Dissertation zeigt regional differenzierte Solarthermie-Potentiale für Gebäude mit einer Wohneinheit

Quasi noch druckfrisch ist die Dissertation von Roger Corradini, die die Münchner Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V. (kurz: FfE) gerade herausgegeben hat. Darin beschäftigt sich der Autor eingehend mit der Solarthermie in Deutschland. Denn diese, so heißt es in der Zusammenfassung der Arbeit, könne als eine der möglichen regenerativen Energiequellen im Gebäudesektor einen „erheblichen Anteil“ dazu leisten, den „Energieaufwand für Raumwärme und Warmwasser im Sektor Haushalte“ zu senken. Was ja nun einmal ein klares Ziel der Energiewende ist.

Ausgehend von der aktuellen Situation, dass nämlich deutsche Haushalte im Jahr 2011 gut ein Fünftel (20 Prozent) des gesamten Endenergieverbrauchs dafür aufwendeten, zu heizen und Wasser zu erwärmen, seien laut Corradini die im „Zuge der angestrebten Energiewende der Bundesregierung“  erklärten Ziele, den „Wärmebedarf der Gebäude bis 2020 um 20 Prozent und bis 2050 um 80 Prozent“ zu senken, nur dann zu erreichen, wenn die „Energieversorgung für Wärmeanwendungen“ intensiv umgebaut werde. Und da die Neubauquote für Wohngebäude hierzulande bei gerade einmal 0,5 Prozent läge, sei es demnach unumgänglich, die bestehenden Gebäude aktiv zu modernisieren. Neben Maßnahmen zur Reduktion des Wärmebedarfs der Gebäude wie Dämmungen oder Fensteraustausch betrachtet der Verfasser der Dissertation auch die Modernisierungen der eigentlichen Wärmeerzeuger beziehungsweise Erweiterungen um regenerative Energielieferanten als erforderlich.

Er führt  an, dass Ende des Jahres 2012 hierzulande 1,8 Millionen Solarthermie-Anlagen mit einer Kollektorfläche von 16,5 Millionen Quadratmetern (m²) installiert waren, die rund 22 PJ (Petajoule, 1 Petajoule = 1.000 Terajoule) Wärme pro Jahr bereitstellen – was demnach nur rund ein Prozent des Endenergiebedarfs für Raumwärme und warmes Wasser decke.

Methodik: Flächendeckende Betrachtung

Anders als bisherige regional aufgelöste Potentialstudien bis zur Gemeindeebene, die nur punktuell für kleine Teilgebiete durchgeführt worden waren, hat es Corradini in seiner Dissertation geleistet, eine Methodik zu entwickeln, „die neben dem nach 12.278 Gemeinden differenzierten Gebäudebestand – klassifiziert in unterschiedliche Gebäudetypen mit

  • Wohnflächen
  • Stellflächen
  • und Dachflächen –

auch die energietechnische Seite der Gebäude mit einbezieht. Details dazu kann man in der Dissertation nachlesen.

Ergebnisse: Mit Solarthermie ließen sich bis zu 25 % des Endenergieverbauchs substituieren

Corradini liefert mit seiner Analyse für „Gebäude mit einer Wohneinheit je nach Gemeinde und betrachtetem Szenario ein technisches Potential zur Substitution von Endenergie von 28 bis 52 Kilowattstunden (kWh) je m² Wohnfläche und Jahr.“ Das ergäbe – summiert über die Bundesrepublik – ein solarthermisches Endenergie-Substitutions-Potential von 203 bis 280 PJ pro Jahr. Bezieht man dieses auf den Endenergieverbrauch der Gebäude mit einer Wohneinheit, der in 2011 in Höhe von 1.144 PJ zur Erzeugung von Raumwärme und Warmwasser verbraucht wurde, entspreche es einem substituierbaren Potential von bis zu 25 Prozent, so Corradini. Demnach ergebe sich je nach Szenario ein Primärenergie-Vermeidungspotential zwischen 227 und 312 PJ pro Jahr. An CO₂ ließen sich zwischen 14,6 und 20,1 Millionen Tonnen jährlich sparen.

Zubau von Solarthermie-Anlagen: Förderung als Bremse?

Corradini identifiziert in seiner Dissertation die Faktoren, die am stärksten Einfluss darauf nehmen, dass die Zahl der Solarthermie-Anlagen in Deutschland wächst. Die Liste wird angeführt vom bestehenden Förderinstrument: dem sogenannten Markt-Anreiz-Programm (kurz: MAP). Es soll mit Hilfe eines Investitionszuschusses pro Quadratmeter Kollektorfläche  finanziellen Anreiz schaffen, eine neue Anlage zu installieren. Corradini kritisiert jedoch, dass das Programm „erheblicher Volatilität“ unterliege und somit „häufig als Hemmnis statt als Treiber für den Zubau wirkte“. Er schreibt unter anderem, dass die Bedingungen des Programms in zwölf Jahren 20 Mal geändert wurden, mit entsprechenden  Auswirkungen auf die Fördersätze, die in beide Richtungen schwankten: zwischen 45 und 167 Euro Förderhöhe pro Quadratmeter. Teilweise hätte es demnach auch zeitweilige Förderstopps gegeben. Das hätte Solarthermie-Interessenten verunsichert und in eine investitionstechnisch betrachtet Warteposition getrieben.

Wertewandel als Treiber für Solarthermie

Als treibende Kraft für den Zubau von Solarthermie-Anlagen nennt Corradini dagegen den allgemeinen „Wertewandel der Gesellschaft hin zu nachhaltigerem Verhalten“, das geprägt sei von „Umweltschutzgedanken und Energierationalität“. Selbst erzeugte und verbrauchte Energie generiere demnach positive Emotionen, Solarthermie als solche habe ein positives Image, das für eine steigende Akzeptanz sorge.

Datenlogger zur Sichtbarmachung der Einsparungen

Um diese positive Wahrnehmung selbst erzeugter Energie und deren Verbrauch zu stärken, empfiehlt Corradini übrigens, auf sogenannte Visualierungssysteme („Datenlogger, Visualisierungs-Soft- und Hardware“) zu setzen – mit deren Hilfe die Verbraucher beispielsweise auf Handy & Co. Infos davon darstellen und verwalten können, die ihre solar erzeugten und / oder eingesparten fossilen Energiemengen dokumentieren.

Da in der Dissertation noch viele interessante und wissenswerte Informationen stehen, werden wir hier auf dem Blog die zum großen Teil in Kartogrammen zusammengefassten Ergebnisse noch ausführlicher vorstellen. Außerdem hat uns der Autor der Dissertation, Roger Corradini, bereits seine Bereitschaft signalisiert, uns hier persönlich Rede und Antwort dazu zu stehen.Dafür schon mal ein großes Dankeschön nach München! Und falls Ihr auch Fragen dazu habt, schreibt sie gerne ins Kommentarfeld, dann nehmen wir diese mit auf!

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