Ich weiß, es scheint unglaublich, aber in der Solarthermie ist es tatsächlich nicht so einfach herauszufinden, wie viele kWh der einzelne Kollektor in Stande ist übers Jahr zu produzieren (Kollektorertrag). Während bei der Photovoltaik die Nennleistung, die unter Standardtestbedigungen erziehlbar ist, bereits im Namen enthalten ist, ist das bei der Thermie erstens nicht ganz so einfach aber zweitens wird es dem Kunden unnötig schwer gemacht, sich darüber zu informieren.

Heute kommt der schon lange versprochene Follow-up Artikel zur Solar Keymark – der Datenbank für zertifizierte Kollektoren. Hier habe ich beschrieben, wie man sich generell in dieser Datenbank zurechtfindet. Sie ist leider weit davon entfernt es Laien einfach zu machen sich zurechtzufinden, aber dazu gibt’s ja schließlich uns! Hier nochmal die Kurzversion für den Einstieg. Die Langversion ist hier.

  • 1. Schritt – Einstieg in die Datenbank
  • 2. Schritt – Kollektor suchen (hier im Beispiel Aqua Plasma) und Datenblatt (Data Sheet) abrufen
  • 3. Schritt – Ertragsdaten auf der 2. Seite einsehen

Hier das alles erklärende Bild:

Solar Keymark Aqua Plasma Ertragsdaten So sieht es aus, wenn man es bis zum Datenblatt 2 (Page 2/2)  geschafft hat. Hier kann man nun tatsächlich sehen, wie viele kWh der Kollektor unter den verschiedenen Standardtestbedingungen bringt. Da es mit der Wärme aber nicht ganz so einfach ist, wie mit dem Strom, gibt es hier unterschiedliche Werte, die ich noch einmal kurz erklären möchte.

Temperaturdifferenz entscheidend

Ich bin ja echt kein Physikgenie, aber eines habe ich die letzten Jahre bei der Beschäftigung mit Solarthermie gelernt: Es macht einen krassen Unterschied ob ich nun 25° warmes Wasser oder 75° warmes Wasser haben möchte. Was für viele Techniker so logisch klingt ist es für Laien überhaupt nicht, wenn ich das mal so sagen darf. Warmes Wasser ist einfach warmes Wasser, oder nicht? NEIN – eben nicht. Niedrige Temperaturen bis zu 40° sind relativ einfach herzustellen, da reicht ja schließlich auch der allseits bekannte schwarze Gartenschlauch. Darüber hinaus wirds aber schon etwas haariger. Deshalb hat man in den Ertragsdaten dieser Problematik auch Rechnung getragen. Man hätte ja auch nur eine Standardtemperatur definieren können, dann wäre aber vor allem bei höheren Temperaturniveaus, die für Altbauten, Industrie oder Fernwärmenetze entscheidend sind, nicht klar, welche Kollektoren am besten geeignet sind.

In der Solar Keymark werden deshalb drei Temperaturniveaus unterschieden:

  • 25° – zB. für Fußbodenheizungen die mit Niedrigtemperatur laufen
  • 50° – zB. für Warmwasserbereitung oder Heizungen mit höheren Temperaturniveaus
  • 75° – zB. für Altbauten, Industrie oder Fernwärme

Standort für Kollektorertrag wichtiger als bei Photovoltaik

Nachdem bei der Solarthermie die Außentemperatur eine viel größere Rolle spielt als bei der Photovoltaik, die kühlere Gefilde ja sogar lieber mag, müssen bei den Tests auch die unterschiedlichen Temperaturen berücksichtigt werden. Warum genau diese Orte ausgewählt wurden, weiß ich nicht, es geht jedenfalls um die unterschiedlichen Sonnenstunden und Außentemperaturen in diesen Orten. Während in Athen 1765 kWh/m2 auf die Erdoberfläche treffen, sind es in Würzburg 1244 kWh/m2.  Man sieht auch, dass die Kollektorneigung unterschiedlich angenommen wurde. Je weiter nördlich man kommt, desto steiler wird die Neigung.

Solar Keymar Würzburg Davos Stockholm Athen

All das soll euch aber gar nicht so sehr beschäftigen. Das sind die Hintergrundinformationen dazu, wie die Zahlen zustande kommen. für den deutschsprachigen Raum ist aber lediglich ein kleiner Ausschnitt entscheidend, den ich hier noch einmal heranzoomen werde.

Solarthermie Ertrag in kWh

Dieser kleine Ausschnitt der jährliche Kollektoroutput ist also für „Normalos“ relevant. Die ganze erste Seite betrifft fast ausschließlich Planer, die diese Werte in Berechnungssysteme eingeben können. Für die meisten Menschen ist aber eben nur dieser kleine Teil, neben der Kollektorgröße wichtig. Sie müssen wissen wie der Kollektor heisst und dann kann man sie sehr gut vergleichen. Interessant wird’s eben bei höheren Temperaturniveaus, da gibt es bei vielen Kollektoren einen starken Abfall. Achtung auch auf die Kollektorgröße. Hier sollen Sie natürlich auch beachten ob der „stärkere“ Kollektor nicht einfach doppelt so groß ist.

Das Ergebnis unserer Challenge also zusammengefasst:

Der kleine Kollektor mit 17 Röhren und 1,69 m2 schafft je nach Temperaturniveau im Raum Deutschland:

  • 1207 kWh/Jahr für 25° warmes Wasser
  • 1106 kWh/Jahr für 50° warmes Wasser
  • 1101 kWh/Jahr für 75° heisses Wasser

Entscheidend ist also wirklich auch die Anwendung. Wofür wird der Kollektor eingesetzt? Was eigentlich logisch ist, bekommt hier noch eine klarere Bedeutung.

Nicht alle Unternehmen zeigen den Kollektorertrag so genau

Leider scheuen noch viele diese Transparenz, weshalb noch nicht alle Kollektoren mit den Datenblatt 2 ausgestattet sind. Von der Photovoltaik kommend kann ich sowas überhaupt nicht verstehen. Man stelle sich vor es würden Module verkauft wo die Nennleistung nicht draufsteht??

Ich hoffe jedenfalls, dass ich dem ein oder anderen dabei helfen konnte die Kollektorertrag seiner potenziellen oder sogar bestehenden Anlage herauszufinden. Wir werden in nächster Zeit auch noch ein paar Interviews zu diesem Thema bringen und wenn ich einen Wunsch an das Christkind frei hätte, würde ich mir eine Datenbank wünschen, die den Kollektorertrag je nach Standort und Temperaturniveau mit nur einem Klick zeigt!

Bild: grabba / photocase.com