Dirk Staiger_Lochner_TFG-Auszeichnung

Dirk Staiger (li.) vom TFG bei der Übergabe der TFG Auszeichnung an Siegfried Lochner (re.).

Heute sprechen wir endlich einmal mit Dirk Staiger dem Geschäftsführer des Verbandes TFG – Technologie für Generationen. Dieser Verband hat sich selbst sehr hohe Qualitätsstandards für das Heizen mit Sonne und Holz auferlegt und ist vor allem bekannt für die Mitgliedsbetriebe die sich darauf verstehen besonders innovative Sonnenheizungen mit hohen solaren Deckungsgraden zu bauen. Heute sprechen wir dem Geschäftsführer über die Entstehung – Gegenwart und Zukunft und der Wichtigkeit von weiterer Aufklärungsarbeit was die Leistungsfähigkeit von Solarthermieanlagen am oberen Spektrum der Technologieentwicklung betrifft.

Herr Staiger, erklären Sie bitte den Lesern, was es mit dem TFG auf sich hat und wie dieser Zusammenschluss entstanden ist. 

Dirk Staiger: Der TFG e.V. ist ein 1985 gegründeter Verbund von mittlerweile 160 Heizungsbaubetrieben. Die Gründer setzten zur damaligen Zeit auf erneuerbare Energien. Viele Pioniere, die regional die ersten Solaranlagen bauten. In unserem Verbund finden sich Gleichgesinnte, die begeistert sind von heimischer Energie. Unsere Aufgabe ist es, die Betriebe in allen kaufmännischen und technischen Fragen weiterzubilden und bei der Positionierung als Spezialisten für Energie aus Sonne und Holz zu unterstützen. Wir bieten individuelle Marketingkonzepte und schulen auch die Monteure im Umgang mit dem Kunden.

Sie beobachten bestimmt auch die Marktentwicklung der letzten Jahre. Was sind die auffälligsten Entwicklungen im Bereich der Wärmewende? 

Dirk Staiger: Die Wärmewende ist ins Stocken geraten. „Nichts machen“ ist die häufigste Maßnahme im Wärmebereich. Durch die Aussage der Kaminfeger: „Ihr Kessel hat beste Werte“ ist der Kunde im Glauben, dass das gesamte Heizsystem immer noch auf dem neusten Stand ist. 1991 ist gefühlt wie neu.

Was braucht es, damit die Wärmewende so richtig in Gang kommt wie die Energiewende?

Dirk Staiger: Erst einmal das Bewusstsein, dass ein Haus nicht nur Strom verbraucht, sondern dass die Energiekosten zu 80% durch die Wärme und Wartung verursacht werden. Beste Heizkessel müssen irgendwann einmal getauscht werden und wir empfehlen dann den kompletten oder stufenweisen Umstieg auf heimische Energie.

Wenn Sie der Solarthermie einen Befund ausstellen müssten, wie würde dieser derzeit ausfallen?

Dirk Staiger: Ein großes, ungenutztes Potenzial und im Rahmen der Diskussion über Solarstrom stark in Mitleidenschaft gezogen. Unendlich viele Dachflächen liegen deshalb brach.

Wir berichten hier hauptsächlich über Solarthermie und auch die unterschiedlichen Technologien. In letzter Zeit entsteht eine ziemlich emotionale Debatte über Flachkollektoren, Vakuumröhrenkollektoren und auch irgendwo zwischendrin Photovoltaik. Eigentlich sollten wir ja alle an einem Strang ziehen und daran arbeiten so viel fossile Energie wie möglich zu ersetzen, es gibt ja noch so unglaublich viel zu tun, wenn man daran denkt, dass die Welt noch immer zu mehr als 70% mit fossiler Energie funktioniert. Warum tun wir uns da so schwer und behindern uns teilweise gegenseitig?

Dirk Staiger: Wenn Sie den Solar Keymark ansehen, brauche ich über die Effizienz von Röhrenkollektoren nicht zu diskutieren. Die Leistungsfähigkeit wird dort dokumentiert. Wer aus seinem Dach die meiste Energie zapfen will, muss auf diese Technologie setzen. Zudem haben wir bei Kundenumfragen ermittelt, dass insbesondere das Aqua-System von Paradigma – ein Vakuumröhrensystem – deutlich höhere Verbrauchseinsparungen erzielt, als die reinen Solarerträge. Nicht die theoretischen kWh sind wichtig, sondern die vermiedenen Verbräuche. Diese werden ja nirgends erfasst und können nur empirisch ermittelt werden.

Ich persönlich finde ja, dass sich die Diskussion um die verschiedenen Technologien viel zu sehr im Haushaltsbereich abspielt und vor allem dem Neubau viel zu viel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Dabei sind die wirklichen Energieverschwender ja im Gewerbe bzw. Industrie und im Altbestand. Welche Lösungen bieten die TFG-Mitglieder hier seinen Kunden?

Dirk Staiger: Solare Großanlagen wären ein Weg. Die Industrie erwartet aber Amortisationszeiten von wenigen Jahren, was soviel bedeutet, dass sie glaubt es wäre möglich mit erneuerbaren Energien nach 3 Jahren nie wieder etwas für Energie zu zahlen, obwohl sie das Geld sonst ohnehin ausgeben muss. Ein fast unerfüllbarer Anspruch der soviel heißt wie: Es reicht nicht gleich teuer wie die Fossilen zu sein, ihr müsst sauber und auch noch viel billiger sein, aber auch große Hackgut- und Pelletanlagen führen nachweislich zu sofortigen Kosteneinsparung und mehr Effizienz, die sich langfristig lohnt.

Auch im Privathaus steht der Strom im Vordergrund und nicht die Wärme. Das liegt u.a. an der Präsenz von E-Geräten. Wärme ist da, aber man sieht nicht, wenn Sie verschwendet wird. Wir haben zig Beispiele, wo durch ein gutes Solar-Heizkonzept Einsparungen im Altbau von bis zu 50% erzielt wurden – ohne Kesseltausch oder aufwändige Gebäudesanierung.

Wir haben erst kürzlich berichtet wie schwierig es für den Kunden zu sein scheint eine Entscheidung bei einer neuen Heizung zu treffen. Der Kunde ist mehr als verwirrt ob der vielen Möglichkeiten und hört von jeder Seite etwas anderes bzw. bekommt sogar sehr schwer einen Besichtigungstermin. Letztlich wird oft nichts bzw. wenig gemacht. Was bräuchte der Markt, damit endlich etwas mehr Transparenz für den Endkunden reinkommt?

Der Sonne wieder mehr zu vertrauen und sie dafür einzusetzen, was sie besonders gut kann – nämlich Wärme. Aus Sonne Strom zu machen und daraus wieder Wärme ist ein Umweg. Mit dem richtigen Solarsystem wird aus Sonne Heizwärme und die entlastet Kessel, Geldbeutel und Umwelt. Ich bin überzeugt, wenn mehr Heizungsbauer wüssten, dass man mit dem Aqua-System immer über 70° C Wärme erzielt – auch an kühlen Tagen, dann würden mehr Solarheizsysteme und nicht nur reine Warmwasseranlagen verkauft und das wäre richtungsweisend. (Anm. der Redaktion: Wir erklären hier, warum hohe Kollektortemperaturen für das Gesamtsystem so wertvoll sind, sie führen nämlich dazu, dass der Kessel tatsächlich NICHT anspringt und das sollte das oberste Ziel sein.)

Wie sieht die Zukunft des TFG aus? Gibt es Wachstumspläne?

Der Weg geht weiter Richtung unabhängige Energie aus der Region – Sonne, Holz und Pellets. Da wir viel Wert auf eine persönliche Betreuung und Austausch legen, wollen wir nicht expansiv wachsen. Heizungsbauer, die sich im Bereich Sonne und Holz neu ausrichten oder ihr Wissen vertiefen wollen, sind aber herzlich willkommen.

Zu guter letzt etwas in eigener Sache: Es bräuchte dringend soetwas wie den TFG in Österreich, gibt es dazu Pläne?

Für Österreich gab es mal Ansätze, wurden aber nie richtig verfolgt.

Vielen Dank für das spannende Interview mit detailreichen Einblicken. Vielleicht wird es ja irgendwann doch auch etwas in Österreich damit. Ich hoffe, wir haben dazu beigetragen, dass vielleicht der ein oder andere Heizungsbauer darüber Bescheid weiß, dass es Technologien gibt, die extra für den Einsatz in kälteren Regionen gemacht sind.

Bilder: Franni / photocase.com