Die Big News im Bereich der solaren Fernwärme letzte Woche war definitv die Meldung über die solare Großanlage in Büsingen. Deshalb möchten wir euch dieses Projekt natürlich auch nicht vorenthalten. Solarthermische Großanlagen in Deutschland haben Aufwind: Nach dem Energiebunker in Hamburg (zuletzt interviewte Doreen den Projektleiter) stellen wir Euch mit Büsingen ein weiteres solares Großprojekt vor, bei dem das Heizen mit Biomasse in Kombination mit Solarthermie ein ecoquentes Nahwärmekonzept bildet.

Mehr als tausend Quadratmeter Röhrenkollektoren

Auf dem Heizungshaus und nebenan auf einer Freifläche werden über 1.000 Quadratmeter Vakuumröhrenkollektoren von Ritter XL Solar installiert – dieses Mitglied der Ritter-Gruppe ist auf solare Großanlagen spezialisiert und hat bereits 30.000 Quadratmeter Kollektorfläche in ganz Europa installiert. Projektiert wird die Anlage von der Solarcomplex AG: Einem Unternehmen, das es sich zum Ziel gesetzt hat, die Energieversorgung in der Bodenseeregion bis 2030 weitgehend auf erneuerbare Energien umzustellen.

Photovoltaik oder Solarthermie?

Diese Frage stellte sich in Büsingen nicht, da es ja um Wärme ging und die Entscheidung auf Grund der Energieeffizienz fiel. Die ist laut Hersteller um ein Vierfaches höher als bei Photovoltaik. Wobei man sich bewusst machen muss, dass hier Wärme mit Strom verglichen wird und Vakuumröhrenkollektoren (im Vergleich zu Flachkollektoren) besonders effizient sind. Die Wärme kann an Ort und Stelle genutzt werden und ist nicht auf die Einspeisung in und Verteilung durch Stromnetze abhängig – echte Nahversorgung eben. Zudem sich diese Kollektoren bauartbedingt besonders leicht in andere Systeme einfügen lassen: Als Trägermedium verwenden sie ausschließlich Wasser und benötigen daher kein Frostschutzmittel, was vor allem bei Großanlagen ein riesiger Wettbewerbsvorteil ist, da der Austausch des Frostschutzmittels in dieser Größenordnung so richtig ins Geld gehen kann.

Keine Förderung kann auch ein Vorteil sein

Selbstverständlich ist die Entscheidung für das Heizen mit der Sonne nicht – im Rest des deutschen Bundesgebietes ist die Photovoltaik auf Grund der Förderpolitik oft lukrativer, obwohl die Solarthermieanlage selbst vielleicht sogar günstiger wäre. Nicht so in Büsingen: Die Gemeinde zwischen dem Bodensee und den Rheinfällen bei Schaffhausen ist eine deutsche Exklave, vollständig umgeben von Schweizer Staatsgebiet. Deshalb gelten dort auch ein paar Sonderregeln: In Büsingen stehen zwar schweizer und deutsche Telefonzellen einträchtig nebeneinander, dafür gibt es aber kein EEG – was eine Investition in Photovoltaik sinnlos macht, wenn man nur staatliche Förderungen abgreifen möchte. Deshalb entschied man sich in Büsingen für die energetisch sinnvollste Variante, die Solarthermie.

Ein Projekt mit innovativem Charakter – findet das baden-württembergische Umweltministerium, und gibt bis zu 100.000 Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) dazu. Für einen weiteren Photovoltaik-Park hätte es das wahrscheinlich nicht getan.

Bioenergiedorf Büsingen setzt auf solare Fernwärme

Ein Bioenergiedorf ist Büsingen schon jetzt: Alle Büsinger Haushalte sind an das Nahwärmenetz angeschlossen und werden im Moment noch komplett über eine Hackschnitzelheizung zentral mit Nahwärme versorgt. Nach Fertigstellung der Anlage wird die Wärme in den Sommermonaten künftig überwiegend aus Solarthermie bereit gestellt, und die Biomassekessel können ruhen. Nach diesem Vorbild könnten künftig auch mehr und mehr bestehende Nahwärmenetze mit kostengünstiger Solarthermie ergänzt werden.

Wir möchten uns in Zukunft auch näher mit den Gestehungskosten dieser Anlagen beschäftigen. Laut Solarcomplex Vorstand Bene Müller betragen die Kosten für die dort erzeugte Nutzenergie 11 ct/kWh. Das ist schon gewaltig, hat man doch in der Vergangenheit oft das Doppelte gehört. Das ist außerdem noch lange nicht das Ende der Fahnenstange, wenn diese Art der Wärmeversorgung ein Massenprodukt wird.

Foto: (c) Ritter XL Solar