Über Klimawandel-Ignoranten, Atomkraftverklärung und nachhaltigen Genuss

Nicht nur die Meereswellen schlagen hoch, seit das Sturmtief Xaver über Europa gebraust ist und auch der Winter verrückt spielt: Während die einen es als gegeben ansehen, dass unser Klima durcheinander ist, ereifern andere sich über angebliche „Klima-Hysteriker und Wetter-Neurotiker“. Dabei wäre es genauso falsch, das Sturmereignis Xaver oder die Kältewelle in den USA allein dem Klimawandel in die Schuhe zu schieben wie zu leugnen, dass sich mit dem Klimawandel auch das Auftreten von Wetterextremen ändert. Die Krux ist, dass die Zusammenhänge so komplex sind und eine Handvoll interessengeleiteter Klimaskeptiker gezielt Zweifel an wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen sät.

Elvis lebt! Verschwörungstheorien sind bequem

Oft genug fallen Verschwörungstheorien auf fruchtbaren Boden: Elvis lebt, die Amerikaner waren nie auf dem Mond und den Treibhauseffekt gibt es nicht. Verschwörungstheorien bieten all jenen eine Plattform, die gerne an Geheimnisse glauben oder die Macht der Deutungshoheit auskosten wollen – und dann trotzdem jene Politiker wählen, die ihnen angeblich die Wahrheit vorenthalten. Vor allem aber ist es bequem, an eine Verschwörungstheorie zu glauben: Weil man den schmerzhaften Tod des Idols nicht wahrhaben will, weil man billige Vorurteile aufrecht erhalten möchte oder einfach, um sagen zu können: „Was? Der Mensch ist gar nicht verantwortlich für den Klimawandel? Dann lasst uns weitermachen wie bisher.“

Aus Erfahrung klug? Verdrängen ist einfacher

Wir Menschen neigen dazu, Unangenehmes zu verdrängen. Was ja eine wichtige psychologische Schutzfunktion sein kann – wenn die Gefahr vorüber ist. Doch leider bewahrt es uns nicht davor, die gleichen katastrophalen Erfahrungen immer wieder zu machen: 1986 hatten wir Tschernobyl, 2011 Fukushima – und doch bauen China und Frankreich ein neues Kernkraftwerk in Großbritannien. Selbst Japan setzt weiter auf Atomkraft.

Woher soll denn die Energie kommen?, ist eine berechtigte Frage. Dass eine weltweite Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien schon in naher Zukunft möglich wäre, können viele sich nicht vorstellen. Wobei übrigens nicht mal ein Fünftel des Weltenergiebedarfs auf Strom entfallen, der Rest ist Wärme und Mobilität. Allein deshalb können Atomkraftwerke nicht die Lösung sein, von den tatsächlichen Kosten der Kernkraft ganz zu schweigen. Mangelnde Aufklärung mag also ein Grund für die geringe Veränderungsbereitschaft des Menschen sein. Und dann ist da noch die Angst: Angst vor Einbußen im Komfort, oder gar die Angst vor existenzieller Bedrohung.

Nachhaltiger Konsum für Genießer und Genießerinnen

Dabei werden in Europa mitnichten die Lichter ausgehen, wenn wir uns endgültig von der Atomkraft und der Drecksschleuder Kohle verabschieden. Und klimafreundlicher Konsum bedeutet nicht notwendigerweise Verzicht. Er kann sogar zu mehr Lebensqualität beitragen. In einem Sonnenhaus zum Beispiel lebt es sich komfortabel und behaglich: Die Solaranlage spendet Wärme direkt von der Sonne, und man kann beruhigt auch mal länger unter der Dusche stehen und die Räume großzügig heizen. Nichts finde ich schlimmer als die Empfehlung, im Winter in der Wohnung „eben mal einen Pullover mehr anzuziehen“. Das kann man natürlich auch machen – auf freiwilliger Basis. Doch beim Heizen mit der Sonne und ein wenig Biomasse darf man auch ohne schlechtes Gewissen „intelligent verschwenden„.

Erlebnisse sind nachhaltiger als Dinge

Für mich gehören nachhaltige Produkte – wie zum Beispiel frisches Obst und Gemüse vom Bauernmarkt – zu einem guten Leben. Und was unseren Konsumwahnsinn betrifft: Wie wärs mal mit Erlebnissen statt Dingen? Theaterkarten, ein Zeitschriften-Abo oder einen ganz privaten Bildungsgutschein für die Volkshochschule. Horizonterweiterung inbegriffen.

Foto: marshi / photocase.com