Solarthermie & Co. machen Lebensmittelbranche energieeffizienter – das österreichische Projekt „SolarFoods“ zeigt’s

Laut mehreren aktuellen Studien ist das Thema „Energieeffizienz“ inzwischen auf dem Tisch der Entscheider in Industrie und Gewerbe gelandet. Zeit wird’s. Denn ein Unternehmensvorstand, der Energieeffizienz zur Chefsache macht, könne, so heißt es zum Beispiel in der Bain-Studie „Hidden Treasure: Why energy efficiency derserves a second look“, davon vielfältig profitieren:

  • Energiekosten werden gesenkt
  • Profitabilität erhöht sich innerhalb von drei Jahren um durchschnittlich zwei Prozent
  • Unternehmen wird klimafreundlich(er)
  • neue (umweltfreundlichere) Produkte / Dienstleistungen führen zu Umsatzsteigerung
  • internationale Wettbewerbsfähigkeit erhöht sich

Die Deutsche Energie-Agentur (dena), deren Marktanalyse 2013 wir hier auf dem Blog gerade vorgestellt haben, sieht die Lebensmittelbranche als potentiellen Vorreiter, wenn es darum geht, dass Solarthermie als Lieferant von Prozesswärme für Industrie und Gewerbe einen festen Platz einnimmt.

Ein Grund, warum gerade die Nahrungsmittelindustrie von Solarthermie & Co. profitieren könne, sei laut Marcus Hummel, Institut für Energiesysteme und Elektrische Antriebe der TU Wien, der, dass bei der Nahrungsmittelherstellung zwar für viele Prozesse Wärme
benötigt werde, man im Gegensatz zu anderen Branchen dort allerdings meist mit Temperaturen von 30 bis 120 Grad Celsius auskomme. Temperaturen, die sich demnach auch in Westeuropa mit Solarthermie sehr gut erreichen ließen.

Ein österreichisches Projekt zeigt, wie Nahrungsmittel künftig energieeffizienter und CO₂-ärmer produziert werden können.

Energieforschungsprojekt „SolarFoods“ – Energieeffizienz dank Erneuerbarer Energie

SolarFoods ist ein Forschungsprojekt der Technischen Universität Wien und deren Forschungspartnern: AEE INTEC, TU Graz, Universität für Bodenkultur, IFA-Tulln, TechForTaste.Net und der BRAUUNION. SolarFoods wurde im Rahmen des Energieforschungsprogramms des Klima- und Energiefonds der österreichischen Bundesregierung gefördert und im Rahmen des Programms „Neue Energien 2020“ durchgeführt. Die Brauerei habe die Erkenntnisse des Projektes bereits umgesetzt, heißt es in einer entsprechenden Pressemitteilung des Klima- und Energiefonds. Demnach liefere in Göss eine Solarthermieanlage, die rund 1.500 Quadratmeter Fläche umfasse, bereits die für den Brauvorgang benötigte Wärme.

Und das ist laut der erwähnten Pressemitteilung Inhalt des Projekts „SolarFoods“: Indem Betriebe ihren Energiebedarf auf erneuerbare Energiequellen umstellten, könne Wärme, die für die Produktion von Nahrungsmitteln benötigt werde, im eigenen Betrieb produziert werden. Das senke die Energiekosten und den CO₂-Ausstoß bei der Produktion. Die Wirtschaftlichkeit einer alternativen Energieversorgung im eigenen Betrieb und die Energieeffizienz im Vergleich zu anderen Betrieben könne mittels einer „SolarFoods-Software“ kostenfrei abgefragt werden.

Software SolarFoods – frei im Internet verfügbares Branchenkonzept für die Lebensmittelbranche und darüber hinaus

Das Programm zeige einfach und rasch, „welche Potenziale zur Wärmerückgewinnung und zum Einsatz erneuerbarer Energien vorhanden sind und wie wirtschaftlich eine Umstellung der Energieversorgung ist“, teilt der Klima- und Energiefonds weiter mit. Mit der „SolarFoods-Software“ ließen sich demnach bestehende Produktionsanlagen abbilden und eine erste Potential- und Wirtschaftlichkeits-Abschätzung errechnen. Doch nicht nur das: Laut Hummel ermögliche „unser Modell es, energierelevante Investitionsentscheidungen in produzierenden Betrieben der Lebensmittelbranche zu simulieren und damit Auswirkungen politischer Maßnahmen zu quantifizieren“. So ließen sich gar „ganze Branchen“ abbilden. Das tiefere Verständnis über Alternativenergie-Möglichkeiten werde demzufolge so auch zur „Basis für Handlungsempfehlungen an die Politik“.

Auch auf der Basis von Daten analysierter Betriebe wurde eine „Roadmap für die österreichische Lebensmittelherstellung entwickelt, deren Zielsetzung es ist, einen solaren Wendepfad für die Branche bis 2030 aufzuzeigen“.

Das sogenannte Branchenkonzept „SolarFoods“ ist unter dieser Internetadresse zu finden. Es besteht aus drei Teilen:

  • Berechnungswerkzeuge zur Beurteilung von Betrieben der Lebensmittelherstellung, die sich gemeinsam oder unabhängig voneinander einsetzen lassen:

1. SolarFoods-Software (MS-Excel-Tool)

  • zur Aufnahme des Status Quodes Wärmebedarfs für einen produzierenden Betrieb sowie  der Prozessstruktur,
  • zur Berechnung der Wärmerückgewinnungspotentiale,
  • zur Auslegung eines teilweise oder vollständig neuen Wärmebereitstellungssystems für den Betrieb auslegen
  • und zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit der analysierten Investitionen.

2. SOLiS (Java)

zur integrierten oder unabhängigen Analyse technischer und ökonomischer Effizienz solarthermischer Anlagen in der Industrie

3. CAPAD (MS Visio)

zur Unterstützung der stofflichen und energetischen Bilanzierung des Betriebes

  • Leitfäden für die Integration erneuerbarer Energien
  • Eine Roadmap CO₂-neutrale Wärmebereitstellung in der Lebensmittelindustrie mit möglichen Zukunftsbildern und politischen Handlungsempfehlungen

Bleibt zu hoffen, dass Lebensmittelbetriebe diese innovative Forschungsarbeit zu schätzen wissen und mit ihrer Hilfe den Schritt in Richtung Solarthermie & Co. wagen. Auf geht’s!

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