Ich fühle mich wirklich privilegiert in manchen Situationen so nah am Kunden zu sein um mitzubekommen, was die Menschen so denken. Deshalb auch heute wieder ein Schmankerl aus meinem Leben. Die Heizungstechniker leben ja oft in einer Welt wo sie annehmen, dass normale Menschen etwas mit dem Wort Kilowattstunden anfangen können. Ich weiß, dass das bei 90% der Menschen nicht der Fall ist und deshalb kann den Leuten auch so viel Falsches erzählt werden. Was dabei rauskommt ist folgende Anfrage: Eine Kunde schreibt in einer Anfrage auf einem Angebotsportal wortwörtlich:

Gesucht werden 3-4 Photovoltaikmodule. Der produzierte Strom soll das Brauchwasser sowie die Fussbodenheizung unterstützen.

Was sagt uns diese Anfrage?

Sehr interessant. Jemand will mit der Sonne heizen und er möchte dafür 3-4 Photovoltaikmodule. Es gibt da draussen anscheinend nicht wenige Menschen, die die Sonnenenergie mittlerweile so großartig finden, dass sie meinen, dass man mit 1 kWp Photovoltaik (=4 Module á 250 Wp) was einer Fläche von ca. 7 m2 entspricht bereits sein Haus mit Brauchwasser inkl. Heizungsunterstützung versorgen kann. Es freut mich wirklich, dass hier die Begeisterung so groß ist, aber es zeigt auch mal wieder, dass vielen Menschen nicht bewusst ist, wie viel Energie für die Wärme eigentlich draufgeht. Nämlich das 5-10 fache wie für Strom.
Weil ich solche Anfragen durchaus ernst nehme und es mich auch persönlich interessiert wie die Berechnung für diese Anforderung aussehen könnte, spiele ich dieses Spiel mal von vorne bis hinten durch.
  • 1 kWp Photovoltaik produziert ca. 1000 kWh im Jahr
  • Ein durchschnittlicher Haushalt mit 4 Personen braucht ca. 4000 kWh/Jahr für Strom (Die Anlage produziert also ein Viertel des Stromverbrauchs). 
  • Ein durschnittlicher Haushalt Baujahr bis 2002 braucht 20.000 kWh/Jahr für Wärme (Anlage produziert 5% der Wärmeenergie)
  • Ein kfW-Effizienzhaus Plus 70 brauch ca. 12.000 kWh/Jahr für Wärme (Anlange produziert 8% der Wärmeenergie)

Nun können wir uns mal ungefähr ausrechen wie viel diese 3-4 Module zur Heizung beitragen können. Nicht falsch verstehen. Eine 1-2 kWp Anlage macht in Haushalten oft sehr viel Sinn, weil der gesamte Strom selbst verbraucht wird, aber für das Warmwasser und erst recht die Heizung sieht es eher mau aus aber ich würde es gern noch weiter spielen und hab mir meine eigene 8,75 kWp Anlage angesehen.

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Stromerzeugung einer 8,75 kWp Anlage im November im österreichischen Waldviertel.

  • An den besten Tagen im November liefert die Anlage fast 30 kWh.
  • An den schlechtesten unter 5 kWh
  • Umgerechnet bedeutet dies auf 1 kWp bedeutet dies 3,4 kWh an einem guten und 0,57 kWh an einem schlechten Tag.

Mit den 3,4 kWh könnte man vielleicht noch ein wenig was anfangen, wenn die Anlage aber auch für den Strom verwendet wird, wird im November aber für die Fußbodenheizung nicht viel übrig bleiben. An den schlechten Tagen können wir gerade mal ein paar Stromverbraucher einschalten. Wir halten fest. Mit 3-4 PV-Modulen lässt sich noch nicht recht viel ausrichten bei der Wärme. Dasselbe Spiel möchte ich auch mit meinen Vakuumröhrenkollektoren zu Hause machen, dazu aber mehr das nächste Mal, leider sind die Onlineportale bei der Solarthermie noch Lichtjahre hinter der PV zurück, aber das ist eine andere Geschichte. Bis dahin könnt ihr das Thema „Nennleistung bei Solarthermie“ schon mal durchlesen, da steht auch einiges wie diese Rechnung mit Thermie ausfallen würde, die Faustregel lautet ca. 4x so viel Ertrag mit Hochleistungskollektoren, die auf den Winter ausgelegt sind.

Wie viel Energie wird pro Tag verbraucht?

Was ich jetzt noch nicht gefunden habe ist eine Grafik die zeigt, wie viel Kilowattstunden pro Tag in einem durchschnittlichen Haushalt im November eigentlich gebraucht werden. Wenn da jemand einen Link oder eine Grafik hat, wäre ich sehr dankbar, damit ich dieses Gedankenexperiment zu Ende bringen kann.

Das Gefühl für Wärmeenergie fehlt komplett

Ich merke jedenfalls immer wieder, dass es nicht wirklich ein Gefühl für Wärme im Haus gibt. Beim Strom ist das schon etwas besser aber auch noch weit entfernt von Allgemeinwissen. Hier muss noch viel mehr Aufklärungsarbeit betrieben werden, damit die Kunden auch wirklich wissen, wofür oder wogegen sie sich eigentlich entscheiden um die Wärmewende wirklich in Gang zu bringen.

Foto: Dachgold 8,75 kWp Anlage