Ausnahmensweise gibt es einen Aritkel am Sonntag, da heute am 21.9.2014 der weltweite Klima-Aktionstag ist und offensichtlich muss man manchmal Kraftausdrücke verwenden, um die Dinge auf den Punkt zu bringen – damit es auch der oder die letzte kapiert. Der Top-Klimawissenschaftler Jason Box jedenfalls hat Klartext geredet, alarmiert durch neue Erkenntnisse über die Freisetzung von arktischem Methan:

„Wenn auch nur ein kleiner Teil des arktischen Kohlenstoffs in die Atmosphäre entweicht, sind wir am Arsch.“

Und Jason Box muss es wissen: Der Klimatologe verbrachte im Rahmen seiner Grönland-Expeditionen mehr als ein Jahr in einem Zelt auf dem Inlandseis und kann auf unzählige wissenschaftlich anerkannte Veröffentlichungen verweisen. Wer sich durch seinen TwitterAccount @climate_ice scrollt, findet hoch kompetente, mit wertvollen Links gespickte Nachrichten – und ebenjene, in der das deftige F-Wort vorkommt und die inzwischen fast 1.200 Mal bei Twitter geteilt wurde.

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Höllenschlund am Ende der Welt

Angefangen hat es mit einem mysteriösen Krater, der im vergangenen Juli auf der russischen Halbinsel Yamal entdeckt wurde, etwa 40 km von dem größten russischen Erdgasfeld Bowanenko entfernt. Das Erdloch hatte einen Durchmesser von gut 80 Metern und reichte bis in unbestimmbare Tiefe. Kurz darauf fand man noch zwei weitere „Höllenschlunde“. Yamal bedeutet „Ende der Welt“ – der Name passt aber nicht nur zur Lage im hohen Norden Russlands an der arktischen Kara See gelegen – die seltsamen Krater könnten auch das Ende der Erde als bewohnbarem Planeten ankündigen.

Explosionsartige Austritte von Methanblasen

Inzwischen hat man herausgefunden, dass sie von explosionsartig ausgetretenen Methanblasen ausgelöst wurden – freigegeben vom Permafrostboden, der durch den Klimawandel langsam auftaut. Ein komplexer Prozess, der unter anderem auch durch das Abschmelzen des Poleises verstärkt wird (weißes Eis reflektiert einen Teil der Sonneneinstrahlung).

Dass immer mehr Methan aus der Arktis ausblubbert, weiß man schon länger. Allerdings glaubte man bisher, dass es beim Aufstieg vom Meeresboden abgebaut wird, z.B. durch Mikroorganismen. Ein schwedisches Forschungsteam hat jedoch herausgefunden, dass das Methan unbeschadet die Meeresoberfläche erreicht – und damit auch die Erdatmosphäre.Die folgende Grafik der US-amerikanischen National Science Foundation zeigt, dass in der vergleichsweise kleinen ostsibirischen Arktisregion genauso viel Methan austreten kann wie aus dem Rest der Weltmeere:

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Der arktische Meeresboden, dank Klimaerwärmung ein Schweizer Käse?

 

Methan ist mehr als 20 Mal klimaschädlicher als CO2

Methan (CH4) ist mehr als 20 Mal so klimawirksam wie Kohlendioxid (CO2), das ja als Haupt-Klimaschädling wahrgenommen wird, weil seine Konzentration in der Atmosphäre weitaus höher ist als die von Methan. Bereits geringe Mengen von austretendem Methan könnten den Treibhauseffekt rasant beschleunigen und das Leben auf der Erde verdammt ungemütlich machen. Professor Jason Box spricht von einem erwachenden Klimadrachen.

Die wichtigste Petition, die Avaaz je gestartet hat: Entscheidung in New York

Am Sonntag, 23. September startet der Weltklimagipfel in New York. Um die internationale Gemeinschaft aufzurütteln, hat die Internetplattform Avaaz eine Petition gestartet, die den Entscheidungsträgern einheizen soll (anstatt der Erde).

„Wissenschaftler warnen, dass der Klimawandel außer Kontrolle geraten könnte und so alles, was uns am Herzen liegt, gefährdet. Bitte halten Sie den globalen Temperaturanstieg unter dem gefährlichen Grenzwert von 2°C, indem Sie den CO2-Ausstoß allmählich auf Null reduzieren. Hierzu müssen Sie dringend realistische globale, nationale und örtliche Vereinbarungen treffen, mit denen unsere Gesellschaft und Volkswirtschaft bis 2050 auf 100% erneuerbare Energien umgestellt wird. Gestalten Sie diesen Umstieg fair und unterstützen Sie die anfälligsten Bevölkerungsgruppen. Unsere Welt ist es wert, erhalten zu werden, und jetzt ist der Augenblick zu handeln. Doch um alles zu verändern, sind wir alle gefragt. Machen Sie mit!“

Auch wenn sich der Wortlaut auf CO2-beschränkt – der Klimawandel betrifft uns alle. Also – falls Ihr noch nicht unterzeichnet habt: Tut das schnell hier!

 

Foto: Susanne Miller, US Fish and Wildlife Service

Grafik: Zina Deretsky, National Science Foundation