Wärmepumpen liegen im Trend – gefühlt gibt es einen regelrechten Boom. Wir beobachten das schon länger und informieren euch immer wieder über diese Technologie. Heute versuchen wir herauszufinden, ob Wärmepumpen womöglich im Begriff sind, die Gasheizung als Standard abzulösen.

Wärmepumpe ist nicht gleich Wärmepumpe

Kann man wirklich von einem Wärmepumpen Boom sprechen? Werfen wir einen Blick auf die Zahlen: In den letzten Jahren wurden allein in Deutschland jedes Jahr um die 60.000 neue Heizungswärmepumpen eingebaut. Auch wenn 2014 ein leichter Rückgang zu verzeichnen war, ist ein nennenswerter Einbruch nicht in Sicht. Auch weltweit erfreuen sich Wärmepumpen großer Beliebtheit. Dabei muss man unterscheiden: Während die effizientere Erdwärmepumpe immer seltener eingebaut wird, steigt der Anteil an Luftwärmepumpen, wie man auch an dieser Grafik sieht:

Leichter Rückgang, aber ungebrochener Trend: In Deutschland werden jedes Jahr um die 60.000 neue Heizungswärmepumpen eingebaut.

Leichter Rückgang, aber ungebrochener Trend: In Deutschland werden jedes Jahr um die 60.000 neue Heizungswärmepumpen eingebaut.

Gasheizung ist immer noch der Platzhirsch

Momentan gibt es aber immer noch viel mehr Gasheizungen als Wärmepumpen: Gas ist billig und scheinbar allzeit verfügbar, und es handelt sich um bekannte und bewährte Technik, die jeder Heizungsinstallateur beherrscht.

Gesamtbestand zentrale Wärmeerzeuger Deutschland 2013

Gesamtbestand zentrale Wärmeerzeuger Deutschland 2013

Auch beim Heizungstausch kommt oft ein neuer Gaskessel rein – häufig in Kombination mit Erneuerbaren wie Solarthermie oder eben Wärmepumpe. Nur der Ölkessel stirbt langsam aus. Wobei diese Zahlen noch nicht viel darüber aussagen, wie viel Wärme mit der jeweiligen Technologie erzeugt wird. In der nachfolgenden Grafik fehlt übrigens die Solarthermie – weil sie kein „Wärmeerzeuger“ ist, sondern kostenlose Sonnenwärme nutzt.

Absatz Wärmeerzeuger Deutschland von 2004 bis 2014

Absatz Wärmeerzeuger Deutschland von 2004 bis 2014

Der kleine Unterschied – fossil oder erneuerbar

Immerhin verpflichtet das deutsche Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) Bauherren dazu, einen Teil ihres Wärmebedarfs mit Erneuerbaren Energien zu decken. In vielen Ländern ist der Ausstieg aus den fossilen Energieträgern ist in vielen EU-Ländern schon beschlossene Sache – zum Beispiel in Dänemark. Deshalb kann die Gasheizung ihre Vormachtstellung wohl kaum weiterhin behaupten. Die Wärmepumpe hingegen gilt als Erneuerbare Energie – auch wenn die Antriebsenergie zwischen etwa 20 – 30 Prozent des Wärmeertrags ausmacht; je nach Jahresarbeitszahl auch mehr oder weniger.

Luftwärmepumpen sind einfach und günstig zu installieren, aber bringen sie auch was?

Doch der deutsche Markt für Flächenheizungen und –kühlungen wächst – ein Indiz dafür, dass Niedertemperaturanwendungen auf dem Vormarsch sind. Dazu zählt auch die Wärmepumpe, die als Raumheizung praktisch nur mit einem Flächenheizsystem sinnvoll nutzbar ist, z.B. mit einer Fußbodenheizung. Doch auch dann ist es unrealistisch, dass sie die gesamte Heizlast stemmt. Halten wir fest, dass sich trotzdem etliche Bauherren für eine Wärmepumpe entscheiden – oft genug, weil sie die von ihrem SHK-Betrieb schmackhaft gemacht bekommen. Denn vor allem die Installation einer Luftwärmepumpe ist einfach und billig, so wie früher eben die Gasheizungen – unabhängig von steigenden Energiepreisen macht sie leider nicht.

Schein-Unabhängigkeit vom Energiepreis

Denn 20 – 30 Prozent Antriebsstrom müssen ja irgendwo herkommen. Bei Brauchwasserwärmepumpen, die mit sommerlichen Stromüberschüssen aus Photovoltaik betrieben werden, ist das kein Problem. Was aber passiert im Winter? Stichwort Thermosensibilität: Wenn die Außentemperaturen sinken, steigt mittlerweile der Stromverbrauch messbar an. Genau dann, wenn eben kein Strom aus Photovoltaikanlagen zur Verfügung steht.

Fatale Kombination: Luftwärmepumpe zur Heizungsunterstützung im Winter

Im Gegensatz zur sommerlichen Brauchwassererwärmung steht bei Luftwärmepumpen im Winter nicht genug Umweltwärme zur Verfügung. Gleichzeitig ist der Anteil an Erneuerbaren im Strommix sehr klein. Oft genug muss der Wärmepumpen-Strombedarf durch fossile Kraftwerkskapazitäten ausgeglichen werden, und dann sind wir einer fossil gestützten Stromheizung schon sehr nahe. Das kann es doch wohl nicht sein, was der Gesetzgeber sich unter Heizen mit Erneuerbaren Energien vorgestellt hat, oder? Und kostenmäßig rechnet es sich auch nicht. Die laufenden Kosten für den Stromverbrauch einer Wärmepumpe sind mitunter genauso hoch wie bei einer Gasheizung oder sogar noch höher.

Alternativen zu Luftwärmepumpe und Gasheizung

Der Missmatch von Energieangebot und –nachfrage kann höchstens durch große, saisonale Wärmespeicher ausgeglichen werden – und durch die kluge Kombination mehrerer Wärmequellen. Mit unserem Heizkostenrechner könnt ihr verschiedene Varianten durchrechnen und vergleichen – und werdet feststellen, dass Wärmepumpen zwar ihren Platz im Team haben, aber als Solistinnen eher ungeeignet sind. Und dass oft genug eine Solarthermieanlage mit Gas- oder Pelletheizung als Backup die günstigere Alternative ist. Wenn schon Wärmepumpe, dann sollte man sich eher für eine Erdwärmesonde entscheiden als für Luft als Wärmequelle.

Foto: Bundesverband der Heizungsindustrie; Grafiken: Bundesverband Wärmepumpe (Absatzzahlen Wärmepumpe); Bundesverband der Heizungsindustrie (übrige Grafiken)