Wir haben hier schon einiges zum neuen Kollektorertragslabel geschrieben. Und doch ist ganz bestimmt noch sehr vielen Menschen unklar, was das eigentlich soll. Deshalb möchte ich heute auf das Grundproblem eingehen, mit dem die „freien“ Energien, wie ich sie gerne nenne, zu tun haben. Sehr oft, werden freie Energien, also jene die keine Primärenergie verbrauchen, mit Energieformen, die noch etwas verbrauchen oder verbrennen, verglichen. Da diese Energieformen gerade was den EnergieVERBRAUCH betrifft so schlecht vergleichbar sind, werden sie einfach nicht verglichen. Genau das ist der Solarthermie beim neuen Effizienzlabel für Heizgeräte passiert.

Laut EU-Definition ist Solarthermie kein Wärmeerzeuger sondern eine Effizienztechnologie

Stefan Abrecht, der „Erfinder“ des Kollektorlabels mit dem wir hier schon gesprochen haben, erklärt das folgendermaßen.

„In den Begriffsbestimmungen der EU ist ein Wärmeerzeuger nur dann ein Wärmeerzeuger, wenn er fossile oder Biomasse-Brennstoffe verbrennt, den Joule-Effekt bei der Direktstromheizung nutzt oder Umgebungswärme aus Luft, Wasser oder Boden aufnimmt. Da die Solarthermie leider kostenlose Sonnenenergie verwendet und nichts verbrennt oder verbraucht, gilt sie offiziell nicht als Wärmeerzeuger, sondern als Effizienztechnologie. Das führt dazu, dass sie nicht in den Wettbewerb zu konventionellen Wärmeerzeugern tritt, obwohl sie 50% des Bedarfs für Warmwasser und Heizung decken könnte.“

Warum gelten Solarkollektoren also nicht als Wärmeerzeuger?

Stefan Abrecht ist auch dieser Frage auf den Grund gegangen und ist zu einer erstaunlichen Erkenntnis gelangt. Die Solarthermie würde jegliche Skalen sprengen, deshalb lässt man sie einfach gleich weg, weil eben freie Energien so schwer vergleichbar sind mit inputgetriebenen Energien. Ich erklär das das aber erstmal der Reihe nach und hoffe, dass ich alles richtig verstanden habe.

Unterscheidung zwischen Primärenerige und Nutzenergie wichtig

Um das alles zu begreifen, muss man zuerst den Unterschied zwischen Primärenergie und Nutzenergie verstehen. Sabine hat hier dazu schon mal einen ausführlichen Artikel geschrieben. Kurz gesagt ist Primärenergie der Rohstoff der eingesetzt wird um Nutzenergie zu erhalten. Nutzenergie ist die Wärme, die bei uns beim Wasserhahn rauskommt und je nachdem wie viel Primärenergie in Form von Kohle oder Gas eingesetzt werden muss um Nutzenergie zu erhalten, spricht man von effizienteren oder weniger effizienten Geräten.

ERP-Label schaut sich an, wie viel Primärenergie eingesetzt werden muss

Das ERP-Label und die EU-Richtlinie vergleicht hier die verschiedenen Wärmeerzeuger, je nachdem wie effizient sie die Primärenergie verwenden. Demnach gehören Sole-Wärmepumpen und BHKW’s zu den effizientesten Wärmebereitstellern und Elektrokessel zu den ineffizientesten. Das mit den Elektrokesseln liegt vermutlich daran, dass weit, weit entfernt irgendwo sehr viel Kohle verbrannt werden muss, um Strom zu erzeugen, mit dem dann zu Hause Wasser erwärmt wird und auf diesem Weg mit sehr vielen Verlusten zu rechnen ist.

Skala mit Primärenergie

ErP Bezug mit 100% Primärenergie Quelle: Stefan Abrecht

Bei dieser Annahme explodiert die Skala bei Sonnenkollektoren

Ich hoffe soweit ist alles klar. Es geht also darum, wie viel „Stoff“ gebraucht wird um eine bestimmte Menge nutzbarer Energie zu erzeugen. Da man bei Solarthermie bis auf den Pumpenstrom so gut wie keine externe Energie braucht, explodiert die Skala bei dieser Betrachtungsweise. Sie stellt alle anderen Energieformen in den Schatten und die Systeme sind nicht mehr wirklich vergleichbar.

Skalaexplosion

Erweiterte ErP Skala um Biomasse und Solar Quelle: Stefan Abrecht

Neuer Ansatz mit Fokus auf die nutzbare Energie

Stefan Abrecht hat deshalb einen anderen Ansatz gewählt und sich angeschaut wie die Skala aussieht, wenn man fragt, wie viel Primärenergie für 100% Nutzenergie gebraucht wird. So wird sichtbar, welche Energieformen die wenigste Primärenergie verbrauchen und es wird auch deutlich, warum es gesamtenergiewirtschaftlich unglaublich wichtig wäre, diese Energieformen nicht zu diskriminieren.

Nutzenergie

Neuer Ansatz macht Primärenergieverbrauch sichtbar Quelle: Stefan Abrecht

Was ist nun das Ziel des neuen Labels?

Ziel des Kollektorertragslabels ist es also, die ErP-Kennzeichnung zu ergänzen, da sie nur auf energieverbrauchende Produkte eingeht und Solarkollektoren als Effizienztechnologie einzig im sogenannten Verbundlabel ausweist. Sie wird also lediglich zum „Beiwagerl“ statt als ernstzunehmender Energieträger dargestellt. Das heißt auch, die Verbraucher wissen im schlimmsten Fall gar nicht, dass es sowas wie Solarthermie überhaupt gibt und schon gar nicht, wie sie im Vergleich zu den anderen Wärmeerzeugern dasteht. Zusätzlich wird es mit dem Kollektorlabel auch endlich möglich, Solarkollektoren untereinander vergleichbar zu machen. Der Endkunde hat derzeit so gut wie keine Möglichkeit, den spezifischen Ertrag der einzelnen Kollektoren miteinander zu vergleichen, wie es bei der Photovoltaik seit Anbeginn möglich ist.  Schließlich sollen mit dem Label die Angaben auf dem Solar Keymark Datenblatt 2 vereinfacht dargestellt werden, damit sie sich leichter erklären lassen. Ich halte vor allem diesen Punkt für besonders wichtig, weil viel zu lange nicht klar war, wie viel die Kollektoren unter Standardtestbedingungen liefern können.

Soweit alles unklar? Was meint ihr? Hier auch die Erklärung wie es nun aussehen soll. 

Rina H. / photocase.com