Immer wieder mal las ich in den vergangenen Jahren über geplante, gelungene und misslungene Manipulationen des Wetters. Mal waren es US-Amerikaner, mal Russen, mal Chinesen, die sich das Wetter zum Untertan machen wollten. Zum Jahreswechsel meldeten die Medien, dass China jetzt staatsmäßig plane, das Wetter großräumig zu manipulieren. Mir macht eine solche Nachricht Angst. Euch auch?

Doch bevor ich mir jetzt vor Angst in die Hosen mache, setze ich mich mit dem Thema hier mal näher auseinander. Euch nehme ich gleich mit auf die Recherche. Los geht’s! Nach dem aktuellen Bericht von klimaretter.info haben die in China tonangebende Reformkommission und die chinesische Wetterbehörde nach eigenen Angaben gerade einen Plan beschlossen, der vorsehe, bis 2020 über ganz China verteilt sechs Zentren einzurichten, die der Wettermanipulation, auch Geoengineering genannt, dienen sollen.

Ziel sei es laut der Wetterbehörde, 60 Milliarden Kubikmeter künstlichen Regens zu produzieren und die Fläche, die künstlich von Hagelbefall freigehalten werden soll, auf 540.000 Quadratkilometer zu steigern. Der künstliche Regen soll landwirtschaftliche Flächen wässern, um die Nahrungsmittelproduktion zu verbessern, sowie helfen, Wasserressourcen aufzufüllen und die Versorgung mit Elektrizität zu sichern. Das klingt doch erstmal sehr ehrenwert, oder?

Wer wie ich die Augen nach derartigen Wettermanipulationsmeldungen offen hält, weiß, dass die Chinesen seit längerem am Wetterhahn drehen. China hat für seine Wetterexperimente immerhin ein staatliches Amt für Wetterbeeinflussung gegründet.

Die Beispiele, die sich für chinesische Wettermanipulationen finden lassen, sind im gelungenen wie misslungenen Fall beeindruckend: So sprühten Flugzeuge bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 Chemikalien in die Luft, damit sich die Wolken noch vor und nicht erst über den Sportstätten entleerten. Zum 60. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik beschenkte man sich so auch mit  blauem Himmel über Peking. Doch nicht jede Manipulation gelingt: 2009 brachte ein künstlich erzeugter Sturm Peking mit 16 Millionen Tonnen Schnee ein Chaos. Der Grund: Man hatte Chemikalien in die Wolken gesprüht, um die anhaltende Dürre in der Region zu beenden.

Wolken impfen – wie geht das?

Die Maßnahme, mit Flugzeugen Chemikalien auf Wolken zu sprühen, nennt man auch „Wolkenimpfen“ – sie ist umstritten. Laut Wikipedia bringt man dazu per Flieger (oder auch per Kanonengeschossen) Chemikalien in die Wolken ein, die zu den natürlichen Kondensationskeimen (auch Aerosole genannt) wie Staubpartikel, Bakterien oder Pollen noch künstliche wie Silber- oder Bleiiodid hinzufügen. An den Kleinstpartikeln schlägt sich der Wasserdampf der Luft nieder, so dass sich Tröpfchen bilden (der Wasserdampf kondensiert). Der Effekt des Impfens der Wolken ist der: Wegen der zusätzlichen Keime bilden sich mehr kleine Hagelkörner statt weniger großer. Damit soll die Niederschlagsmenge gezielt in trockenen Regionen gesteigert und zerstörerischer Hagel abgewehrt werden. Hier eine Grafik dazu:

Cloud Seeding.svg
Cloud Seeding“ von DooFiEigenes Werk. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons.

Und hier ist ein lesenswerter Bericht des Bayerischen Rundfunks (BR) inklusive Video über die „Hagelflieger von Rosenheim„, die seit Jahrzehnten gegen den Hagel in der Region Rosenheim antreten.

Wettermanipulation – im kleinen Stil bewährt, im großen experimentell

Im kleinen Stil, sprich: für Witterungsverhältnisse in einem geografisch kleineren Gebiet, so lese ich weiter, mache der Mensch sich schon seit geraumer Zeit sein Wissen um die Manipulationsmöglichkeiten von Wetter zunutze: So räuchere so mancher Obst- oder Weinbauer seinen Früchten (und damit auch der Atmosphäre – das muss ich – bei aller Liebe zum Obst – hier anmerken) gehörig ein, um mit Hilfe der aufsteigenden Rauchschwaden zu verhindern, dass Fröste Schäden anrichten. Auch umliegende Wasserflächen wie Seen, Teiche & Co. bewirkten einen gewissen Frostschutz für nahe liegende Anbauflächen. Ein Effekt, der sich bei mir vor der Haustür im Alten Land, in „Hamburgs Obstgarten“,  im Frühjahr zur Blütezeit der Obstbäume gut beobachten lasse, schreibt Wikipedia. Selbst der Blitzableiter an meinem Haus könne demnach als Manipulation angesehen werden, denn er lenke den Blitz schließlich vom Gebäude ab. Doch während diese Manipulationen sich im Kleinen angeblich ganz gut bewährt haben, stecke die großräumige Beeinflussung von Wetter und Klima noch in der experimentellen Phase.

Wer wie ich hier über die Manipulation von Wetter beziehungsweise Klima recherchiert, der stolpert früher oder später auch über die beiden Begriffe Chemtrails und Geoengineering. Was es damit auf sich hat, das will ich hier kurz erklären und auch, wie beide Begriffe im Zusammenhang mit der Manipulation von Wetter und Klima stehen.

Chemtrails vs. Geoengineering

Chemtrails ist ein Begriff, der aus den Wörtern „Chemie“ beziehungsweise „Chemikalien“ und „Contrails“, auf Deutsch: „Kondensstreifen“ wie sie von Flugzeugen am Himmel hinterlassen werden, gebildet wurde. Chemtrails sind demzufolge „Chemikalienstreifen“ oder „Chemiestreifen“. Hinter Chemtrails steckt eine Verschwörungstheorie, die besagt, dass Chemtrails Kondensstreifen seien, die neben den herkömmlichen Flugzeugabgasen Chemikalien wie Barium- und Aluminium-Verbindungen enthielten, die bewusst zugesetzt wurden, um sie weltweit über Land und Leute zu versprühen. Das liest man beispielsweise hier. Ziel der chemischen Beregnung sei demnach unter anderem das Geoengineering. Darunter versteht man technische Eingriffe in geochemische oder biogeochemische Kreisläufe der Erde, um zum Beispiel der Klimaerwärmung Einhalt zu gebieten, der Ausbreitung des Ozonlochs entgegenzuwirken oder zu verhindern, dass die Meere übersäuern. Eine Strategie des Geoengineerings sei SRM, was für Solar Radiation Management steht und ein Beeinflussen der Sonneneinstrahlung meint. Nun, hier kann ich Ehrenwertes erkennen, denn die Klimarettung ist auch mir Ehrensache. Während Geoengineering tatsächlich diskutiert wird, auch wenn nicht bekannt ist, wo und wie das bereits eingesetzt wird, nennen die Anhänger der Verschwörungstheorie „Chemtrails“ auch noch viele andere Ziele des Chemieregens, zum Beispiel die Beeinflussung der Zahl der Menschen auf diesem Planeten oder deren Gedankenkontrolle. Macht Euch am besten selbst ein Bild davon, am Besten gebt Ihr dazu einfach mal „Chemtrails“ bei Youtube als Suchbegriff ein. Auch Google liefert unzählige Fundstellen zum Weiterlesen. Es gibt Fürs und Widers. Ich will die Mühlen der Anhänger der Verschwörungstheorie nicht zusätzlich beregnen, deshalb lasse ich die Verschwörung jetzt mal links liegen und beziehe mich in meinem Fazit „nur“ auf die „bestätigten“ Wetter-und Klimamanipulationsversuche der Menschheit.

Fazit: Wettermanipulation? Nein, danke!

Wenn ich mir die genannten und auch nicht genannten, jedoch mit meinem gesunden Menschenverstand durchaus vorstellbaren – ohne gleich verschwörerisch zu denken – Möglichkeiten der Wettermanipulation näher zu Gemüte führe, wird mir vor allem eins: sehr ungemütlich.

Und das gleichwohl ich zweifellos an einer Sättigung aller Menschen auf der Erde interessiert bin. Ich wünsche verdorrtem Boden Feuchtigkeit und keinem so tennisballgroße Hagelkörner, wie sie beispielsweise im Sommer 1986 auf den Garten meiner Großmutter niedergingen und ihre liebe- und mühevoll gehegten und gepflegten  Obst- und Gemüsebeete zerfetzten. Und ja: Ich gönne jedem Besitzer einer Wind und Wettern ausgesetzten Solarthermie-Anlage auf dem Dach Sonne satt, sprich: wolkenlosen Himmel, der hohe Solarerträge liefert und ebenso wünsche ich Anlagenbetreibern ein Ausbleiben Kollektoren zerstörender Hageleinschläge.

Mich beschleicht statt einer schönen Aussicht auf mit Wettermanipulation lösbare Menschheitsprobleme wie Hunger infolge von Dürre vielmehr großes Unbehagen und bei eingehender Betrachtung der Manipulationsversuche des Wetters seitens der US-Amerikaner, der Russen, der Chinesen (upps, das sind ja drei Großmächte!) und anderen Möchtegern-Wettermachern auch Angst. Angst vor einem Missbrauch der vermeintlichen Macht über das Wetter, nur, um Macht über andere Menschen zu erringen und sie mit allen Mitteln zu festigen. Angst vor unwiderruflichen Änderungen des natürlichen Systems, das ohne den Menschen eh gesünder wäre. Und deshalb bin ich entschieden gegen solche Manipulationen. Statt vom Wetterministerium erfahre ich die Wettervorhersage lieber vom meteorologischen Dienst, auch wenn das heißt, die eine oder andere falsche Vorhersage zu bekommen. Immerhin ist das Wetter eins der Dinge, die mich überraschen können – jeden Tag aufs Neue.

Fotos: Dolphin / photocase.de (Titel), Wikipedia (Grafik)