Die Landschaft der erneuerbaren Heizmethoden ist vielfältig. Da gibt es Solarthermie, Pelletsöfen, Wärmepumpen oder einfache Holzkamine. Jede dieser Energieformen spart unterschiedlich viel Energie ein, hat unterschiedliche Investitionskosten und auch unterschiedliche Kosten im Betrieb. Ein heilloses Durcheinander also. In letzter Zeit höre ich immer wieder die Frage danach, wie man die laufenden Kosten bzw. den Stromverbrauch einer Wärmepumpe realistisch einschätzen kann. Die Antwort ist meistens: Faustregel gibt es nicht, hängt von zu vielen Faktoren ab, etc… aber ich finde man muss es wenigstens probieren.

Ich habe hier nun einige Infos zusammengetragen, die ich hier zur Diskussion stellen möchte. Die klassische Formel lautet folgendermaßen.

Heizleistung / Jahresarbeitszahl * Heizstunden * Wärmepumpentarif = Stromkosten der Wärmepumpe/Jahr

Als normaler Mensch kann man mit keiner der einzelnen Punkte etwas anfangen, hab ich Recht? Bevor ich also auf diese Formel im Detail eingehe, zügle ich das Pferd nun vorher von hinten auf und versuche von meiner Wohnung ausgehend die zukünftigen Heizkosten die ich bei der Umstellung von Gas auf die Wärmepumpe hätte. Ich verbrauche derzeit ca. 8000 kWh Gas/Jahr. Ich denke, das ist auch die einzige Information, die ich als Heimbesitzer habe, wenn ich die Energiekostenabrechnung aus den Unterlagen hervorkrame. Es geht jetzt auch nicht unbedingt um Neubau, da hat man all die oben stehenden Werte noch eher zur Hand. Mir geht’s hier ums Verständnis und, dass das jeder mal für sich durchrechnen kann.

Warmwasser und Heizwasserverbrauch entscheidend

Bevor man jedoch zu rechnen beginnen kann, muss man sich bewusst sein, dass man in einem Haus zwei verschiedene Nutzungsmöglichkeiten von Warmwasser mit jeweils unterschiedlichen Temperaturniveaus hat. Während ich beim Brauchwasser fürs Duschen höhere Temperaturen von 50° benötige, will die Fußbodenheizung mit niedrigeren Temperaturen um die 30° betrieben werden. Das Temperaturniveau ist ganz entscheidend, weil jedes gewünschte Grad mehr, auch entsprechend mehr Leistung vom Energiesystem verlangt. Nun hat man als Normalverbraucher aber leider keinen Einblick in die Aufteilung der verbrauchten Energie in Warmwasser und Heizung. Am Ende des Jahres kommt nämlich nur die Gesamtrechnung. Das macht die Sache nicht unbedingt leichter. Früher ist man von einer Aufteilung von 80:20 oder 70:30 zugunsten der Heizung ausgegangen. Das ist auch logisch, da schlecht gedämmte Häuser im Verhältnis viel mehr Heizenergie verbraucht haben als Duschwasser. Nun werden Häuser immer besser gedämmt und der Heizenergiebedarf sinkt entsprechend. Nicht aber jener fürs Brauchwasser. Wir duschen ja nicht weniger häufig, nur weil das Haus jetzt gedämmt ist. Dieses Verhältnis verrückt sich in vielen neuen Häusern nun natürlich dementsprechend und es gibt Fälle, wo der Warmwasserbedarf jenen der Heizung bereits überschritten hat. Für mein Rechenbeispiel nehme ich der Einfachheit halber nun eine fiktive 50:50 Aufteilung in Heiz- und Brauchwasser an. Dies kann zum Beispiel bei Passivhäusern möglich sein.

Meine persönliche Milchmädchenrechnung

Ich entschuldige mich schon mal vorab für die vermutlich sehr vereinfachte Darstellung, aber hier geht’s primär um das Verständnis und sie soll vor allem als Diskussionsgrundlage dienen für die Frage, wie man den zukünftigen Stromverbrauch einer Wärmepumpe definieren kann.

Meine Annahmen lauten also:

  • Derzeitiger Verbrach 10 000 kWh/Jahr für Heizung und Warmwasser
  • Vereinfachte Aufteilung von 50% für Heizung und 50% für Warmwasser
  • Verluste bei der Gasverbrennung bleiben unberücksichtigt

Annahmen für die Wärmepumpen müssen auch gemacht werden, weil die Jahresarbeitszahl (JAZ) sich ändert, wenn ich damit wärmeres Wasser machen möchte. Vielleicht ist auch noch eine kurze Erklärung zur Jahresarbeitszahl nötig: Vereinfacht gesagt ist das der Faktor, der angibt, mit wie vielen Kilowattstunden (kWh) Strom ich soundsoviele Kilowattstunden warmes Wasser erzeugen kann (Was ist eine Kilowattstunde?). Eine Jahresarbeitszahl von 3 bedeutet also, dass ich mit einer kWh Strom drei kWh Wärme erzeugen kann. Hier noch Zusatzinfos zu den Einflussfaktoren. Nun zurück zum Beispiel. Folgende Werte nehme ich für die Wärmepumpen an (darüber kann man sicher auch streiten, es handelt sich um eine Annahme, die ich aus verschiedenen Gesprächen entnommen habe, einen JAZ-Rechner gibt’s übrigens hier):

Luftwärmepumpe:

  • JAZ Warmwasser: 2,4
  • JAZ Heizung: 2,8
Erdwärmepumpe
  • JAZ Warmwasser: 3,8
  • JAZ Heizung: 4

Berechnung der Stromkosten der Wärmepumpe

Jetzt wo das alles geklärt ist, ist meine sprichwörtliche Milchmädchenrechnung recht einfach. Ich nehme die jeweils 5000 kWh und dividiere sie durch die Jahresarbeitszahl, dadurch bekomme ich die kWh die ich vom Stromnetz beziehen muss. Die Beispiele sind wieder aufgeteilt in Luftwärmepumpe und Erdwärmepumpe.

Beispiel Luftwärmepumpe:
Warmwasser: 5000 kWh / 2,4 = 2083 kWh
Heizung: 5000 kWh / 2,8 = 1785 kWh
Gesamt: 3868 kWh

Würde ich die Wärmepumpe mit meinem Ökostromtarif betreiben müssen, wären das  21ct/kWh. Da die Energieversorger den Mehrverbrauch an Strom aber begrüßen, gibt es meist Wärmepumpentarife, leider nicht bei meinem Ökostromanbieter, warum eigentlich? Ich nehme hier den aktuellen der Wien Energie. Ich weiß, dass die deutschen Tarife deutlich darüber liegen, aber ich sollte das Beispiel trotzdem für Österreich zu Ende rechnen. Der Nachttarif ist dort 14,5 ct/kWh und der Tagtarif 16,8 ct/kWh. Zur Vereinfachung nehme ich für die weitere Berechnung den Mischtarif von 15,65 ct/kWh.

  • Stromkosten der Luftwärmepumpe mit Ökostromtarif: 3868 * 0,21 = € 812,-/Jahr
  • Stromkosten der Luftwärmepumpe mit Wärmepumpentarif: 3868 * 0,1565 = € 605,-/Jahr

Beispiel Erdwärmepumpe

Warmwasser: 5000 kWh / 3,8 = 1315 kWh
Heizung: 5000 kWh / 4 = 1250 kWh
Gesamt: 2565 kWh

Nachdem wir die Tarifsache bereits bei der Luftwärmepumpe geklärt haben, hier nun das Beispiel für die Erdwärmepumpe.

  • Stromkosten der Erdwärmepumpe mit Ökostromtarif: 2565 * 0,21 = € 538,-/Jahr
  • Stromkosten der Erdwärmepumpe mit Wärmepumpentarif: 2565 * 0,1565 = € 401,-/Jahr

 Ergebnis im Vergleich mit den derzeitigen Heizkosten

Uff, das war jetzt ein hartes Stück Arbeit, aber ich denke wir sind der Sache schon ein bisschen näher gekommen. Nun bleibt nur noch die Kosten mit den dezeitigen Kosten zu vergleichen. Gas ist leider immer ein undankbarer Vergleichspartner. Die Kosten sind zwar gestiegen und werden es weiter tun, aber Öl ist da den Erneuerbaren gegenüber schon deutlich dankbarer, wenn man es vom Einsparungspotenzial her betrachtet. Mein geringer Energieverbrauch ist auch nicht unbedingt förderlich, für ein wahnsinnig hohes Einsparpotenzial. Derzeit zahle ich für die kWh Gas 8ct/kWh. Das sind bei den angenommenen 10.000 kWh also € 800,-/Jahr.

Hier nochmal die Ergebnisse im Überblick:

  • Stromkosten der Luftwärmepumpe mit Ökostromtarif: 3868 * 0,21 = € 812,-/Jahr
  • Stromkosten der Luftwärmepumpe mit Wärmepumpentarif: 3868 * 0,1565 = € 605/Jahr
  • Stromkosten der Erdwärmepumpe mit Ökostromtarif: 2565 * 0,21 = € 538,-/Jahr
  • Stromkosten der Erdwärmepumpe mit Wärmepumpentarif: 2565 * 0,1565 = € 401,-/Jahr

Der Umstieg auf die Luftwärmepumpe mit Ökostromtarif macht derzeit leider keinen Sinn. Auch die Ersparnisse aus dem Wärmepumpentarif sind überschaubar. Bei der Erdwärmepumpe sieht’s schon etwas besser aus, wobei ich konsequenterweise schon zu einem Ökostromtarif tendieren würde. Was bringt mir die Wärmepumpe, wenn dafür Kohle verbrannt werden muss. Wie gesagt, mein Beispiel mit wenig Energieverbrauch und Gas zum Vergleich ist wenig representativ. Ich wollte es aber aus meiner Situation heraus vergleichen, damit es mir andere gleich tun können. Nicht zu vergessen sind natürlich auch die Investitionskosten. Wirtschaftlich ist diese Anlage auf keinen Fall, weil ja fast keine Ersparnisse zu erwarten sind. „Rechnen“ tut sie sich also nicht.

Der Haken – Unabhängigkeit wird schwierig

Die Energieversorger haben grosses Interesse daran, dass möglichst viele Menschen ihre Heizung auf Wärmepumpen umstellen. Bei immer härteren Effizienzmaßnahmen und der flächendeckenden Einführung von LEDs die ihnen vor allem in der Nachtabnahme weh tun, sind Wärmepumpen, denen man nachts Energie liefern kann, natürlich eiche willkommene Quelle. Über Photovoltaikbetriebene Wärmepumpen habe ich nach wie vor keine fertige und fundierte Meinung und da sich auch die hohe Wissenschaft in der Frage nicht einig ist, dauert die Erkenntnisgewinnung wohl noch ein wenig, bzw. hängt die Frage maßgeblich von der zukünftigen Entwicklung der Strompreise ab, über die aber weder ich noch die Wissenschaft Bescheid weiß. Wenn ich mir anschaue wie massiv der Leistungsabfall meiner Anlage im Winter ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Heizleistung durch die Anlage erbracht werden kann. Man muss sich also bewusst sein, dass der Strom im Winter hauptsächlich vom Netz kommt. Solange dieser nicht aus Wind- und Wasserkraft ist, ist die Gefahr sehr hoch, dass vor allem Kohle- und Atomkraftwerke angeworfen werden müssen um diesen Mehrverbrauch an Strom zu decken. Wenn das Haus fast keine Wärme braucht, lässt sich das natürlich leichter bewerkstelligen.

Ich hoffe ihr könnt nun selbst auch die Berechnung anstellen. Die Energie-Experten haben das hier ebenfalls schon mal gemacht. In weiterer Folge werden wir solche Berechnungsmodelle für alle verschiedenen Heizarten vorstellen. Wirklich spannend wird die Berechnung bei der Kombination der Systeme. Leider gibt’s da noch nicht wirklich gute Rechner, oder hat hierzu jemand Tipps?

Bild: sonnentaler / photocase.com