Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, haben wir letzte Woche unseren Heizkostenrechner präsentiert. Vielen Dank schon mal für die vielen Kommentare und Verbesserungshinweise. Diese sind schon beim Programmierer deponiert. Ein Thema sorgte aber überraschenderweise für besonders viel Aufruhr. Im Rechner wird erwähnt, dass Pellets aus Holzabfällen hergestellt  werden (siehe Grafik) und dies stieß bei manchen Kommentatoren etwas sauer auf.

Bildschirmfoto 2014-01-29 um 09.12.41

Die Aussage, dass Pellets aus Holzabfällen hergestellt werden, führte zu regen Diskussionen im Artikel und auf Twitter.

Grund genug, sich das Thema mal genauer anzusehen. Ich muss gestehen, dass ich mir persönlich darüber noch nicht so viele Gedanken gemacht habe, ob Pellets nun aus Holzabfall sind, oder nicht. Scheitholz ist ja schließlich auch kein Abfallholz und deshalb nicht „böse“, oder? Holz hat ja auch beim Wachsen viele tolle Nebeneffekte, aber das ist wieder ein anderes Thema. Trotzdem hat das Thema mein Interesse geweckt und ich hab mal recherchiert. Damit ihr euch nicht auch noch einmal die Informationen, die ich die letzten Tage zusammengesucht habe, heraussuchen müsst, hier ein Erklärungsversuch. Wie immer kommt man vom Hundertsten ins Tausende und ich könnte nun vermutlich fünf Artikel zu dem Thema schreiben.

86% der deutschen Pelletproduktion aus Sägerestholz

Nachdem die Diskussion entstand habe ich mal wieder meine „Followerpower“ getestet und gefragt wer hier eine vernünftige Antwort geben kann. Nach einiger Zeit hat sich dankenswerterweise DEPV – Deutscher Energieholz- und Pelletverband eingeschaltet und mir folgende Information geschickt.

Als Rohstoff für die Pelletproduktion wird in Deutschland weiterhin überwiegend Sägerestholz verwendet (86 Prozent), das als Koppelprodukt beim Holzeinschnitt anfällt. Nadelholz ist nach wie vor Hauptausgangsstoff für Pellets (93 Prozent). Es werden fast ausschließlich Premiumpellets hergestellt (98 Prozent), die zur Wärmegewinnung in kleinen und mittleren Feuerungen eingesetzt werden.

Pelletimporte nicht zu verachtender Faktor

Hier geht es wie gesagt um die inländische Produktion in Deutschland. Für Österreich habe ich keine definitiven Zahlen gefunden, aber laut Aussagen meines persönlichen Pelletexperten Fritz Eder, dürften es hierzulande noch fast 100% aus Sägeabfällen sein. Alles andere wäre viel zu teuer, weil das reine Zerhäckseln viel zu viel Energie bräuchte und alle Produktionsstätten bei Sägewerken angesiedelt sind, die das geschnittene Holz viel teurer als Möbelstücke, als als Pellets verkaufen können. Sie wären also blöd, wenn sie das täten. Um eine definitive Antwort auf die Frage geben zu können, muss man sich jedenfalls auch die Pelletimporte ansehen, denn diese Art der Pelletproduktion (ganze Bäume zerhäckseln) ist anscheinend nur dort möglich, wo Strom sehr billig ist, wie in USA (hoher Energieaufwand). Interessanterweise steigen die Pelletimporte derzeit auch stark wie EUWID kürzlich berichtete. Ist auch nicht verwunderlich bei dem hohen Absatz an Pelletheizungen. Der Großteil der deutschen Importe kommt laut dem Artikel aber noch aus Dänemark, ein Land das definitiv nicht für billige Strompreise bekannt ist. Mein Hausverstand sagt mir deshalb, dass die Importe aus Dänemark ganz sicher aus Holzabfällen stammen. Nachdem Dänemark eine ganz andere Wärmestrategie verfolgt, ist dort die Pelletnachfrage vermutlich niedriger als das Angebot. Wer hier mehr weiß ist willkommen zu kommentieren. In den USA gibt es jedoch eine aufstrebende Industrie, die tatsächlich Pappeln und Eschen zur Pelletsproduktion züchtet. Diese sind auf den europäischen Märkten aber noch nicht stark vertreten. Dieses Importthema hat auf jeden Fall noch einen eigenen Artikel verdient. Bin hier dankbar für Hinweise.

Und die restlichen 14%?

Wir halten also fest, dass wirklich ein großer Teil der inländischen Pelletproduktion aus Holzabfällen entsteht. Eine EU-Norm sorgt außerdem dafür, dass hochwertige Pellets im gesamten europäischen Raum sehr hohe Qualittätsstandards erfüllen müssen. Natürlich haben wir trotzdem nachgefragt wo die übrigen 14% herkommen. Auch dazu hat ein Twitterkollege eine Antwort bekommen. Sehet selbst.

Bildschirmfoto 2014-01-29 um 09.41.45

Herstellung Pellet Nawaro

Hmm. Alles klar? Die Antwort musste ich zwar erstmal googeln und auch hier wieder ein riesiger AHA-Effekt. Es gibt also noch andere Arten von Pellets. NAWARO oder WALDPELLETS.

Was sind NAWARO bzw. Waldpellets?

Hier habe ich eine gute Definition gefunden und bin überrascht, dass es noch keinen Wikipedia Eintrag dazu gibt, liegt vielleicht daran, dass der Name geschützt ist. Schade.

Während „normale Pellets“ aus Säge- und Hobelspänen, einem Nebenprodukt der Sägeindustrie, hergestellt werden, bestehen die neuen Waldpellets® aus Waldresthölzern. Das dafür verwendete Durchforstungsholz stammt aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung.

Diese NawaRo-fähigen Pellet (Pellets aus nachwachsenden Rohstoffen) können auch in Kraftwärmekopplungsanalgen (KWK) eingesetzt werden, die in den Bereich des EEG fallen.

Hat hier das Gerücht seinen Ursprung?

Im Laufe der Diskussion habe ich mich immer wieder gefragt, warum sich das Gerücht Pellets seien nicht mehr aus Sägeabfällen so hartnäckig hält. Ich denke, dass diese NAWARO-Pellets ein Grund dafür sind und natürlich der anscheinend immer knapper werdende „Rohstoff“ Abfallsägespäne und die daraus resultierende Importabhängigkeit. Artikel wie „Die Schlacht um Hozpellets“ tragen natürlich auch zu weiterer Verunsicherung bei.

Nachhaltige Forstwirtschaft Grundlage jeglicher Biomassethemen

Bei der Diskussion um Abfallholz oder nicht, sollte man einen Punkt natürlich nie aus den Augen verlieren. Wenn ein Wald nachhaltig bewirtschaftet wird, spricht nichts gegen solche Nawaro-Rohstoffe. Das gebundene CO2 und die Entgiftung der Umwelt dadurch sind auf jedenfall wichtige Punkte, die man bei der Diskussion nicht vernachlässigen darf. Ich denke, dass die Produktion in Österreich und Deutschland aufgrund der Auflagen auch noch sehr lange Zeit „sauber“ bleiben wird, es sei denn das Freihandelsabkommen macht jegliche Umweltstandards den gar aus, aber auch das ist eine andere Geschichte. Ein größeres Problem sehe ich da eher bei der Preisstabilität, da aus einem ehemals billigen Abfallprodukt, mittlerweile ein begehrter Rohstoff geworden ist. Deshalb ist es umso wichtiger auch Energieeffizienz nicht aus den Augen zu verlieren und jeglichen Rohstoff, egal ob Holz, Öl, oder Gas auch mit anderen rohstoffunabhängigen Energieformen zu kombinieren.

Wie immer sind die Dinge nicht schwarz-weiß und ich werde sicher noch näher auf das Thema eingehen. Sehr viele Punkte spielen hier mit, die zu Missverständnissen, aber auch Misswirtschaft führen können.

Was meint ihr dazu?

Bild: boing / photocase.com