Eine Kilowattstunde fossile Wärme gibt es für 7 bis 8 Eurocent. Wie kann fossile Energie noch immer so billig sein? Ganz einfach: Weil nicht alle Kosten von Ölheizungen auch auf der Heizkostenabrechnung erscheinen.

Der Unterschied zwischen Betriebs- und Volkswirtschaft

Denn man muss nicht nur die Anschaffungskosten der Heizanlage draufschlagen (die bei modernen Ölheizungen zu Vollkosten von gut 26 ct/kWh über 20 Jahre hinweg führen), nein: im Wirtschaftsleben gibt es auch noch so genannte externe Effekte, für die weder der Anbieter noch der Kunde die Kosten trägt, sondern die Allgemeinheit. Während der betriebswirtschaftliche Kostenbegriff nur den Einsatz von Materialien, Energie und Arbeitskraft beinhaltet, betreffen die externen Kosten die gesamte Volkswirtschaft. So lehren mich die fossilen Energieträger gerade den Unterschied zwischen Betriebs- und Volkswirtschaft.

Die externen Kosten von Ölheizungen

Förderung, Transport und Verbrennung von Öl verursachen enorme „Nebenwirkungen“ für Umwelt und Gesellschaft:

  • Umweltbelastung durch CO2-Ausstoß (globale Erwärmung!)
  • lokale Umweltverschmutzung (Gewässer, Luft und Boden) durch Schadstoffe
  • Gesundheitsschäden
  • Verkehrsbelastungen durch Lieferung und Transport (Öllaster)
  • Schäden bei Havarie/Hochwasser

Welchen Preis sind wir zu zahlen bereit?

Diese Belastungen trägt meist nicht die Heizungs- und Ölindustrie, sondern der Staat und das Gesundheitssystem – mit Steuern und Abgaben seiner Bürger. Deshalb spricht man auch von sozialen Kosten. Während für Betriebswirtschaftler der Marktpreis wichtig ist, müssten Politiker (und wir!) ehrlicherweise auch die volkswirtschaftlichen Kosten im Blick haben. Das wäre echte Kostenwahrheit. Über die (betriebswirtschaftlichen) Gestehungskosten von Wärme hat Conny ja schon viel Aufklärungsarbeit geleistet. Doch die externen Kosten für Umwelt- und Gesundheitsfolgeschäden in Geld zu beziffern ist noch schwieriger.

Wissenschaft schätzt Kosten von Umwelt- und Gesundheitsfolgen

Auf der Suche nach belastbaren Zahlen für externe Kosten von Ölheizungen bin ich auf die Veröffentlichungen des Umweltbundesamtes gestoßen:

Die Methodenkonvention fasst die wissenschaftlichen Grundlagen zur Schätzung von Umweltkosten zusammen und ist 148 Seiten stark – daran sieht man schon, wie komplex das Thema ist. Die darauf basierenden Empfehlungen enthalten etwas kompaktere Informationen. Zum Beispiel diese doch recht interessante Tabelle mit Umweltkosten der Wärmeerzeugung für deutsche Haushalte:

Umweltkosten der Wärmeerzeugung 2010

Umweltkosten der Wärmeerzeugung 2010

Das heißt: Heizen mit Öl kostet die Allgemeinheit zusätzlich 3,3 ct/kWh – und das Heizen mit Strom aus dem Netz sogar zusätzlich 6,3 ct/kWh!

Demnach verursacht das Heizen mit Strom aus dem Netz die höchsten Umweltkosten, dicht gefolgt von der Braunkohle. Daneben würde sich das Heizen mit Erdgas und Heizöl schon fast umweltfreundlich ausnehmen – wenn nicht die Erneuerbaren Energien wären: Heizen mit Solarthermie ist bei den Umweltkosten einfach unschlagbar, es kostet die Umwelt nur 1,1 ct/kWh zusätzlich. Und auch bei den Wärmegestehungskosten kann sie konkurrieren – allerdings nicht, wenn Entscheidungen so kurzsichtig getroffen werden, dass 5 ct pro Kilowattstunde immer noch nicht (wenig) genug sind. Dabei beziehen die sich auch nur auf einen Nutzungszeitraum von 25 Jahren, während wir mit dem Klimawandel noch einige Jahrtausende klarkommen müssen. Noch sind viele alte Ölheizungen in Betrieb und die Kosten einer neuen (Solarthermie)Anlage sorgen für einen Lock-in-Effekt. Die Einpreisung von Umweltkosten in alle Energieträger könnte den Wechselwillen erhöhen und wäre eine unglaublich wichtige Aufgabe der Politik, der dazu derzeit aber anscheinend der Mut fehlt. Lieber schickt man Millionen an Fördergeldern ins System um das Ungleichgewicht ein wenig auszugleichen anstatt den Systemwechsel aktiv zu gestalten.

Gewinn gegen Gemeinwohl?

Das Bundesumweltamt ist in seinen Empfehlungen der gleichen Meinung.

„Grundsätzlich sollten Umweltkosten nicht der Allgemeinheit, sondern den Verursachern angelastet werden. Denn solange die Preise den Verzehr an unserer Umwelt nicht adäquat widerspiegeln, entstehen Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten umweltfreundlicher Produkte und Pro­duktionsverfahren und die Verbraucher erhalten über die Preise kein Signal, die Umwelt sparsamer zu nutzen.“

(Umweltbundesamt)

Ketzerischer ausgedrückt: Wer sein oder ihr Haus solar beheizt, belastet die Allgemeinheit am wenigsten. Bei einer Ölheizung dagegen profitiert vor allem die Fossilindustrie (noch) von den nicht eingerechneten Umweltkosten.

Oder was meint Ihr dazu?

Foto: kallejipp / photocase.de; Grafik: Breitschopf / Umweltbundesamt