Während die Politik die Wärmedämmung von Gebäuden als zentralen Teil der Energiewende massiv fördert, gibt es immer wieder Kritiker, die der Wärmedämmung ihren Nutzen absprechen. In den Medien liest man nun von einer Studie, die besagen soll, Wärmedämmung rechne sich nicht. Kurz darauf widerspricht der Auftraggeber der Studie, die KfW, die übrigens viele Dämmmaßnahmen finanziert, Wärmedämmung lohne sich. Ja – was denn nun? Ich zahle seit Jahren für gedämmte Wände – und wüsste nun wirklich gerne mal, ob ich damit die Energiewende unterstütze oder nicht.

Wärmedämmung hausnah

Am 18.5.2008 kündigte meine Hausverwaltung in einem Brief an uns an, dass an der Hofseite des Hauses eine Fassadendämmung mit Thermohaut „Zerotherm WLG 040-10 cm“ und Kratzputz vorgenommen werde, so wie schon an der Nord-Ost-Seite des Gebäudes. Der darin geschriebene Satz, dass „der Aufwand für Energiekosten sich durch diese Maßnahme drastisch weiter reduzieren werde“, sollte uns wohl darüber hinwegtrösten, dass sich damit auch unsere monatliche Miete erhöhen werde. Drei Monate später, am 18.8.2008, war die Rückwand gedämmt und die Mieterhöhung fiel geringer aus, als zuvor geschätzt. Gut 18 Euro zahlen wir seitdem mehr für unsere 67,8 Quadratmeter. Übrigens stand in dem Schreiben „Maßnahmen zur Energie-Einsparung und Mietanpassung“ auch noch einmal die Aussage, dass sich der Aufwand für unsere Energiekosten durch diese Maßnahme noch weiter reduzieren werde. Das Adjektiv „drastisch“ tauchte allerdings nicht mehr auf. Dafür die Versicherung, dass wir „damit einen wesentlichen Beitrag zum gerade beschlossenen Klimaschutzpaket der Bundesregierung“ leisteten. Ja!

Im Spätsommer 2012 folgte die Dämmung des Dachstuhls mit „Mineralwolle Klemmfilz 200 mm WLG 035 gemäß Energieeinsparungsgesetz“. Das neu gedämmte Dach brachte uns einen Tag vor Fertigstellung nicht nur einen Schwelbrand, zu dessen Löschung Feuerwehr (drei Löschfahrzeuge) und Polizei (vier Einsatzwagen) anrückten, währenddessen wir alle das Haus verlassen mussten und uns zwei Stunden auf der Straße um unser Zuhause sorgten, sondern auch eine Mieterhöhung von fast 36 Euro.

Macht summa summarum 54 Euro Mehrkosten. Für Dämmmaßnahmen. Soweit so gut, der Vermieter handelte nach Vorschrift. Und ich wohne in der Annahme, etwas zur Energiewende beizutragen. Die Räume im rückwärtigen Teil des Hauses, Kinderzimmer, Küche, Bad, fühlen sich tatsächlich wärmer an, insbesondere die Außenwände. Heizen tun wir dort eh nie. Vom gedämmten Dach habe ich dagegen (noch) nichts gemerkt. Aber wir wohnen auch in Etage 1 von 4. Und unsere Heizkosten sind trotz gestiegener Preise für Heizmaterial in etwa gleich geblieben. Energetisch betrachtet also ein positiver Effekt, oder?

Wärmedämmung lohnt sich nicht?

Doch ich lese immer wieder Kritiken an der so hochgelobten Wärmedämmung.

  • Die Kritik, dass die dabei oft verwendeten Styroporplatten leicht Feuer fangen können, nun ja, die kann ich hausnah bestätigen und hoffe, dass das nicht der Regelfall ist.
  • Besorgniserregend ist auch das: Tests des Dahlberg-Instituts für Bauwerksdiagnostik in Wismar haben ergeben, dass sich auf 75 Prozent der wärmedämmenden Platten Algen und Pilze niederlassen. Gegen den unerwünschten Bewuchs werden deshalb Gifte in den Putz oder die Farbe gemischt, die teilweise wasserlöslich sind und sich somit auswaschen und schlussendlich im Grundwasser landen. Solche Algizide oder Biozide sind in der Landwirtschaft längst verboten, an Fassaden noch nicht.
  • Ungelöst ist bisher auch die Frage, wie man ausgediente Dämmplatten aus Polystyrol und Styropor entsorgt. Von Sondermüll ist hier die Rede, dessen Entsorgung auf den Schultern nachfolgender Generationen laste. Es wäre also wichtig sich auch über die Art des Dämmstoffes Gedanken zu machen. Es gibt ja schließlich auch ökologischere Varianten.
  • Dass Spechte sich in den leichten Dämmplatten schnell und gerne ein Nest bauen (Fassadenhacker), habe ich trotz Buntspechtfamilie im Hof bisher nicht beobachten können, allerdings klettern die Eichhörnchen neuerdings schnell mal die Wände hoch, um sich Nüsschen von den Fensterbrettern zu holen (Fassadenkletterer). Aber das nur nebenbei.

Und was ist mit der Hauptkritik, der zufolge die energetische Sanierung von Gebäuden nicht den von Politik und Umweltschützern heiß ersehnten Nutzen brächte? Immerhin ist die Wärmedämmung von Häusern zentraler Teil der deutschen Energiewende, in die die Regierung viele Fördergelder steckt. Das Ziel ist mit dem Klimaschutzkonzept schließlich gesetzt: Verglichen mit den Werten von 2008 soll der Wärmeverbrauch bis 2020 um ein Fünftel und der Primärenergiebedarf in Wohngebäuden bis 2050 sogar um vier Fünftel gesenkt werden.

Es macht mich mehr als nachdenklich, wenn sich die Experten darüber streiten, ob sich die Wärmedämmung überhaupt lohnt. Ich bin ehrlich gesagt sogar besorgt darüber. Denn es sind ja nicht nur meine 54 Euro im Monat (648 Euro im Jahr), die in die Wärmedämmung fließen. Meine Frage ist: Wurde die Wärmedämmung als energiewendige Maßnahme überschätzt? Und: Ist sie zu voreilig beschlossen worden? Vielleicht, um schnelles Wirtschaftswachstum zu bewirken? Man muss dazu wissen, dass die Investitionen, die auch die KfW über ihre Programme unterstützt, pro Jahr immerhin geschätzte Zwei- bis Dreihunderttausend neue Arbeitsplätze schaffen, vor allem im Bauhandwerk und Handwerk.

Große Zweifel an der Wärmedämmung und ihrer Ecoquenz wecken in mir Meldungen wie die: Gerade habe das Schweizer Beratungsunternehmen Prognos, beauftragt von der deutschen Förderbank KfW, eine Studie veröffentlicht, die unter anderem aussage, dass man 838 Milliarden Euro bräuchte, um das oben genannte Energiespar-Ziel der Bundesregierung zu erreichen. Gleichzeitig brächten die zugehörigen Maßnahmen „nur“ eine 370-Milliarden-Euro-Ersparnis an Energiekosten. Diese Meldung ging dann durch alle Medien und sorgte für Verunsicherung, auch meine.

Wärmedämmung lohnt sich?

Allerdings kritisiert inzwischen ausgerechnet der Auftraggeber der Studie, die KfW, die Ergebnisse der Forschungsarbeit von Prognos. Als Verbraucher verwirrt mich das ziemlich. Bloggerkollege Andreas Kühl hat sich des Themas angenommen und den Rechenfehler aufgedeckt. Es wurden anscheinend einfach die gesamten Sanierungskosten inklusive Heizung und sogenannter „Sowiesokosten“ den Einsparungen gegenübergestellt. Klassischer Fall von Äpfel vs. Birnen.

In der entsprechenden Pressemeldung heißt es:  „Die energieeffiziente Sanierung lohnt sich. Prognos zeigt: die Energiekostenersparnis finanziert die energieeffizienzbedingten Mehrausgaben für eine Sanierung. Für die Wirtschaftlichkeitsanalyse energetischer Sanierungen zählen die energieeffizienzbedingten Mehrausgaben im Vergleich zur Energiekostenersparnis.

Um die Energiewende zu schaffen, unterstützt die KfW in der Studie bis zum Jahr 2050 Gebäudesanierungen in Höhe von 507 Mrd. EUR (Gesamtinvestition). Die Energiekostenersparnis dieser Sanierungen (361 Mrd. EUR) finanziert die geschätzten, energieeffizienzbedingten Mehrausgaben (237 Mrd. EUR). Sie deckt darüber hinaus zu einem wesentlichen Teil die allgemeinen Renovierungskosten (Ohnehin-Kosten), die unabhängig von der Energieeffizienz einer Sanierung anfallen.

Mit Fördermitteln der KfW amortisiert sich eine Sanierung in der Regel deutlich früher als ohne, meist in weniger als 20 Jahren. Steigende Energiepreise werden die Attraktivität in Zukunft noch erhöhen.

Wärmedämmung lohnt sich demnach doch. Ich bin fürs Erste beruhigt und wünsche mir etwas mehr Sorgfalt in der Massenmedienberichterstattung. Wie soll man da als normaler Mensch sonst durchblicken? Die große Headline merken sich nämlich vermutlich viele, den Rechenfehler dagegen wohl kaum einer.

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