen, bei älteren Personen mit eh schon hohem Blutdruck steige er dann noch stärker als bei gesunden, jungen Menschen. Studienautor Saeki erklärte den höheren Blutdruckanstieg im kalten Zimmer damit, dass sich die Blutgefäße in der Haut bei niedrigen Temperaturen zusammenziehen würden und das Herz gleichzeitig kräftig schlage, um den Körper zu wärmen. Demnach könnten schlecht beheizte Räume gerade älteren Bluthochdruck-Patienten vor allem am Morgen nach dem Aufstehen gefährlich werden, denn eine morgendliche Zunahme des systolischen Werts um zehn mmHg erhöhe das Schlaganfallrisiko um knapp die Hälfte.

Das heiße nun aber nicht, so Dr. Saeki weiter, dass die Heizung im Winter die ganze Nacht lang auf Hochtouren laufen müsse. Im Bett steige der Blutdruck auch im kühlen Zimmer nämlich nicht. Wichtig sei, dass die Raumtemperatur nach dem Aufstehen nicht im Keller läge und so den steigenden Blutdruck noch mehr in die Höhe triebe.

Richtig Heizen fürs Gewicht

Raumtemperatur und Gewicht: ZU warme Räume vermindern die Fettverbrennung – das Risiko einer Gewichtszunahme wächst

Laut einer Studie des University College London bremse eine hohe Raumtemperatur die Fettverbrennung. Warme Räume trügen somit dazu bei, dass man schneller zunehme. Dahinter stecke der Umstand, dass der Körper in einer warmen Umgebung weniger Energie aufwenden müsse, um seine Betriebstemperatur aufrechtzuerhalten, als in einer kühleren Umgebung. So bilde der Körper in wärmeren Räumen eher weiße Fettpolster als braune. Doch nur braune seien in der Lage, Energie in Wärme umzuwandeln. Das Fachblatt „Pharmazeutische Zeitung“ der Apotheker schrieb in Bezug auf die genannte britische Studie, dass die Fettverbrennung deutlich angekurbelt werde, wenn die Umgebungstemperatur unter 18 Grad Celsius sinke. Braunes Fettgewebe werde daraufhin aktiviert und sorge mit einem erhöhten Energieumsatz dafür, dass der Körper sich aufwärme – dabei würden die Fettreserven geradezu dahin schmelzen.

Die britischen Forscher sähen in ihrer Studie auch Zusammenhänge zur weltweit zunehmenden  Fettleibigkeit (auch Adopositas genannt). „Die Bandbreite von Temperaturunterschieden, denen unser Körper ausgesetzt ist, sinkt ständig. Damit verschwindet auch der leichte Temperaturstress, unter den der Körper bei Kälte kommt und damit Energie verbrennt.“ Mit diesen Worten wird Fiona Johnson, Leiterin der Studie, hier zitiert.  Die Forscher hielten es demnach für möglich, dass eine flächendeckende Verbreitung von Heizkörpern und das Ausbleiben der klassischen Winterkälte, neben falscher Ernährung und mangelnder Bewegung, Faktoren für krankhafte Fettleibigkeit sein könnten. Dass sich der Energieaufwand des Körpers erhöhe, merke man übrigens daran, dass man beginne, vor Kälte zu zittern.

Es wäre nun aber übertrieben und fahrlässig,  im Winter nur spärlich oder überhaupt nicht zu heizen. Laut einigen Experten bestünde immer noch ein Zusammenhang zwischen Kälte und der Ansteckungsgefahr für Krankheiten, zum Beispiel Erkältung und Grippe. Es gelte, die  Raumtemperatur im Auge zu behalten, damit es weder zu warm noch zu kalt werde.

Richtig Heizen fürs Durchschlafen

Raumtemperatur und Harndrang – kühlere Raumtemperaturen erhöhen den (nächtlichen) Harndrang – das Risiko für Stürze, Frakturen & Co. steigt

Es war auch der japanische Wissenschaftler Keigo Saeki, der gemeinsam mit seinen Kollegen Kenji Obayashi und Norio Kurumatani untersuchte, ob Ältere des Nachts öfters zum Pipimachen aufs Klo müssten, wenn die Raumtemperatur tagsüber kälter sei. Der Hintergrund der Untersuchung, deren Ergebnisse im Oktober 2015 veröffentlicht wurden, sei demnach der: Ältere Personen leiden häufiger an Harndrang, der insbesondere nachts ein Gesundheitsrisiko darstelle, weil eine erhöhte Sturzgefahr bestünde. Infolge dessen mehrten sich Frakturen. Außerdem werde Harndrang mit Depressionen verbunden, insgesamt  gäbe es mit ihm eine höhere Gesamtsterblichkeitsrate.

Und tatsächlich entdeckten die Forscher um Saeki aus Japan einen Zusammenhang zwischen der Temperatur im Wohnraum am Tag und der Zahl nächtlicher Toilettenbesuche: Demnach sei das Absenken der Temperatur mit einer erhöhten Nykturie (Fachausdruck für vermehrtes nächtliches Wasserlassen, sprich: nächtlicher Harndrang) einhergegangen. Wobei die vermehrte Häufigkeit der nächtlichen Klogänge unabhängig von der Außentemperatur beziehungsweise der Jahreszeit gewesen sei.

Richtig heizen: Welche Raumtemperatur ist optimal?

„Fit for Fun“ – das Lifestyle-Magazin empfiehlt für Wohnräume 22 Grad Celsius, im Schlafzimmer sollte die Raumtemperatur demnach idealerweise bei 16 bis 18 Grad Celsius liegen. Im Bad dürfe es demnach auch 23 Grad warm sein, so dass das Aussteigen aus Dusche und Wanne nicht so unangenehm sei. Wer mehr zur optimalen Raumtemperatur lesen will, schaut mal auf meinen Artikel hier auf dem Blog: „Richtig heizen: Welche Raumtemperatur braucht der Mensch?

Weitere Artikel aus der Reihe „Richtig heizen“:

  • Teil 2: Thermische Behaglichkeit: Wie viel Grad sind behaglich?
  • Teil 3 Thermische Behaglichkeit: Warum Frauen eher frieren als Männer
  • Teil 4 Thermische Behaglichkeit: 4 Grad zwischen Theorie und Praxis

Foto: una.knipsolina / photocase